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Fechterin Duplitzer: Großer Zuspruch nach Kritik

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Duplitzer greift wieder an - Kritik an Bach und Vesper

24.07.2012, 09:05 Uhr | dpa

Fechterin Duplitzer: Großer Zuspruch nach Kritik. Imke Duplitzer bekommt für ihre Kritik am Zustand des deutschen Sports viel Zuspruch.

Imke Duplitzer bekommt für ihre Kritik am Zustand des deutschen Sports viel Zuspruch. (Quelle: dpa)

Düsseldorf (dpa) - Imke Duplitzer attackiert wieder. Noch nicht auf den olympischen Planchen von London, aber auf sportpolitischer Ebene. Ihr öffentlicher Tadel richtet sich besonders gegen Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und Generaldirektor Michael Vesper.

"Das, was die erzählen, zählt für 0,5 Prozent der 392 deutschen Olympia-Sportler", ließ die 36-Jährige in der "Bild"-Zeitung wissen. Und: "Die Funktionäre wissen gar nicht mehr, was in der Sporthalle los ist." Sie sei nicht mehr sicher, dass die führenden deutschen Funktionäre wie der ehemalige Fechter Bach und Vesper das Problem erkannt hätten: "Viele an der Spitze haben gar keinen Kontakt mehr zur Basis."

Das System des deutschen Sports bezeichnete die Präsidentin des OFC Bonn als "völlig daneben", der Zustand des deutschen Leistungssports ist für sie "niederschmetternd". Außerdem prognostizierte sie nach den London-Spielen "ein großes Nachwuchsproblem". Duplitzer: "Wir werden wieder händeringend Talente suchen, die es nicht gibt, weil sie nicht gefördert worden sind."

Ein massives Trainerproblem gebe es jetzt schon: "Wir bluten im Trainernachwuchs massiv ins Ausland aus. Weil die einfach besser zahlen und dort bessere Perspektiven haben. In jeglichen Verbänden", tadelte die Degen-Europameisterin von 1999 und 2010 und Olympia-Zweite mit der deutschen Mannschaft von Athen 2004. "Sogar Singapur zahlt mittlerweile besser als wir", konstatierte Duplitzer, die am kommenden Samstag 37 Jahre alt wird. Am Tag zuvor findet die Olympia-Eröffnungsfeier statt.

Schon beim Olympia-Medientag der deutschen Fechter am 6. Juli in Hennef hatte Duplitzer ansatzweise zu einem Rundumschlag ausgeholt. "Wir müssen mal wieder ein bisschen mehr Sein als Schein im deutschen Leistungssport generell rüberbringen", lautete einer der Kernsätze der Buchautorin, die möglicherweise noch während Olympia ("Ich habe zwanzigstes Bühnenjubiläum") ihr Werk mit dem Titel "Helden-Haft" der Öffentlichkeit vorstellen wird. Darin wird sie auch eines feststellen: "Dass es im deutschen Leistungssport nicht besser, sondern immer schlimmer wird." Und: "Die Funktionäre sonnen sich im Licht der Medaillengewinner."

Eines postulierte Duplitzer, die sich vor den Peking-Spielen einen öffentlichen Streit mit ihrer Waffenkollegin Britta Heidemann um die Menschenrechte in China lieferte, ganz massiv: "Wir brauchen jetzt kreatives Tun im deutschen Leistungssport, und wir brauchen nicht weniger Risiken, sondern mehr Mut." Soll heißen: Tradiertes Handeln im Hochleistungssektor und besonders in der ihrer Auffassung nach unzureichenden Nachwuchsförderung müsste verschwinden. Andernfalls fürchtet sie "eine Schockstarre in unserem Leistungssport".

Auch das Internationale Olympische Komitee bekommt einen Duplitzer-Verriss: Dem IOC gehe es schon lange nicht mehr um den Athleten. "Olympische Spiele sind eine Verkaufsshow mit angeschlossener Rummelbude", äußerte die Fechterin, die nach ihrer harschen Kritik nach eigenen Angaben großen Zuspruch erhalten hat. "Mir ist fast das Facebook-Profil explodiert und ich hab' jede Menge Mails gekriegt, auch von Trainerkollegen, von Athleten, die gesagt haben: "Super, dass du den Mund aufgemacht hast"", erzählte die 36-Jährige am Montag im ZDF-Morgenmagazin.

"Keiner möchte sich wirklich den Mund verbrennen, man möchte nicht aus dem Förderungssystem rausfliegen. Und es ist sehr schwer, bestehende Strukturen infrage zu stellen", meinte sie weiter. Leistungssportler dürften nicht nur wahrgenommen werden als Athleten, die etwa bei Olympia "ein bisschen die Fahne hochhalten".

Schwimm-Weltrekordler Paul Biedermann hat die Art und Weise sowie den Zeitpunkt der harschen Kritik der Fechterin als nicht günstig bezeichnet. So etwas vor einem wichtigen Event wie den Olympischen Spielen zu machen, "bringt keine gute Stimmung rein", sagte Biedermann am Montag in Hamburg.

Außer ihrer Präsidentschaft beim OFC Bonn plant Duplitzer keine Funktionärskarriere, auch nicht im Deutschen Fechter-Bund (DFeB): "In diesen Gremien rumzueiern - das brauche ich nicht. Und mich fragt auch keiner. Deswegen brauche ich darüber nicht nachzudenken."

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