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Olympia 2012: Staatenlose Athleten werden in London zum Kuriosum

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"Das ist verrückt und ein bisschen blöd"

27.07.2012, 16:24 Uhr | t-online.de

Olympia 2012: Staatenlose Athleten werden in London zum Kuriosum. Philipine van Aanholt hat sich für einen Start als "Unabhängige Athletin" entschieden - und findet das selbst seltsam (Quelle: London 2012)

Philipine van Aanholt hat sich für einen Start als "Unabhängige Athletin" entschieden - und findet das selbst seltsam (Quelle: London 2012)

Es gibt nichts Schöneres, als bei den Olympischen Spielen sein Land zu vertreten, sagen viele Sportler - was aber, wenn man keines hat? In London werden über 10.000 Athleten aus 204 Nationen teilnehmen. Drei Männer und eine Frau starten unter einer ganz besonderen Flagge: Sie werden von der offiziellen Homepage der Spiele als "Unabhängige Olympische Athleten" geführt.

Für Liemarvin Bonevacia, Reginaldt de Windt, Guor Marial und Philipine van Aanholt wird die olympische Fahne wehen und es wird die olympische Hymne gespielt - falls sie eine Goldmedaille gewinnen. Aber wie kommen sie als Staatenlose zu den Spielen?

Chili Peppers statt Olympia-Hymne

Drei der vier stammen von den Niederländischen Antillen. Die Inseln Curacao und St. Maarten sind seit 2010 unabhängig und es wurden noch keine Nationalen Olympischen Komitees vom IOC anerkannt. Die restlichen Antillen werden als Teil der Niederlande geführt. Die Sportler hatten die Wahl, für Niederlande zu starten oder eben als "Independent Athletes". Der 400-Meter-Läufer Bonevacia, der Judoka de Windt und die Seglerin van Aanholt haben sich für die Unabhängigkeit entschieden - wahrscheinlich weil Qualifikationskriterien und Konkurrenz bei den Niederlanden viel härter gewesen wären.

"Es ist schön, an einem solch großen Event teilzunehmen. Schön ist es auch, das für sein Land zu tun. Das habe ich jetzt aber nicht. Jetzt starte ich für mich selbst. Das ist verrückt und eigentlich auch ein bisschen blöd", kommentierte Philipine van Aanholt das Kuriosum bei "Radio Netherlands Worldwide". Auch statt der Olympischen Hymne würde sie gerne etwas anderes hören: "Meine Freunde haben aus Spaß gesagt, dass sie mir ein Lied schreiben. Oder sie sollen einfach die Red Hot Chili Peppers laufen lassen."

"Das wäre Verrat an meinem eigenen Land"

Eine Ausnahme unter den Besonderen ist Guor Marial. Er würde gerne sein Heimatland Südsudan vertreten. Die junge Nation hat sich aber erst 2011 vom Sudan abgespalten und besitzt ebenfalls noch kein NOK. Der Marathonläufer könnte noch für den Sudan starten, aber das kommt für ihn nicht in Frage: "Das wäre Verrat an meinem eigenen Land", zitiert ihn die "Die Welt". "Und es wäre respektlos meinen Landsleuten gegenüber, die für Freiheit gestorben sind."

Marial wird mit seiner Bestzeit von 2:12:55 Minuten sicherlich keine Medaille gewinnen, aber er hat gute Chancen, unter die ersten 20 zu kommen. Im Gegensatz zu ihm haben alle deutschen Läufer die Qualifikationsnorm verpasst.

Bisher drei staatenlose Medaillengewinner

Die vier Staatenlosen der Spiele von London sind kein Einzelfall. Im Jahr 2000 traten vier Athleten aus Ost-Timor in Sydney unter der Olympischen Flagge an. 1992 waren es sogar 58 Sportler aus Jugoslawien und Mazedonien. Drei davon gewannen Medaillen. Es sind die ersten und bisher einzigen staatenlosen Medaillengewinner der olympischen Geschichte der Neuzeit. Die Olympische Hymne ist dabei allerdings noch nicht erklungen - Gold für einen "Independent Athlete" gab es noch nie.

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