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Der Todesfluch der San Diego Chargers

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Der Todesfluch der San Diego Chargers

04.05.2012, 18:12 Uhr | Spiegel Online

Der Todesfluch der San Diego Chargers. Football-Spieler Junior Seau im Dress der San Diego Chargers. (Quelle: imago)

Football-Spieler Junior Seau im Dress der San Diego Chargers. (Quelle: imago)

 

San Diego weint - mal wieder. Der Fluch, so sagen viele, hat erneut zugeschlagen. Diesmal ist Junior Seau das Opfer. Der in San Diego geborene ehemalige Football-Profi wurde am Mittwoch tot in seinem Haus aufgefunden - mit einem Einschussloch in der Brust. Die Polizei geht von Suizid aus.

Seau ist bereits der achte Tote jener legendären Mannschaft der San Diego Chargers, die in der Saison 1994 als erste und bislang einzige des Vereins den Super Bowl erreicht hat und erst am 29. Januar 1995 im Endspiel von den San Francisco 49ers gestoppt wurde (26:49). 53 Profis umfasste der Kader - 15 Prozent sind tot. Keiner von ihnen wurde 45 Jahre alt.

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Mitspieler spricht von einem Fluch

Die Todesursachen sind unterschiedlich - und teilweise höchst ungewöhnlich: Der Linebacker Doug Miller starb am 21. Juli 1998 beim Campen in Colorado durch Blitzschlag. Nach Angaben des Nationalen Institutes für Blitzschutz (NLSI) liegt die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, bei 1:310.000. Den 28-jährigen Miller hatte es jedoch innerhalb von wenigen Minuten gleich zweimal erwischt. "Es sollte wohl einfach so sein", sagt Courtney Hall. Der Center hatte bereits vor Jahren von einem Fluch gesprochen, der auf dem 1994er Team liege. Er hoffe, so Hall, dass er nicht der Nächste sei.

Ein Autounfall fordert das Leben des ersten Chargers-Profis

Als Ersten hatte es David Griggs erwischt. Am 19. Juni 1995 starb der Linebacker bei einem Autounfall in Fort Lauderdale. Griggs kam mit seinem Wagen bei überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab und prallte gegen das Stahlrohr eines riesigen Autobahnschilds. Er erlag wenig später seinen schweren Kopfverletzungen. Der 28-Jährige starb nur rund zehn Minuten entfernt vom Stadion in Miami, in dem er knapp fünf Monate zuvor noch im Super Bowl gespielt hatte. Seine Teamkollegen trugen fortan Griggs' Nummer 92 auf der Rückseite ihrer Helme.

Nicht einmal ein Jahr später wurde sie ersetzt durch die Nummer 22 von Rodney Culver.

Der Runningback war mit seiner Ehefrau Karen auf einer Kreuzfahrt unterwegs. Da beide ihre daheim gelassenen ein- und zweijährigen Kinder vermissten, entschieden sie sich, den Urlaub vorzeitig abzubrechen. Am 11. Mai 1996 bestiegen Rodney und Karen Culver in Miami ihre Maschine, die sie nach Atlanta bringen sollte. Bereits wenige Minuten nach dem Start brach aufgrund eines elektrischen Problems ein Feuer im Frachtraum aus, das bald die Passagierkabine erreichte. Die Maschine stürzte kurze Zeit später mit einer Geschwindigkeit von mehr als 800 Kilometern pro Stunde in die Everglades - keiner der 110 Insassen überlebte.

Überdosis und Übergewicht

Es folgte Doug Millers Tod durch Blitzschlag - und somit waren nur knapp dreieinhalb Jahre nach dem Super Bowl bereits drei Helden auf unterschiedlichste Weise verstorben. Als Nächster war Curtis Whitley dran. Der Center, dessen Hang zum Alkohol schon zu Profizeiten bekannt war, lag am 11. Mai 2008 tot in seinem Wohnwagen in Fort Stockton im US-Bundesstaat Texas. Tags zuvor war er gerade 39 Jahre alt geworden. Die Obduktion ergab als Todesursache eine Überdosis Drogen.

Nur drei Monate später schied Chris Mims aufgrund einer Herzerweiterung aus dem Leben. Der Defensive End hatte sich bereits vor seinem Tod auffällig zurückgezogen, galt als depressiv. Er wollte niemanden seiner einstigen Weggefährten mehr sehen. Ihm war es offenbar peinlich, wie sehr er zugenommen hatte. Mims wog zuletzt 207 Kilo - 73 mehr als bei seinem Karriere-Ende acht Jahre zuvor. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass fünf Spieler einer Mannschaft sterben, es sei denn durch einen Flugzeugabsturz oder ähnliches", sagte Tight End Deems May nach Mims Tod. "Ich wette, Sie finden keine kleine Firma mit 53 Angestellten, von denen fünf gestorben sind."

"Du hoffst, dass du keine Nachrichten über tote Kameraden bekommst"

Marjorie Rosenberg, Professorin für Versicherungswesen und Biostatistik an der Universität von Wisconsin, bestätigte diese Vermutung. Sie bezeichnete die Wahrscheinlichkeit derartiger Vorfälle gegenüber der "Washington Post" damals "geringer als ein Prozent". Als Defensive Tackle Shawn Lee dann am 26. Februar 2011 einem Herzinfarkt erlag, brach sein ehemaliger Mannschaftskamerad Natrone Means in Tränen aus. "Nicht schon wieder einer. Das ergibt doch alles keinen Sinn. Du hoffst einfach, dass du endlich keine Nachrichten mehr wie aus dem Nichts über den Tod eines Mitspielers bekommst", sagte der ehemalige Runningback.

Doch der Fluch ging weiter. Lewis Bush starb am 11. Dezember 2011 - ebenfalls an einem Herzinfarkt. Und nun Junior Seau. Der Linebacker schrammte bereits 2010 knapp am Tod vorbei, als er mit seinem Auto eine Klippe hinunterfuhr. Damals erklärte er, dass es ein Unfall gewesen sei. Wenn Seau in den nächsten Tagen beigesetzt wird, werden viele der verbliebenen Chargers des Teams von 1994 wieder zusammenkommen - es ist mittlerweile fast schon eine makabere Tradition.

 
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