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Schwimm-Star Paul Biedermann im Interview: Olympia 2012 im Visier

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"Den Druck von außen lasse ich nicht an mich ran"

18.02.2012, 08:52 Uhr | t-online.de

Schwimm-Star Paul Biedermann im Interview: Olympia 2012 im Visier. Paul Biedermann in Aktion. (Quelle: imago)

Paul Biedermann in Aktion. (Quelle: imago)

Das Interview führte Michael Wiedersich

Paul Biedermann hat große Ziele. Deutschlands Schwimmstar will im Olympia-Jahr mit guten Resultaten glänzen. Seine Karriere möchte der 25-Jährige bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro fortsetzen. "Wenn es gesundheitlich passt und die Leistungen ansprechend sind, habe ich vor, noch bis 2016 weiter zu machen", sagt Biedermann.

t-online.de traf das Schwimm-Ass während der Gillette-Medientage und sprach mit ihm über seine Olympiachancen, den Deutschen Schwimm-Verband und sein Duell mit Michael Phelps. 

t-online.de: Sie haben seit Kurzem einen Rasierer-Hersteller als Sponsor. Haben sie nach dem Verbot der schnellen Anzüge eine gründliche Ganzkörperrasur vor dem Rennen als entscheidenden Wettkampfvorteil ausgemacht?
Paul Biedermann: Also, das gehört schon immer dazu, dass ich mich ganzkörper-rasiere, gerade bei den Wettkämpfen. Normal beim Training das Gesicht, aber gerade bei den Wettkämpfen ist es für mich wichtig, glatt rasiert zu sein. Man hat dann auch ein tolles Wassergefühl. Es bildet sich ein Film zwischen Haut und Wasser und man kommt super vorwärts - man fühlt sich schnell. Rasieren begleitet mich durch mein Leben und Nassrasieren gehört für mich beim Schwimmen absolut dazu und daher passt Schwimmen und Rasieren gut zusammen. Umso besser ist es, dass ich mir keine Rasierer mehr kaufen muss.

Wünschen Sie sich manchmal die Anzüge zurück, sie haben damit ihre Weltrekorde aufgestellt?
Ich glaube, dass die Anzüge wiederkommen. Ich bin überzeugt davon, dass sie sogar nach den Olympischen Spielen wiederkommen. Allerdings nicht in der Form, wie es sie gab, sondern eher in dem Material, aus welchen die Jammer (knielange Schwimmhose, Anm. der Red.) sind, die wir jetzt tragen dürfen. Es war eine schöne Zeit, aber ich habe gezeigt, dass ich auch in den Jammers schnell schwimmen kann. 

Die deutschen Fans erwarten von ihnen bei den Olympischen Spielen in London mindestens Edelmetall. Setzt sie das unter Druck?
Den Druck von außen lasse ich nicht an mich ran. Aber ich mache mir selbst Druck, denn ich habe Erwartungen an mich. Natürlich ist Gold das allerhöchste, keine Frage, aber allein schon der Gedanke, eine olympische Medaille zu erreichen, ist ein Traum und das spornt mich auch persönlich an.

Wo sehen Sie bessere Chancen auf den Olympiasieg? Über 200 Meter oder über 400 Meter?
Über die 400 Meter habe ich gerade im asiatischen Raum sehr starke Konkurrenz, die jetzt schon in Form ist. Der 18-jährige Chinese Sun Yang hat sieben Wochen nach der Weltmeisterschaft an meinem Weltrekord gekratzt und meinen Weltrekord nur um eine Zehntel verpasst. Ich denke, dass über 200 Meter Kraul das Niveau deutlich höher ist, aber das dort eher die Möglichkeit besteht, eine Medaille zu holen als über die 400 Meter Freistil.

Der von ihnen angesprochene Chinese ist die 400 Meter ohne Anzug fast so schnell geschwommen wie sie bei ihrem Weltrekord mit dem Anzug. Da müssen sie ja schon um ihre Bestmarken fürchten?
Der Weltrekord über 400 Meter Kraul wird in diesem Jahr fallen, davon gehe ich aus. Und ich wage zu behaupten, dass er nicht durch mich gebrochen wird.

