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Olympia 2012: Die historische Pleite der Schwimmer ist perfekt

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Deutsche Schwimmer: Kein Erfolg und kein Bundestrainer

05.08.2012, 16:49 Uhr | t-online.de, dpa, sid

Olympia 2012: Die historische Pleite der Schwimmer ist perfekt. Auch Britta Steffen holte in London keine Medaille. (Quelle: dpa)

Auch Britta Steffen holte in London keine Medaille. (Quelle: dpa)

Als die deutsche Staffel über 4 x 100 Meter Lagen als Sechste das Ziel erreichte, stand es fest: Erstmals seit 80 Jahren - und damals gab es in Los Angeles nur elf Rennen statt 32 - waren die deutschen Schwimmer bei Olympischen Spielen ohne Medaille geblieben. Kurz zuvor hatten Britta Steffen sieben Hundertstel über 50 Meter Freistil zu Bronze gefehlt. Vor vier Jahren hatte sie mit ihrem Doppel-Triumph über 50 und 100 Meter Freistil das Fiasko noch verhindert. Alle Entscheidungen und Ergebnisse finden Sie im t-online.de-Live-Ticker

"Es ist uns nicht gelungen, unsere Topleistungsträger Paul Biedermann und Britta Steffen so vorzubereiten, dass sie hier ihre Bestleistung abrufen können. Und damit steht und fällt ein Abschneiden einer Mannschaft", erklärte Lutz Buschkow, Leistungssportdirektor des Deutschen Schwimm-Verband (DSV).

Akribische Ursachenforschung beim DSV

Strukturelle Defizite Schuld an Olympia-Debakel.

Strukturelle Defizite Schuld an Olympia-Debakel.


Keine personellen Konsequenzen

Buschkow ist seit vier Jahren im Amt, ein Rücktritt von seinem Posten ist für ihn kein Thema. Stattdessen rechnete er vor, dass sich die durchschnittliche Platzierung der deutschen Frauen im Vergleich zu den Spielen von Peking von 21 auf 13,7 und bei den Männern von 25 auf 12,6 verbessert habe.

Auch Präsidentin Christa Thiel will "definitiv" mit Buschkow weitermachen: "Es geht nicht um die Personalie des Sportdirektors, definitiv nicht." Thiel betonte, dass das Ruder herumreißen nicht heiße, "den nächsten Guru" zu suchen. Auch von Konsequenzen für sich wollte die seit 2000 amtierende Präsidentin nichts wissen. "Meine Verantwortlichkeit ist die des gesamten DSV, nicht nur der Beckenschwimmer", sagte die 58-Jährige, die im November zur Wiederwahl antreten will.

DSV-Generalsekretär: "Wir haben ein strukturelles Problem"

Doch machen es sich die Verantwortlichen da nicht zu leicht? Denn es waren ja nicht nur Biedermann und Steffen, die in London enttäuschten. "In der Mehrzahl der olympischen Disziplinen haben wir den Anschluss an die Weltspitze verloren", sagte Buschkow. Die Zahlen bestätigen dies: Nach fünf Medaillen 2004 und zwei 2008 holten die Schwimmer nun gar kein Edelmetall mehr.

"Es ist nicht das Versagen einer einzelnen Person, sondern vielmehr ein strukturelles Problem", ergänzte DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff.

Zum Saisonhöhepunkt oftmals schwächer

Auffällig war: Eine persönliche Bestzeit legte nur Steffen Deibler hin. Im Vergleich zu den nationalen Meisterschaften oder der EM konnten sich wenigstens Biedermann, Helge Meeuw, Sarah Poewe und Daniela Schreiber verbessern. Die meisten Schwimmer kamen aber beim Saisonhöhepunkt in London nicht mehr an ihre Zeiten heran.

Deshalb soll nun beim DSV in einer intensiven Analyse alles auf den Prüfstand kommen: Trainingskonzepte, Standorte, Personalkonzept, Nachwuchssichtung. Buschkow listete in einer ersten Analyse zahlreiche Mankos auf: keine stabile Wettkampfstruktur, zu viele Experimente, zu geringe Grundlagenausdauer, fehlende allgemeine athletische Voraussetzungen, keine psychische Wettkampfhärte, zu lange Erholungsphasen.

Bundestrainer verzweifelt gesucht

Gesucht wird auch ein neuer Bundestrainer, doch die Bewerberlage ist mau. "Es ist nicht so, dass ich einen Riesenstapel von Bewerbungen habe. Es ist nicht so, als wenn sie uns, dem DSV, die Tür einrennen", sagte Buschkow. Der Verband hatte sich im November von Dirk Lange getrennt.

"Wir müssen zeitnah das Personalkonzept des DSV umsetzen, aber wir brauchen geeignetes Personal. Das ist mein Grundproblem", sagte Buschkow und mühte dann eine Metapher. "Man kann ja einen Krieg erklären, aber wenn man da nicht entsprechende Soldaten hat, dann werden wir den auch nicht erfolgreich bewältigen."

Thiel fordert mehr Geld

Orientieren will sich der DSV in der Krise nun an Frankreich. Nicht zuletzt dank Jungstar Yannick Agnel brachten es die Nachbarn auf viermal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze und kletterten hinter den USA und China auf den dritten Platz in der Medaillenwertung der Schwimmer.

Sie habe sich das französische Konzept geben lassen, berichtete Thiel, wies allerdings auch gleich auf die Unterschiede hin: "Dort ist alles sehr zentralistisch, und der Staat gibt im Jahr sieben Millionen." Der DSV muss für all seine Abteilungen mit der Hälfte auskommen.

Fördermittelkürzung droht

Ob die finanziellen Mittel des Bundesinnenministeriums weiter in diesem Umfang fließen, ist nach der Pleite von London offen. Die Zielvereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hatte sechs Medaillen vorgesehen. "In der Vergangenheit hieß es: schlechtes Ergebnis, weniger Geld", sagte Fornoff, "aber das macht keinen Sinn."

Steffen forderte, einen Blick über den großen Teich zu werfen. "In Amerika ist man ein Held, wenn man im Sport gut ist, dann kann man sich sein Studium damit finanzieren", sagte sie: "Man sollte vielleicht mit den Experten die ganzen Systeme mal analysieren. Aber ich bin nur ein dummes Sportlerchen."

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