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Olympia-Kolumne: Fußball - Das olympische Stiefkind

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Fußball - Das olympische Stiefkind

25.07.2012, 09:38 Uhr | dpa

Olympia-Kolumne: Fußball - Das olympische Stiefkind. Ryan Giggs (li.) im Zweikampf mit Brasiliens Sandro. Der Waliser führt das Team Großbritannien an. (Quelle: imago)

Ryan Giggs (li.) im Zweikampf mit Brasiliens Sandro. Der Waliser führt das Team Großbritannien an. (Quelle: imago)

"Football’s Coming Home" hieß das Motto, als zum letzten Mal ein internationales Fußballturnier in Großbritannien ausgetragen wurde. Die EM 1996 in England begeisterte die Besucher und setzte Maßstäbe in Sachen Fußballkultur. Diesen Sommer wird nun wieder an so ehrwürdigen Stätten gekickt wie Wembley (allerdings dem neuen), Manchesters Old Trafford oder dem St. James’ Park von Newcastle. Das große Pathos sucht man indes vergebens. Es geht ja nur um Olympia.

Der Fußball ist seit langem das Stiefkind unter den fünf Ringen. In seinem Mutterland lief der Kartenverkauf dieses Jahr so schleppend, dass die Organisatoren teilweise bereits im Vorfeld die Kapazität der Stadien verkleinerten. Außerhalb von Großbritannien gilt das olympische Turnier mancherorts sowieso bloß als Ärgernis; bei Vereinen, die Spieler für ihre Vorbereitung verlieren, oder bei Fans, die länger auf den Beginn der Liga warten müssen. Olympia mag sonst alle Grenzen gebrochen haben – so werden im Basketball auch in London wieder die Stars aus der NBA auflaufen. Im (Männer-)Fußball indes bliebt die WM das Maß aller Dinge.

Für Messi bleibt Olympia "unvergesslich"

Das heißt allerdings noch lange nicht, dass der Ballfreund die nächsten zweieinhalb Olympia-Wochen auf Durchzug schalten sollte. Er müsste sonst nicht nur auf Turnen, Reiten und Hockey ausweichen, er würde auch viel verpassen. Drama, Überschwang. Ein Turnier, für das sich Lionel Messi vor vier Jahren sogar mit seinem FC Barcelona anlegte (um die Freigabe zu erwirken) und das er nachher als „einmalig und unvergesslich“ bezeichnete, kann so schlecht nun auch wieder nicht sein.

Der Fußball gehörte fast immer zum olympischen Programm, er hat dabei so kuriose Ereignisse produzierte wie den Titelgewinn des britischen Upton Park FC durch ein 4:0 gegen Frankreich (1900), aber auch so folgenreiche wie die brillant heraus gespielten und weltweit bestaunten Titel von Uruguay 1924 und 1928, die bei Fifa-Präsident Jules Rimet den Wunsch nach einem eigenen Turnier verstärkten – eben der 1930 ins Leben gerufenen WM. Oder so historische wie die beiden größten Erfolge des afrikanischen Fußballs, die Goldmedaillen für Nigeria 1996 und Kamerun 2000.

Unberechenbarer und vielseitiger Fußball

Die jeweiligen Finals, spannende und torreiche Duelle gegen Argentinien bzw. Spanien, zeigten olympischen Fußball von seiner besten Seite. Da (bis auf drei Ausnahmen pro Team) nur Spieler unter 23 erlaubt sind, da außerdem der Druck meist nicht ganz so groß ist wie bei einer WM, wird weniger routiniert taktiert als mit Verve angegriffen. Und da im jungen Alter das Talent noch die Hauptrolle spielt, da sich die Gegner außerdem noch nicht so gut kennen, haben nicht nur die Großmächte eine Titelchance. Olympischer Fußball ist unberechenbar und vielseitig.

Brasilien fehlt etwa immer noch ein Olympiasieg, und das liegt keineswegs an gelangweilter Vernachlässigung. Im Gegenteil, keine andere Nation verfolgt die Mission Gold so obsessiv wie der fünfmalige Weltmeister. Was in elf Teilnahmen Stars wie Romario oder Ronaldinho nicht gelang, soll dieses Jahr nun ein Team um das neue Wunderkind Neymar nachholen. Das Hinschauen lohnt sich schon deshalb, weil es eine Blaupause der Mannschaft ist, die in zwei Jahren bei der Heim-WM den Titel gewinnen soll (muss). Gecoacht wird sie vom „echten“ Nationaltrainer Mano Menezes. Für den steht besonders viel auf dem Spiel – geht es böse schief, wird es für ihn wohl nichts mit dem Traum von der  WM 2014 im eigenen Land.

Team Großbritannien spaltet die Nation

Akzeptiert würde in Brasilien wohl allenfalls eine Finalniederlage gegen Spanien, den anderen großen Favoriten für die WM in zwei Jahren wie für dieses Olympia-Turnier. Der Europameister kommt mit frischgebackenen Champions wie Juan Mata, Jordi Alba oder dem vom FC Bayern umworbenen Javi Martínez, dazu vielen weiteren Perlen aus seinem schier unendlichen Talentpool, der zuletzt auch die U21-EM gewann. Wie in Afrika und Südamerika genießt olympischer Fußball auch in Spanien hohen Stellenwert, seit man als Gastgeber 1992 in Barcelona vor 95.000 Zuschauern im Camp Nou einen viel umjubelten 3:2-Finaltriumph gegen Polen feierte.

Ähnlich würde die Post wohl in Wembley abgehen, sollte dort am letzten Wochenende das britische Team das Endspiel bestreiten. Aber ob es soweit kommt? Außer einigen Daueroptimisten in den englischen Medien können sich das nur die wenigsten vorstellen. Das von Stuart Pearce angeleitete Team macht, vorsichtig ausgedrückt, einen zusammen gewürfelten Eindruck – zwei der drei Wild Cards ergingen beispielsweise wohl vor allem deshalb an die Waliser Veteranen Ryan Giggs und Craig Bellamy, weil diese mit ihrer kleinen Nation noch nie an einem großen Turnier teilnehmen konnten. Dass Pearce gleichzeitig unter Hinweis auf fußballerische Gründe auf David Beckham verzichtete, nehmen ihm viele übel; immerhin war Beckham mit seinem Engagement ein wichtiger Faktor dafür, dass London die Spiele überhaupt erhielt.

Dem Gastgeber droht ein frühes Aus

Umso mehr muss „Team GB“ seine Landsleute erst einmal von sich überzeugen. Diese Aufgabe ist von vornherein nicht leicht, weil eine britische Auswahl für die Fans auf der Insel etwas vollkommen Ungewohntes ist. Wegen der Eigenständigkeit der britischen Teilnationen im Fußball gab es seit Jahrzehnten keine Teilnahme an Olympia. Wenn sich England oder Schottland über die U21-EM für die Spiele qualifizierten, verzichteten sie auf den Startplatz. Auch diesmal wurde ein Team nur gegen massiven Protest der Verbände aus Schottland, Wales und Nordirland zusammengestellt. Schotten oder Nordiren sind im Team von Pearce erst gar nicht vertreten.

Angesichts starker Gruppengegner wie Senegal und Uruguay (mit seinen Starangreifern Cavani und Suárez) liegt sogar ein frühes britisches Aus absolut im Bereich des Möglichen. Sollte es so weit kommen, werden es die Gastgeber wohl besser verschmerzen können als die fortgesetzten Pleiten bei WM oder EM. Bei allen Attraktionen – ist ja letztlich doch nur olympischer Fußball.

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