In Deutschland fiebern die Schwimmfans vor allem ihrem 200-Meter-Duell mit Michael Phelps entgegen. Was macht diesen Vergleich aus, warum sind die Leute davon so elektrisiert?
Ich glaube, weil ich der Erste war, der ihn 2009 in so einem Rennen geschlagen hat. Seit 2003 war er ungeschlagen. Plötzlich sehen mich alle mit ihm auf einer Stufe und da habe ich ihn doch gefälligst immer wieder aufs Neue zu schlagen und das dann möglichst mit großem Abstand. Natürlich war das für mich ein Erfolg und ein wahnsinniges Gefühl. Aber ich persönlich sehe mich nicht mit ihm auf einer Stufe. Ich glaube, er hat vierzehn olympische Goldmedaillen - ich habe nicht mal eine olympische Medaille. Es sind schon noch Welten, die uns trennen. Ich war einfach die Mücke, die ihn da gestochen hat und genauso sehe ich das heute auch noch. Ich habe ihn in einem Moment getroffen, in dem er nicht aufgepasst hat, oder nicht in Form war. Ich sehe mich immer noch von ihm entfernt, besonders, was die Erfolge betrifft.

Wer zählt noch zum Favoritenkreis?
Da gehört noch ein Ryan Lochte (USA) dazu, der Chinese Sun Yang, Park Tae Hwan (Südkorea), Yannick Agnel aus Frankreich, Nikita Lobintsev (Russland), und man kann Ian Thorpe (Australien) mit hinzunehmen.

Ist Ian Thorpe schon wieder ein Kandidat für Edelmetall?
Ich denke, man sollte ihn auf keinen Fall unterschätzen, auch wenn er die Leistung noch nicht gebracht hat. Das sagt im Moment noch gar nichts aus. Man darf gespannt sein, was er bei den australischen Meisterschaften, den Trails, schafft. Er hat dem Schwimmsport mit seiner Rückkehr wieder einen enormen Schub verschafft. Es ist auf jeden Fall ein Gewinn, dass er wieder schwimmt. Er muss mit sich selbst im Reinen sein. Er hat ja gesagt, er setzt eine großartige Karriere aufs Spiel - er muss es wissen. Für den Schwimmsport ist es jedenfalls phantastisch, dass er wieder schwimmt.

Im Deutschen Schwimm-Verband gibt es in der Führungsspitze immer mal wieder Streitereien. Zuletzt ging es um den Bundestrainer-Posten von Dirk Lange. Belastet Sie das eigentlich, nehmen sie das wahr?
Ich schwimme für den Deutschen Schwimm-Verband und natürlich interessiert mich auch, was da passiert. Diese Problemfälle, die es dort gab, nimmt man wahr. Für mich ist jedoch der wichtigste Ansprechpartner immer mein Trainer Frank Embacher. Es schwimmt niemand schlecht, nur weil es Streit um den Bundestrainer gibt. Das ist dann auch eine interne Sache zwischen den verantwortlichen Trainern, die sollen es dann auch möglichst professionell lösen. Die Sportler sollte es nicht beeindrucken, für die meisten ist ohnehin der Heimtrainer der wichtigste Mann.

Wie wichtig ist für Sie der Bundestrainer?
Es ist schon wichtig, dass es jemanden gibt, der nach außen hin den Schwimmverband darstellt, der auch der Ansprechpartner für die Medien ist, und der dann auch so kompetent ist, das alles richtig einschätzen zu können. Mit Markus Buck hat man übergangsweise die perfekte Lösung gefunden. Und auch wie es jetzt aufgeteilt wurde, dass sich die Trainer die Staffeln einteilen und das sie für bestimmte Bereiche zuständig sind, das ist der absolut richtige Weg. Aber wie gesagt, es wird jetzt keiner besser oder schlechter schwimmen, ob wir jetzt einen Bundestrainer haben oder nicht.

Bei der vergangenen WM hatten Sie vor allem beim Start und bei den Wenden Nachteile gegenüber der Konkurrenz. Hat sich daran etwas geändert?
Ich arbeite intensiv daran, zusammen mit dem Leipziger Institut für angewandte Trainingswissenschaften. Dort machen wir Videoanalysen, werten die Zeiten aus und alles, was dazugehört. Ich denke schon, dass ich Fortschritte gemacht habe, aber ich habe noch einiges zu tun und habe noch Felder vor mir, die ich noch abdecken sollte. Im letzten Jahr im Frühjahr habe ich sogar Trampolinspringen trainiert, zusammen mit dem Nationalmannschaftsturner Matthias Fahrig. Ich habe zwar keine Flickflacks gemacht und bin auch koordinativ nicht der Geschulteste, aber wir haben versucht, das auf das Schwimmen zu optimieren und das hat auf jeden Fall Vorteile gebracht. Manchmal ist es nicht verkehrt, in andere Sportarten reinzugucken und die Dinge, die für die eigene Sportart sinnvoll sind, einfach mal zu machen. Das Sprungtraining zum Beispiel hat mir viel gebracht.

