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Blut-Dopingaffäre: DOSB widerspricht Erfurter Mediziner

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DOSB-Sprecher: "Manipulationen von Eigenblut sind verboten"

16.01.2012, 20:33 Uhr | dpa, dapd, sid

Blut-Dopingaffäre: DOSB widerspricht Erfurter Mediziner. Im Fokus der Anti-Doping-Fahnder: Der Erfurter Olympia-Stützpunkt in Thüringen.  (Quelle: dapd)

Im Fokus der Anti-Doping-Fahnder: Der Erfurter Olympia-Stützpunkt in Thüringen. (Quelle: dapd)

Der Streit um die UV-Bestrahlung von Blut weitet sich aus. Während der umstrittene Erfurter Sportmediziner seine Handlungen rechtfertigt, hat der DOSB die Praktiken des Arztes als rechtswidrig deklariert. Bei einer Veranstaltung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) im Herbst 2010 war die WADA-Verbotsliste für das folgende Jahr durch Professor Wilfried Kindermann vorgestellt worden. "Dort wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ab 1.1.2011 Manipulationen von Eigenblut - Abnahme, Behandlung und Rückführung - verboten sind", sagte DOSB-Pressesprecher Christian Klaue: "Auf Nachfrage wurde bestätigt, dass darunter auch die UV-Bestrahlung fällt." Ob damit eine Leistungssteigerung verbunden ist oder nicht, sei nicht von Belang.

Seit Frühjahr ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt gegen den mittlerweile vom Olympiastützpunkt Erfurt suspendierten Arzt. Konkret wird diesem vorgeworfen, Athleten Blut entnommen, mit UV-Licht bestrahlt und ihnen wieder zugeführt zu haben. Die Methode soll die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes verbessern.

Arzt: "UV-Bestrahlung nur gegen Infektbehandlung"

"Ein leistungssteigernder Effekt ist mit dieser Behandlungsmethode weder verbunden noch beabsichtigt", hieß es zuvor in einer Erklärung des Arztes. Er wende diese Behandlungsmethode zum Zwecke der Infektbehandlung seit mehr als 20 Jahren an. Er sei "nicht darauf gekommen, dass diese Infektionsbehandlung dopingrelevant sein, geschweige denn irgendwann einmal als dopingrelevant eingestuft werden könnte".

Mediziner wehrt sich

Der Erfurter Diplommediziner rechtfertigte sich unterdessen: "Die UV-Bestrahlung von geringen Mengen (max. 50 Milliliter) dem Körper entnommenem und ihm sofort wieder re-injiziertem Blut ist eine seit Jahrzehnten und damit altbekannte Methode zur Behandlung von Infekten. Es gibt weltweit keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die dieser Art von Infektbehandlung eine leistungssteigernde Wirkung zubilligt. Bei dieser Behandlungsmethode werden auch keinerlei Arzneimittel oder verbotene Wirkstoffe zugeführt", argumentierte der Arzt. Die Methode der Infektbehandlung deshalb mit Doping oder gar Blutdoping in Zusammenhang zu bringen, sei absurd.

DESG bestätigt laufendes Verfahren

In seiner Stellungnahme bezog sich der in Erfurt praktizierende Mediziner zudem auf eine im Mai erhaltene Email vom DOSB. Darin sei ihm mitgeteilt worden, dass "Infusionen unter Dopinggesichtspunkten ab sofort kritisch zu sehen, intravenöse Injektionen bis 50 Milliliter aber nach wie vor zugelassen sind." DOSB-Pressesprecher Klaue konkretisiert: "Bei diesen Infusionen geht es ausdrücklich nicht um Eigenblut."

Pharmakologe: UV-Therapie ist "nicht akzeptabel"

Der Nürnberger Pharmakologe und Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel erklärte, er habe von einer derartigen Infektionsbehandlung noch nie etwas gehört. "Da muss er schon Spezialwissen haben. Ich halte das für einen Witz, das ist einfach nicht akzeptabel", sagte Sörgel. "Ich würde mich sehr wundern, wenn ein Kollege das anders beurteilen würde", fügte Sörgel hinzu.

Ermittlungen laufen weiter

Das sehen NADA und der DOSB genauso. Alle mit Blut in Zusammenhang stehenden Therapien sind nach deren Lesart verboten. Dennoch will man bei der Bonner Agentur dem Arzt keine Vorsätzlichkeit unterstellen. Die von der NADA bislang ermittelten Ergebnisse in diesem speziellen Fall wurden schon vor längerer Zeit an das Deutsche Institut für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) in Köln weitergeleitet. Das unabhängige Institut wird herangezogen, um Streitfälle zu lösen. Wann es in diesem Fall zu einer Entscheidung kommt, ist derzeit noch offen.

Unabhängig davon ermittelt die Staatsanwaltschaft Erfurt weiter. Wie Sprecher Hannes Grünseisen mitteilte, werden Athleten in zweistelliger Zahl als Zeugen vernommen. Sie kommen aus den Sportarten Eisschnelllauf, Radsport und Leichtathletik. Die Ermittlungen würden nur gegen den Mediziner geführt. Wann sie beendet werden können, ist noch unklar.

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