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Bayern vs. Werder: Das Topspiel läuft in Gladbach

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Die Borussias haben den FC Bayern entschlüsselt

02.12.2011, 06:55 Uhr | t-online.de

Bayern vs. Werder: Das Topspiel läuft in Gladbach. Am Wochenende spielen die ersten vier Teams der Bundesliga gegeneinander.  (Quelle: imago)

Am Wochenende spielen die ersten vier Teams der Bundesliga gegeneinander. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Es ist natürlich nicht so, dass die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund keine Geschichte hätte. 78 Bundesliga-Begegnungen beider Teams zählen die Statistiker. Und es ist auch nicht so, dass sie keine Geschichten produziert hätte – Gladbachs 12:0 etwa aus dem Jahr 1978 ist unvergessen, es war das höchste Sieg jemals in der deutschen Eliteklasse. Zwei große deutsche Klubs treffen aufeinander, mit fünf bzw. vier Bundesliga-Titeln haben sie die meisten nach den Bayern (21). Nur eines war diese Partie in all den Jahren trotzdem noch nie: ein echtes Spitzenspiel.

Zu Gladbachs großen Zeiten – den 1970er Jahren – dümpelte Borussia Dortmund im Mittelmaß oder gar der Zweiten Liga herum. Und zu Dortmunds großen Zeiten – die 1960er und 1990er – dümpelten die Gladbacher. Nun treffen sich am Samstag der Tabellenzweite und der Tabellenerste im Borussia-Park.

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Mehr Geschichte! Aber auch mehr Gegenwart?

Gleichzeitig treffen in München die Bayern auf Werder Bremen, das sich bei ebenfalls vier Meisterschaften Rang drei im ewigen Liga-Pantheon mit dem BVB teilt. Diese Partie war schon so oft Spitzenspiel, dass man es gar nicht mehr zählen kann. Allein sieben Mal belegten beide Klubs in der Abschlusstabelle derselben Saison die Plätze eins und zwei, manchmal wurde der Titel im direkten Duell entschieden, so wie bei Michael Kutzops berühmtem Pfostenelfmeter 1986. Das Duell in München hat also mehr Geschichte als das in Gladbach. Aber hat es auch mehr Gegenwart?

Bayern und Bremen: erfolgreich, aber rückwärtsgewandt

In der bajuwarischen Kapitale treffen zwei Retro-Projekte aufeinander. Sowohl die Bayern als auch die Bremer haben sich in dieser Spielzeit auf beachtliche Weise von katastrophalen oder zumindest als katastrophal empfundenen Vorsaisons erholt. Erreicht haben sie das auf dem Wege der Restauration, nach dem Prinzip: back to the roots. In Bremen gelang es dem ewigen Thomas Schaaf, wieder eine Werder-typisch eingeschworene Gruppe zu formen und dem bekannt wuchtigen Angriffsspiel seiner Elf neues Leben einzuhauchen. Bei den Bayern hielt der bereits vor 20 Jahren mal im Klub angestellte Jupp Heynckes den Luxuskader bei Laune und drehte an ein paar defensiven Schrauben im Ballbesitzfußball seines Vorgänger Louis van Gaal.

Wirklich Innovatives gibt es auf beiden Seiten nicht zu sehen. Und so könnte es ein nettes, womöglich torreiches Spiel werden in München. Aber wer Fußball auf Höhe der taktischen Zeit erleben will, der sollte eher nach Gladbach schalten.

Borussias überzeugen durch ihre kollektive Intelligenz

Dort begegnen sich mit Lucien Favre und Jürgen Klopp zwei Trainer, die es durch ihre Arbeit schaffen, aus ihren Mannschaften deutlich mehr heraus zu holen als die Summe ihrer Einzelteile. Während die Bayern ihre Partien in der Regel deshalb gewinnen, weil sie die besseren Spieler haben, gewinnen die beiden Borussias natürlich einerseits durch das Talent von Götze und Reus, Hummels und Dante. Aber eben auch und sogar in erster Linie durch ihre bessere Organisation, Strategie und kollektive Intelligenz. Denn wer in diesen Komponenten deutlich unterlegen ist, kann das im heutigen Fußball durch individuelles Genie nicht mehr auffangen.