Die deutsche Schwimm-Nationalmannschaft wurde bei den vergangenen Großereignissen als wenig homogen wahrgenommen. Täuscht das?
Also, Schwimmen ist eine Individualsportart und natürlich stehen da die eigenen Interessen im Vordergrund und man möchte für sich selbst die beste Leistung abliefern. Nichtsdestotrotz repräsentiert man Deutschland als Nationalmannschaft und man schwimmt ja auch in den Staffeln zusammen. Natürlich gibt es eine Teamzusammengehörigkeit. Aber wenn einer auf meiner Strecke die 200 Meter Kraul schwimmt, ist man nicht automatisch der beste Freund. Es ist immer ein Konkurrenzdenken da, aber deswegen wünscht man dem anderen nichts Schlechtes oder hofft, dass er langsamer ist, sondern man versucht schon, selbst die beste Leistung zu bringen. Am besten klappt der Zusammenhalt, wenn wir als Staffel schwimmen. Da treten wir wirklich als Mannschaft auf und dort kann man auch eine Motivation draus ziehen.

Meinen Sie, dass ein guter Teamgeist überhaupt förderlich für eine gute Leistung ist?
Für mich ist wichtig, das man als Team positive wie negative Leistungen auffängt. Und wenn es nicht so gut läuft, wenn dann die Teamkollegen sagen, ist doch egal, jetzt kommt der nächste Start, versuch es noch mal.

Sie und auch Britta Steffen gelten als Führungsfiguren des DSV-Teams in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Früher definierte sich der Schwimmsport über Franziska van Almsick, ganz früher vielleicht über Michael Groß. Ist das für sie okay?
Wir haben es uns ja nicht ausgesucht. Wir machen auch nur das, was die anderen deutschen Schwimmer machen. Wir versuchen unser bestmögliches Rennen zu schwimmen, die bestmöglichste Leistung abzuliefern. Das machen die anderen aber auch. Wir haben uns auch nicht hingestellt und haben gesagt: Wir sind sooo toll, bitte berichtet über uns. Das ist immer noch Sache der Journalisten. Natürlich würden wir uns wünschen, dass das ganze Team, in dem wir auch schwimmen und von dem wir nur ein Teil sind, erfasst wird und nicht nur auf uns reduziert wird. Wir haben zum Beispiel in Silke Lippok und Christian vom Lehn zwei Top-Nachwuchsleute, die schon super Leistungen gebracht haben.

Was hilft Ihnen dabei Bestleistungen zu zeigen?
Das Motiviert-Sein, das tägliche Training, das sich immer wieder Überwinden. Und dann, wenn es drauf ankommt, wenn Tag X ist, die beste Leistung abzuliefern, seine Rituale befolgt zu haben. In meinem Fall vor dem Start harten Heavy Metal gehört zu haben, mich topp rasiert zu haben, gut gegessen und gut geschlafen zu haben. Dann muss am besten der perfekte Start dabei rumkommen und am Ende möglichst ein gutes Ergebnis stehen.

Sollten Sie aus London mit einer Medaille im Gepäck zurückkommen, würden sie dann in Erwägung ziehen, ihre Karriere zu beenden?
Nein. Ich habe vor, wenn es gesundheitlich passt und die Leistungen ansprechend sind, noch bis 2016 weiter zu machen. Dann finden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt. Wenn man die Möglichkeit hat, dort mitzumachen, sollte man das tun, weil gerade dieser südamerikanische Raum wohl phantastisch sein soll, auch die Stimmung. Ich wäre dann 30, könnte es mit dem Sport auch mal sein lassen und mit 35 wieder zurückkommen (lacht). Nein, das war jetzt nicht ernst gemeint. Bis 2016 möchte ich planen und eigentlich reicht es dann auch.

Termine Zeitplan Olympia 2012 in London

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