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Olympia-Ticketskandal: Bubkas blamable Dienstreise

23.05.2012, 13:32 Uhr | dpa

Olympia-Ticketskandal: Bubkas blamable Dienstreise. Sergej Bubka (l) muss IOC-Präsident Jacques Rogge einiges erklären.

Sergej Bubka (l) muss IOC-Präsident Jacques Rogge einiges erklären. (Quelle: dpa)

Quebec (dpa) - Diese Blamage hätte sich Sergej Bubka liebend gern erspart. Unmittelbar vor der prestigeträchtigen Fußball-EM in der Heimat musste der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine die haltlosen Zustände in seinem eigenen Haus erklären.

Sein langjähriger Generalsekretär Wladimir Geraschtschenko ist in einen peinlichen Ticketskandal verwickelt und soll nach BBC-Informationen versucht haben, auf dem Schwarzmarkt bis zu 100 olympische Eintrittskarten für die London-Spiele zu verkaufen. "Das ist Pech. Besonders für mich eine höchst unangenehme Situation", sagte Bubka sichtlich beschämt am Rande des internationalen Sportkongresses "SportAccord" im kanadischen Quebec.

Der Stabhochsprung-Olympiasieger, seit 2008 Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), suspendierte Geraschtschenko sofort, setzte eine unabhängige Untersuchungskommission ein und wollte noch am Mittwoch wieder nach Hause fliegen. Seine ganzen Pläne, in Quebec Hof zu halten und staatsmännisch über die bevorstehende EURO zu parlieren, waren gescheitert. So hatte er sich das nicht vorgestellt.

"Das ist eine wichtige Sache. Ich muss sofort handeln, ich muss in der Heimat sein", erklärte Bubka, nachdem er IOC-Präsident Jacques Rogge und Sebastian Coe, den Londoner Organisationschef, über die unrühmliche Geschichte informiert hatte.

Aufgeregt stürmte Bubka durch die nüchterne Messehalle und versuchte, Schadensbegrenzung zu betreiben. Schließlich werden dem 48-Jährigen von zahlreichen IOC-Kollegen präsidiale Ambitionen nachgesagt. Zumindest Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) will Bubka zeitnah werden. Umso nerviger war die unerfreuliche Kunde aus London zwei Monate vor der Eröffnungsfeier. Ein als Schwarzmarkthändler getarnter BBC-Reporter hatte Geraschtschenko bei dessen unlauteren Machenschaften entlarvt.

Unverrichteter Dinge trat Bubka die vorzeitige Heimreise nach Kiew an. Wenigstens die unangenehmen Fragen nach der umstrittenen Fußball-EM hörten jetzt auf. "Die EM ist eine großartige Sache für die Ukraine. Wir sind ein relativ junges Land und müssen lernen und wollen mit den anderen Ländern kommunizieren", hatte Bubka geflötet.

Als Mitglied des Bewerbungskomitees war er daran beteiligt, die EM überhaupt in die Ukraine zu holen. In Quebec lud er alle Staatschefs zur EURO ein. Den angedrohten Boykott einiger Politiker verurteilte er als "nicht zielführend". Dem ukrainischen Team um Altstar Andrej Schewtschenko ("die EM ist seine letzte Chance") und Bayern-Profi Anatoli Timoschtschuk ("ich respektiere ihn sehr") traut er den Sprung ins Viertelfinale zu.

"Wir wollen der Welt zeigen, was für großartige Gastgeber wir sind", sagte Bubka. Den Ruf, gierige Gäste zu sein, muss er jetzt erst wieder korrigieren - wegen Geraschtschenko. "Wir nehmen diesen Fall sehr ernst. Die Seriosität und der Umgang mit den Ticketverkäufen ist essenziell für den Erfolg der Spiele", kommentierte LOCOG-Chef Coe. Knapp 2900 Olympia-Tickets hat das IOC dem Dachverband des ukrainischen Sports zur Verfügung gestellt. Bubka kündigte schonungslose Aufklärung an.

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