Selbst Mainz spielt besseren Fußball als München

Die Bayern mussten das zuletzt schmerzhaft erfahren. Gegen Borussia Dortmund machten sich die Experten des übertragenden Fernsehsenders an ein interessantes Spielchen: Sie verglichen vor dem Anpfiff die Akteure beider Teams Position für Position. Heraus kam ein 8:3 – für die Bayern. Das Spiel aber gewann dann Dortmund – und zwar relativ problemlos. Plakativ könnte man es so ausdrücken: Die überlegene taktische Ordnung Klopps schlug das überlegene Rohmaterial von Heynckes.

Die gleiche Botschaft, nur noch schmerzhafter, erfuhren die Münchner dann eine Woche später in Mainz. Wo die Dortmunder von der Kaderausstattung her den Bayern zumindest nahe kommen, hantiert Thomas Tuchel mit dem Personal eines Abstiegskandidaten. Dennoch: Auch Mainz schlug die Bayern. Nicht durch irgendwelche glücklichen Umstände. Sondern weil es den besseren Fußball spielte. Und den besseren Fußball konnte es spielen, weil es besser vorbereitet und eingestellt war. Tuchel hatte die Münchner komplett dechiffriert und seinen "Game Plan" entsprechend konzipiert.

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Klopp, Favre, Tuchel, Slomka

Tuchel kann die Bayern, es war schon sein dritter Sieg in ebenso vielen Jahren, und die Bayern können nicht Konzepttrainer. Selten erzählten die Gegner bei Niederlagen von einem so deutlichen Muster wie dieses Jahr bei den Münchnern. Denn die verloren außerdem noch gegen Favres Gladbach und gegen das von Mirko Slomka trainierte Hannover 96. Klopp, Tuchel, Favre, Slomka: die wahrscheinlich vier besten, definitiv aber taktisch versiertesten Trainer der Bundesliga.

Gerade Klopp hat dieses Jahr viele Kritiker beeindruckt, indem er seinem Team neben dessen Hausprodukt, dem leidenschaftlichen Angriffsfußball, eine zweite, kühlere, Grundvariante beibrachte – die dann in München prompt erfolgreich war. Wer es mit so einem flexiblen Gegenüber zu tun hat, kann nicht nur seinen Stiefel herunter spielen, wie viele Ribérys oder Pizarros er auch im Team haben mag. Es ist schon interessant: Werder hat von seinen vier Saisonniederlagen drei gegen dieselben Rivalen kassiert wie die Bayern: Dortmund, Gladbach, Hannover. Klopp, Favre, Slomka.

Bayern mit Oliver-Bierhoff-Gedächtnisfußball

An deren taktischem Variantenreichtum arbeitet derzeit auch Deutschlands vorderster Übungsleiter. Nicht umsonst hat Joachim Löw die jüngsten Freundschaftsspiele zu teils abenteuerlich anmutenden Experimenten genutzt. Er weiß: Gerade offensive, favorisierte Mannschaften wie seine Nationalelf brauchen ein breites taktisches Inventar, um einen Plan B zu haben, falls der Gegner Plan A erfolgreich neutralisiert. 

Die Bayern haben diesen Plan B nicht, besser gesagt, sie haben nur den einen, den sie in Mainz präsentierten. Der kommt aus der Mottenkiste des Fußballs und heißt: lange, hohe Bälle aus allen Lagen spielen und möglichst viele Standards herausholen. Das Ziel: irgendwie an der richtigen Stelle den Kopf in eine Flanke zu bekommen. Wie bereits Vorgänger Louis van Gaal garnierte jetzt auch Heynckes diesen Oliver-Bierhoff-Gedächtnisfußball mit der nicht gerade kreativpreisverdächtigen Maßnahme, den stämmigen Abwehrmann van Buyten zum Stürmer umzufunktionieren.

Empfehlung für das Wochenende: die Borussias

Stand jetzt ist der Saisonplan der Bayern in Gefahr, dabei hatten sie es sich so schön vorgestellt: Wir holen einen umgänglicheren Trainer, beruhigen dadurch die internen Beziehungen, beheben ein paar offensichtliche Schwachstellen im Kader – und alles wird gut. Aber so einfach läuft es im Fußball heute nicht mehr, zumindest nicht gegen die Spitzencoaches des Landes. Nicht nur beim Nachwuchs, auch bei den Übungsleitern hat die Bundesliga eben einen enormen Qualitätssprung hinter sich.

Wer sich davon überzeugen will, ist am Samstag bei den beiden Borussias genau richtig. Bayern gegen Werder empfiehlt sich dagegen vor allem für Nostalgiker.

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