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Mercedes nimmt Vettel-Team ins Visier

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Sieg bedeutet mehr als ein Lebenszeichen

16.04.2012, 09:17 Uhr | dpa

Mercedes nimmt Vettel-Team ins Visier. Champagner-Dusche ist einfach schön: Haug (li.) und Rosberg bei der Siegerehrung. (Quelle: imago)

Champagner-Dusche ist einfach schön: Haug (li.) und Rosberg bei der Siegerehrung. (Quelle: imago)

Von Elmar Brümmer aus Shanghai

Den Weg zum Siegerpodest findet Mercedes-Sportchef Norbert Haug nicht gleich auf Anhieb, er bittet mit einem breiten Grinsen dafür nachträglich um Entschuldigung: "So oft sind wir da ja nicht." Nico Rosbergs Triumph beim Großen Preis von China ist der erste Formel-1-Sieg eines Mercedes-Werksfahrers seit 1955.

Und die Erlösung nicht nur für den Wiesbadener selbst, sondern auch für das Stuttgarter Team.

Red Bull im Visier

Alles eine eilige Drucksache, anders kennt es Norbert Haug gar nicht, seit er 1990 den Job des Mercedes-Sportchefs übernommen hat. Anders will er es vielleicht auch nicht, Haug ist bekennender "Racer“. 1997, als Mika Häkkinen beim ersten Auftritt der Neuzeit in Silber mit dem McLaren in Melbourne die Rennwelt auf den Kopf stellte, hat Haug schon mal einen denkwürdigen Feier-Abend erlebt. Damals spielte er im Hotelfoyer mit dem Beatle George Harrison Klavier. Gestern Nacht hat die Musik der rockige Klingelton seines Mobiltelefons gemacht, ein Dauer-Sound-Track.



Dann stieg Haug zurück ins Flugzeug nach Deutschland. Selten wird ihm ein Rapport in der Konzernzentrale so Spaß machen wie der heute. Das Dream-Team ist zwar noch lange nicht am Ziel, aber beide Silberpfeile in der ersten Startreihe zu haben, und dann den ersten Sieg zu feiern, das ist mehr als das "Lebenszeichen", das Norbert Haug gesehen hat. Mit Titelverteidiger Red Bull ringt Mercedes jetzt darum, wer zweite oder dritte Kraft in der neuen Formel 1 ist. Haug, über dessen Schreibtisch ein Rennwagenbild hängt: "Das ist ein Sieg zum Einrahmen."

Rosberg fährt aus eigenem Schatten heraus

Nico Rosberg dagegen kann genüsslich den Gang zum Müllcontainer antreten: Dorthin kann er sie verbannen, all die Zweifel an seinem Talent. 111 Anläufe bis zum ersten Sieg, das ist mindestens so lange, wie ihm die 56 Runden beim Großen Preis von China vorgekommen sind: "Es ist mir vorgekommen wie bei einem 24-Stunden-Rennen. Das kann man gar nicht beschreiben, das hörte einfach gar nicht mehr auf." Im siebten Formel-1-Jahr ist er endlich aus dem eigenen Schatten herausgefahren.

Als talentiert gilt er seit dem ersten Rennen, damals in Bahrain holte er auf Anhieb zwei Punkte im Außenseiterteam Williams. Seither wartet er auf ein Siegerauto, ausgerechnet nach zwei Nullnummern (Plätze zwölf und 13) zum Saisonstart hat er es in China bekommen. Und musste den erlernten Beruf neu definieren: "Es ging die ganze Zeit eigentlich nur ums Reifenschonen." So richtig fassen kann er das Ganze vermutlich noch nicht, statt zur ganz großen Party ging es ins Briefing mit den Ingenieuren. Selten dürfte es dem Wiesbadener so viel Spaß gemacht haben, die Computerdiagramme zu verfolgen, wie auf dem Shanghai International Circuit. Sie zeigten vor allem eins - eine Ideallinie. "Du wirst sehen, Nico", sagt Niki Lauda, "von nun an wird’s leichter werden.“ Rosberg antwortet: "Wenn das so ist, geht das in Ordnung." Allerdings werden nicht immer so konstant angenehme Temperaturen herrschen wie im Sumpfland vor Shanghai – diese haben perfekt mit den Reifen bei Mercedes harmoniert.

Schumacher schon wieder angriffslustig

Damals, 1955 in Monza, feierte Mercedes einen Doppelsieg. Der wäre, das glaubt nicht nur Sportchef Haug, auch diesmal drin gewesen. Michael Schumacher kam zwar am Start nicht ganz so gut weg wie Rosberg, aber der Rekordweltmeister erfüllte seine Rolle, dem Junior-Kollegen den Rücken frei zu halten, perfekt. Jedenfalls so lange, bis die Nervosität über die ungekannte Doppelführung bei der Boxenmannschaft überhand nahm. Die Reifenwechsler in Silber halten den Formel-1-Rekord, schaffen vier Räder in unter drei Sekunden. Diesmal patzte nur der rechte Vordermann, Schumacher rollte mit einem nicht festgemachten Rad los. Er merkte es sofort, griff erst gar nicht ins Geschehen ein – das Aus in Runde 13, der dritte unverschuldete Zwischenfall im dritten Rennen.

Rosbergs neue Stärke fordern auch Schumi heraus, der noch nicht entschieden hat, ob er vielleicht ein viertes Jahr an sein Comeback dran hängt. Erstmal musste er den Pechvogel von der Box trösten. Danach kündeten seine Gesichtszüge schon wieder von Angriffslust. Die Paarung Rosberg-Schumacher ist spätestens seit Sonntag zu einer der interessantesten der Formel 1 geworden. Der Ehrgeiz ist auf beiden Seiten gleich groß. Jetzt kann der Generationenkonflikt erst richtig beginnen.

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