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Olympia 2012: Turboschwimmerin Ye Shiwen erinnert an DDR-Zeiten

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Zweifel an Turbo-Schwimmerin Ye Shiwen

01.08.2012, 11:05 Uhr | sid

Olympia 2012: Turboschwimmerin Ye Shiwen erinnert an DDR-Zeiten. "Wunderkind": Doppel-Olympiasiegerin Ye Shiwen ist erst 16 Jahre alt. (Quelle: imago)

"Wunderkind": Doppel-Olympiasiegerin Ye Shiwen ist erst 16 Jahre alt. (Quelle: imago)

Die Zweifel werden immer größer. Zuletzt brachte der erste hochrangige Offizielle die schier unglaubliche Leistung von Turbo-Schwimmerin Ye Shiwen im Finale über 400 Meter Lagen mit Doping in Verbindung. Die chinesische Delegation in London reagiert zunehmend verschnupft auf das Grummeln in der Szene, die mit ansehen musste, wie Ye über 200 m Lagen ohne sich voll zu verausgaben ihr zweites Gold bei Olympia 2012 gewann. (Alle Olympia-Entscheidungen finden Sie bei uns im Live-Ticker)

John Leonard, der Vorsitzende der Weltvereinigung der Schwimmtrainer, klagte die 16-Jährige bislang am deutlichsten an. Der Amerikaner verglich Ye mit den nachweislich dopingverseuchten DDR-Schwimmerinnen. Dem Schlussspurt der Chinesin am vergangenen Sonntag zu Gold und Weltrekord über 400 m Lagen verpasste er den Stempel "unmöglich".

"Furchtbare Erinnerungen" an Neunziger Jahre

"Ye sah aus wie Superwoman. Und immer, wenn jemand in der Geschichte unseres Sports aussah wie Superwoman, stellte sich später heraus, dass Doping im Spiel war", sagte Leonard, der seit mehr als 40 Jahren im Geschäft ist: "Die letzten 100 Meter erinnerten mich an einige Schwimmerinnen aus der DDR und eine junge Irin im Finale über 400 m Lagen bei den Spielen in Atlanta 1996."

Er spielte auf Michelle Smith an, die in Atlanta drei Goldmedaillen geholt und direkt unter Dopingverdacht gestanden hatte. Erst zwei Jahre später wurde sie vom Weltverband FINA wegen etlicher Dopingvergehen für vier Jahre gesperrt. Leonard sagte, Yes Rennen habe "furchtbare Erinnerungen" an die Neunziger Jahre hervorgerufen, als chinesische Schwimmer für mehr als 40 positive Dopingtests sorgten.

Chinesen wehren sich

"Ich habe mit vielen Trainern gesprochen, und keiner konnte sich erinnern, jemals so etwas gesehen zu haben", sagte Leonard: "Keine Frau war je schneller als ein Mann und schon gar nicht als die beiden besten Allrounder in der Geschichte des Sports." Gemeint waren die US-Superstars Michael Phelps und Ryan Lochte. Auf der vorletzten Bahn war die Chinesin 13 Hundertstelsekunden schneller geschwommen als eine Dreiviertelstunde zuvor Rekord-Olympiasieger Phelps, auf den letzten 50 m sogar 17 Hundertstel schneller als dessen Bezwinger Lochte.

Jiang Zhixue, leitender Anti-Doping-Beauftragter im staatlich gelenkten chinesischen Sportsystem, setzte sich heftig zur Wehr. "Wir haben niemals Michael Phelps in Zweifel gezogen, als er vor vier Jahren in Peking acht Goldmedaillen geholt hat", sagte Jiang in einem Beitrag der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Und weiter: "Die chinesischen Athleten, Schwimmer inbegriffen, haben sich seit ihrer Ankunft in London fast 100 Dopingtests unterzogen. Nicht ein einziger war positiv." Es gehöre sich nicht, auf chinesische Schwimmer zu zeigen, sobald sie gute Resultate zeigten, ergänzte er: "Manche Menschen sind einfach voreingenommen."

Resultate harter Arbeit

Auch bei einigen Schwimm-Größen kam Leonards Kritik gar nicht gut an. Der Brite Adrian Moorhouse, Olympiasieger von Seoul 1988, bezeichnete sie als "Neid der Besitzlosen". Die chinesischen Schwimmerinnen in den neunziger Jahren hätten ausgesehen "wie Häuser", Ye hingegen sei klein und "einfach in einer guten Verfassung". Duncan Goodhew, der 1980 in Moskau für Großbritannien Gold geholt hatte, nannte die Angriffe "destruktiv und unverantwortlich".

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Der Gewinn von Silber hat aber Spuren hinterlassen. zum Video

Ye hatte schon vor Leonards Stellungnahme alle Dopingvorwürfe zurückgewiesen: "Es gibt kein Problem mit Doping. Das chinesische Team hat eine strikte Politik, deshalb gibt es kein Problem damit." Ihre Ergebnisse seien das Resultat harter Arbeit. "Ich würde niemals verbotene Substanzen nehmen. Das chinesische Volk hat ein reines Gewissen."

Franke: Ungewöhnlich, aber nicht unmöglich

Selbst der sonst kritische Dopingexperte Werner Franke wollte nicht automatisch den Stab über Ye brechen. Der Heidelberger Molekularbiologe bezeichnete die Leistung als "ungewöhnlich, auffällig und überprüfungswürdig, aber physiologisch nicht unmöglich". Auf Doping könne man in diesem Fall nicht automatisch schließen. "Gerade junge, früh trainierte Athleten sind mitunter zu außergewöhnlichen Leistungen fähig, weil sie von ihren spezifischen Gewichtsverhältnissen profitieren", sagte Franke.

John Leonard widersprach: "Ich habe die Leute gehört, die sagen: 'Nun ja, sie ist 16, und in diesem Alter passieren halt unglaubliche Dinge'. Aber es tut mir leid: Nicht so unglaubliche!"

Fragezeichen auch im Litauerin

Fragezeichen gibt es auch um die erst 15 Jahre alte Litauerin Ruta Meilutyte, die über 100 Meter Brust ihrem Heimatland die erste Schwimm-Gold überhaupt bescherte. Die junge Baltin dominierte die Entscheidung nach Belieben.

Meilutyte verbesserte ihre Bestzeit innert vier Monaten um über zwei Sekunden. "Das muss einfach misstrauisch machen. Ihr Auftauchen an der Weltspitze ist fast noch mysteriöser als das der Chinesin Shiwen Ye", merkte ZDF-Reporter Wark an.

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