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Olympia 2012 - Turnen: Marcel Nguyen holt Silber im Mehrkampf

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Historischer Abend für deutsche Turner: Nguyens Silber

02.08.2012, 11:43 Uhr | dpa

Olympia 2012 - Turnen: Marcel Nguyen holt Silber im Mehrkampf. Marcel Nguyen ballt die Faust, der Außenseiter turnt zu Silber.

Marcel Nguyen ballt die Faust, der Außenseiter turnt zu Silber. (Quelle: dpa)

London (dpa) - Nach dem Wettkampf posierte Marcel Nguyen breit grinsend und stolz mit seinem unerwarteten Olympia-Silber.

An diesem historischen Abend vor 16 500 Zuschauern in der ausverkauften North Greenwich Arena von London trat der 24 Jahre alte Unterhachinger endlich aus dem Schatten des vermeintlichen Mitfavoriten Fabian Hambüchen, der völlig ernüchtert versuchte, seinen Absturz auf Rang 15 zu analysieren.

76 Jahre nach dem Olympiasieg von Alfred Schwarzmann in Berlin berauschte Sportsoldat Nguyen mit seiner spektakulären Aufholjagd am Mittwoch alle. "Ich bin überwältigt. Seit ich ein kleiner Junge war, träume ich von Olympia. Heute ist ein Traum wahr geworden", sagte der Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen.

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Mit 91,031 Zählern, dem besten Ergebnis seiner Karriere, musste der Außenseiter nur dem haushohen Favoriten Kohei Uchimura (92,690) aus Japan den Vortritt lassen. Bronze ging an den US-Amerikaner Danell Leyva mit 90,698 Zählern. Hambüchen leistete sich dagegen drei dicke Patzer und turnte mit 87,765 Punkten sogar drei Zähler weniger als in der Qualifikation.

"Ich kann es nicht ändern, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen. Ich bin fit und stecke den Kopf nicht in den Sand", sagte Hambüchen total enttäuscht und meinte fast trotzig: "Das ist nicht das Ende." Die Wachablösung im deutschen Turnen wollte er zunächst nicht kommentieren.

Deutschlands neuer Vortuner ließ sich indes ausgiebig feiern. Mit dem letzten Platz an seinem Zittergerät Seitpferd startete der zweimalige Barren-Europameister nur mäßig in die Konkurrenz. "Ich bin froh, dass ich nicht runtergefallen bin. Dann habe ich die Aufholjagd gestartet, und diese Taktik war heute gar nicht so schlecht", erzählte der unerwartete Turn-Held euphorisch. Nguyen steigerte sich von Gerät zu Gerät und bewies vor allem bei seinen schwierigen Übungen am Barren und Reck Nervenstärke.

Immer näher kämpfte er sich an die Podestplätze heran. Vor dem abschließenden beiden Durchgängen rangierte er überraschend auf dem dritten Platz. Als der Japaner Kazuhito Tanaka vom Seitpferd stürzte, war die Medaille zum Greifen nah. Unter unglaublichem Druck ging er als letzter Turner der gesamten Konkurrenz auf die Bodenmatte. "Ich habe mir gesagt, 'Du musst jetzt dein Ding durchturnen', dann ist viel möglich", schilderte der Bayer die nervenzehrende Situation. Mit einer Supershow krönte er schließlich seinen überragenden Sechskampf.

Völlig ungläubig rannte er nach seinem Coup in die Arme von Cheftrainer Andreas Hirsch. Als das Ergebnis auf der Anzeigetafel zu sehen war, nahm ihn sein Heimcoach Waleri Belenki auf die Schulter. Nguyen schaute fassungslos in die Menge und ballte die Fäuste. "Beim Training musste ich ihn in den Hintern traten. Heute hat alles geklappt", erzählte Belenki. Verbandspräsident Rainer Brechtken lobte vor allem die Coolness des Silbermedaillengewinners: "Ich bewundere die Nervenstärke von Marcel, wie er als letzter Turner bei diesem Lärm in der Halle die Nerven behalten hat."

Nachdem im Vorfeld der Spiele die gesamte mediale Aufmerksamkeit auf Hambüchen und Vizeweltmeister Philipp Boy gerichtet war, ging Nguyen ruhig, beharrlich und unauffällig seinen Weg. Für die einzigen Schlagzeilen hatte er im Mai mit dem Gewinn seines zweiten EM-Titels am Barren gesorgt. Nachdem er an seinem Spezialgerät die beste Übung von allen zeigte, geht er nun mit zusätzlichem Rückenwind in das Gerätefinale am Dienstag. Im Bodenfinale am Sonntag ist er dagegen nur ein "Underdog".

Als Nguyen ein Interview nach dem anderen gab, hatte Hambüchen längst seine Tasche gepackt. Sein Wettkampf ging total daneben. Mit einem krassen Fehler bei der Schere in den Handstand am Pferd begann die Enttäuschung. Platz 22 im Zwischenklassement war die Folge und hatte offenbar auch mentale Konsequenzen. Freundin Caroline, Vater Wolfgang und Onkel Bruno Hambüchen gaben sich größte Mühe, ihn ständig mit "Faaaabi"-Rufen anzutreiben, doch der Mitfavorit zeigte erstmals während der London-Spiele Schwächen.

Am Sprung landete er auf dem Hintern, und nach einer starken Barrenübung musste er auch am Reck unfreiwillig absteigen. "Ich habe noch eine Chance und werde jetzt die Tage nutzen, um mich voll auf das Reck zu konzentrieren. Dann werde ich im Finale noch mal angreifen", erklärte der 24 Jahre alte Hesse. Am Dienstag geht es für ihn um alles.

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