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Neue Doping-Vorwürfe gegen Claudia Pechstein

30.01.2012, 21:08 Uhr | t-online.de, dpa, dapd, sid

Neue Doping-Vorwürfe gegen Claudia Pechstein. Claudia Pechstein ist erneut ins Visier der Doping-Ermittler geraten. (Quelle: imago)

Claudia Pechstein ist erneut ins Visier der Doping-Ermittler geraten. (Quelle: imago)

Die Blut-Dopingaffäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke hat offenbar größere Ausmaße als bislang angenommen. Nach Informationen der ARD-Sportschau und des WDR-Magazins "Sport Inside" soll Franke das Blut von 28 Athleten, deren Namen der ARD bekannt sind, in seinen Praxisräumen einer UV-Behandlung unterzogen haben. In diesem Zusammenhang ist auch der Name von Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein aufgetaucht. Sie soll eine der Athletinnen sein, die bei Franke in Behandlung waren. Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) gab mittlerweile bekannt, dass insgesamt 30 Athleten betroffen sind und neue Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Erfurt gewährt wurde.

Pechstein selbst hat auf Anfrage der ARD-Sportschau aber jeden Dopingvorwurf zurückgewiesen. Konkret auf den Fall Franke wollte sie dabei allerdings nicht eingehen. Sie betonte laut "Bild"-Zeitung lediglich, dass sie während ihrer Karriere niemals gedopt, niemals zu unerlaubten Mitteln oder Methoden gegriffen habe. Neben Pechstein stehen laut ARD auch 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann (beendete 2009 seine Karriere), Radfahrer Marcel Kittel und der jamaikanische Weitspringer James Beckford auf der Liste.

Kittel-Manager: "Frechheit, seinen Namen zu nennen"

Kittel-Manager Jörg Werner hat sich bereits gegen eine Verwicklung der deutschen Radsport-Hoffnung in die Affäre gewehrt und energisch dementiert. "Der Name Kittel ist in diesem Zusammenhang zum ersten Mal gefallen", sagte Werner nach einem Bericht der ARD. "Er war weder Zeuge bei der Staatsanwaltschaft, noch wurde er von der NADA befragt. Es ist eine bodenlose Frechheit, den Namen zu nennen."

Kittel selbst sei am Boden zerstört gewesen, als der Bericht gesendet wurde. Der Sprinter hatte in der vergangenen Saison 17 Siege gefeiert und war damit der erfolgreichste deutsche Radprofi. Sein Team Project 1t4i war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

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Schumann: "Halte das für Humbug"

Auch Schumann hat sich generell von allen verbotenen Behandlungsmethoden distanziert. Zu den Vorwürfen wollte er nicht direkt Stellung nehmen. "Ich halte das Ganze für Humbug", sagte der 33-Jährige.

"Wenn sich Jahre nach meiner Sportlerkarriere irgendwelche Dopingstatuten verändern, dann kann und will ich das aus heutiger Sicht nicht weiter bewerten. Ich selbst habe niemals verbotene oder auch fragwürdige Behandlungsmethoden genossen und distanziere mich davon ausdrücklich", erklärte der Leichtathlet, der 2000 in Sydney überraschend Gold über 800 Meter gewonnen hatte. Er habe Dr. Franke "stets als integren Sportarzt erlebt, den ich persönlich niemals in Zusammenhang mit Doping gebracht habe".

Auch Minderjährige systematisch behandelt

Unter den Sportlern aus dem Eisschnelllauf, Radsport und der Leichtathletik befinden sich neben Top-Athleten auch erfolgreiche Nachwuchssportler, von denen einige zum Zeitpunkt der Behandlung noch minderjährig waren.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt seit Frühjahr 2011 gegen den Sportmediziner wegen des Verdachts, "zu Dopingzwecken" gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben. Dabei geht es um den Zeitraum von 2006 bis 2011, in dem Franke Vertragsarzt des Olympiastützpunktes Erfurt war.

Computerdaten belasten Franke schwer

Franke hatte erklärt, solche Behandlungen habe es nur bei Infekten gegeben, niemals zum Zwecke der Leistungssteigerung. Ihm droht eine Geldstrafe bzw. eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. Bei einer Durchsuchung bei Franke waren im April 2011 nach Angaben der Staatsanwaltschaft "ein Haufen Beweismittel" gesichert worden, darunter der Computer.

Experte zweifelt Blutdoping-Theorie an

Experte Wilhelm Schänzer hat Zweifel an einer Blutdoping-Theorie im Zusammenhang mit der Erfurter UV-Affäre angemeldet. "Für Blutdoping sind größere Mengen nötig, sonst hat es keinen Sinn. Da braucht man mindestens 250 Milliliter", sagte der Leiter des Instituts für Biochemie der Deutschen Sporthochschule in Köln. Der Erfurter Arzt Andreas Franke hatte Sportlern 50 Milliliter Blut abgenommen, um sie mit UV-Licht zu behandeln. Allerdings ist seit Jahren jegliche Manipulation des Blutes verboten.

Schänzer sagte jedoch auch, dass 50 Milliliter für eine UV-Behandlung eine recht große Menge sei. "Bei der klassischen Eigenblut-Therapie geht es um deutlich geringere Mengen", sagte Schänzer. Allerdings räumte er ein, dass Franke eine ihm nicht bekannte Methode der UV-Therapie genutzt haben könne.

Die Verantwortung sieht Schänzer letztlich beim Arzt. "Der Sportler ist auf die Beratung des Arztes angewiesen. Der Arzt muss sich absichern, was im Rahmen des Reglements ist. Tut er es nicht, ist das den Sportlern gegenüber unverantwortlich", sagte Schänzer.

Gegen Eisschnellläuferin und Radsportler wird bereits ermittelt

Mit möglichen Verstößen von Sportlern gegen Doping-Bestimmungen beschäftigt sich die NADA. Deren Chefjustiziar Lars Mortsiefer hat inzwischen bestätigt, dass nach einer Selbstanzeige gegen eine Erfurter Eisschnellläuferin und einen Radsportler wegen des Verdachts der Anwendung einer unerlaubten Blutdoping-Methode Ermittlungen laufen. "Selbstverständlich prüfen wir mit aller Gewissenhaftigkeit in jedem einzelnen Fall die mögliche Anwendung verbotener Methoden, ganz gleich, ob es sich dabei um Olympiasieger oder Nachwuchssportler handelt", erklärte NADA-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann. Für Sanktionen ist das Deutsche Sport-Schiedsgericht (DIS) in Köln zuständig.

NADA weist vorwürfe zurück

Vorwürfe, seit Jahren von den mutmaßlichen Verstößen in Erfurt gewusst und nichts unternommen zu haben, weist die NADA zurück. Seit Aufnahme der behördlichen Ermittlungen Ende November 2009 arbeite die NADA kontinuierlich mit den staatlichen Behörden zusammen, heißt es in einer NADA-Mitteilung. Seit der Hausdurchsuchung in der Praxis des Arztes im April 2011 "treibt die NADA die Aufklärung möglicher Dopingverstöße in diesem Zusammenhang so intensiv und schnell voran, wie es ihr juristisch möglich ist".

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