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Olympia 2012: Britta Steffen, Paul Biedermann und Co. droht historisches Debakel

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Historisches Debakel für deutsche Schwimmer

03.08.2012, 07:23 Uhr | dpa, t-online.de

Olympia 2012: Britta Steffen, Paul Biedermann und Co. droht historisches Debakel. Auch Britta Steffen enttäuscht bisher in London. (Quelle: imago)

Auch Britta Steffen enttäuscht bisher in London. (Quelle: imago)

Britta Steffen strich sich selbst aus der "Weltspitze", Paul Biedermann beendete Olympia "etwas ratlos". Der Rückstand der deutschen Schwimmer auf die Elite wird immer größer. Wie vor 80 Jahren drohen medaillenlose Sommerspiele für den Deutschen Schwimmverband (DSV) - allerdings gab es 1932 in Los Angeles auch nur elf Disziplinen, in London wird in 32 Rennen Edelmetall vergeben. Im medialen Schatten der beiden deutschen Top-Athleten kämpfte sich nicht einmal die Hälfte der 27 deutschen Schwimmer an Zeiten um die persönliche Jahresbestleistung heran. Alle Entscheidungen und Ergebniss finden Sie im t-online.de-Live-Ticker

Sportler, die wie Steffen Deibler auf dem Weg ins Finale über 100 Meter Schmetterling gleich zweimal ihre persönliche Bestzeit verbessern, gibt es zu wenig. Und mit sechs Finalplatzierungen vor den zwei Abschlusstagen waren Steffen, Biedermann & Co. weit von den in der Zielvereinbarung bereits 2008 festgeschriebenen sechs Medaillen entfernt.

"Können nicht mithalten"

"Wir stellen fest, dass wir mit dem internationalen Schwimmsport in dem Schrittmaß nicht mithalten können", sagte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow nach dem drittletzten Wettkampftag. "Wenn unsere beiden Top-Asse nicht stechen, wird die Erfüllung unserer Zielsetzung sehr schwierig." 16 Nationen haben jetzt in London Medaillen gewonnen - Deutschland ist nicht dabei.

Warnecke: "Das ist peinlich"

Damit droht dem deutschen Schwimmsport ein historisches Debakel. "Das ist peinlich. Die Statistik zeigt es ja - wir machen von Olympischen Spielen zu den nächsten ständig einen Schritt zurück", schrieb der frühere Weltklasse-Schwimmer Mark Warnecke in seiner Kolumne bei "sport1.de". "Der Trainingsaufbau stimmt nicht. Seit Peking 2008 wird ein großer wissenschaftlicher Aufwand betrieben, aber der Ertrag bleibt aus", so Warnecke weiter. "Wir haben es geschafft, unsere Talente systematisch im Keim zu ersticken - das ist auch eine Kunst."

Die Vorgabe für London 2012 war hoch: Zweimal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze sollten her - geliefert wurden vor den Schlusstagen Finalplätze durch Biedermann, Helge Meeuw, die Deibler-Brüder und zwei Staffeln. "Es wäre schön, wenn sportliche Leistungen nicht nur an Medaillen fixiert werden, sondern auch Finalleistungen anerkannt werden", sagte Buschkow. Aber wenn die Nationalhymne für Reiter oder Ruderer erklingt, finden vierte oder schlechtere Plätze nur am Rande Würdigung. Auch nicht der achte Platz von Markus Deibler über 200 Meter Lagen im von Michael Phelps gewonnenen Finale. In Medaillennähe kam nur das aufopferungsvoll kämpfende Männer-Quartett über 4 x 200 Meter Freistil.

Keine Medaillen für Deutschland

"Das ist eine traurige Geschichte, aber nun mal Realität. Wir sind aber noch nicht fertig", sagte Verbandspräsidentin Christa Thiel. Immerhin, um etwas Positives zu bemühen, gab es schon eine Finalplatzierung mehr als in Peking 2008. Aber bei Olympia zählen eben Medaillen. Dem Anspruch muss sich auch der Deutsche Schwimm-Verband stellen. Vor den letzten zwei Wettkampftagen mit noch acht Entscheidungen war keiner in Sicht, der dafür noch sorgen kann.

Die Frage, warum die deutschen Schwimmer so schlecht sind, beschäftigt wie schon bei den vergangenen Spielen die öffentliche Wahrnehmung. Je elf Medaillen in Barcelona 1992 und Atlanta 1996 - so viele Plaketten gab es in der Kernsportart bei allen anderen Spielen danach zusammen nicht. Die Suche nach der Erfolgsformel läuft seit Jahren vergeblich, wechselnde Konzepte wurden erfolglos ausprobiert. "Am Ende bin ich bereit, ein Fazit zu ziehen. Das bedarf einer intensiven Analyse", sagte Buschkow und wirkte mitgenommen. Auch der Leistungssportdirektor muss die Ergebnisse des Teams mit mehr als zwei Dritteln Olympia-Neulingen erst "verkraften".

Hört Steffen auf?

Das gilt auch für Biedermann und Steffen, die im gemeinsamen Urlaub in Deutschland "alles noch einmal Revue passieren" lassen wollen, wie es die Doppel-Olympiasiegerin ankündigte. Bei den 50 Metern Freistil in London will sie sich vorher aber noch einmal das Final-Ziel erfüllen. Und dann? "Britta hat schon sehr viel für den deutschen Schwimmsport geleistet. Und wenn sie weitermachen möchte, kriegt sie alle Unterstützung dieser Welt. Und wenn sie aufhören möchte, dann ist das auch zu verstehen", sagte ihr Trainer Norbert Warnatzsch.

Bislang standen als Ziel die Heim-Europameisterschaften 2014 in Berlin sowie Olympia im brasilianischen Rio 2016 im Raum. Aber eine ehrgeizige Ausnahmesportlerin wie Steffen wird sich nach dem Halbfinal-Aus hinterfragen. Gerade, weil "vielleicht meine Zeit einfach vorbei ist, was die 100 Meter betrifft", wie sie sagte.

Klar ist: Die Zukunft des deutschen Schwimmsports erscheint derzeit nicht allzu rosig. Nach Olympia 2008 übertünchte die gute WM 2009 offenkundige Lücken, nach Shanghai 2011 war ein Gegensteuern zu spät. Bei der EM im Mai oder auf zahlreichen Kurzbahn-Veranstaltungen schwammen die Deutschen top, aber da fehlte auch die ganz harte Konkurrenz.

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