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De Maizière: Im Fall Drygalla Grenze überschritten

06.08.2012, 13:47 Uhr | dpa

De Maizière: Im Fall Drygalla Grenze überschritten. Verteidigungsminister Thomas de Maiziere äußert sich zum Fall Drygalla.

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere äußert sich zum Fall Drygalla. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Verteidigungsminister Thomas de Maizière sieht im Umgang mit der Ruderin Nadja Drygalla eine Grenze überschritten.

"Steht es uns als Öffentlichkeit eigentlich wirklich zu, den Freundeskreis von Sportlerinnen und Sportlern zu screenen, zu gucken, was da los ist?" fragte der CDU-Politiker im Deutschen Haus in London. "Müssen wir von Sportlerinnen und Sportlern verlangen, dass sie offenbaren, mit wem sie befreundet sind, was die denken? Wo ist da die Grenze?", fügte er hinzu: "Ich stelle diese Fragen, um einmal deutlich zu machen, dass es auch Grenzen der Überprüfung auch für die Rolle von Sportlern gibt." Er glaube, die Grenze sei im Fall der 23 Jahre alten Drygalla schon überschritten.

Im Anti-Doping-Kampf gibt es den gläsernen Athleten längst. Dass die Sportler dabei permanent Angaben über ihren Aufenthaltsort machen müssen, wird nicht von allen begrüßt. Den gläsernen Menschen im Sport will auch die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes verhindern. Christa Thiel sprach sich gegen "Inspektionen des privaten Umfeldes" von Sportlern aus. "Wir brauchen keine Agenten-Methoden", sagte die Juristin und Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes der "Sport Bild". "Wir werden auch keine Akten anlegen." Allen Anzeichen und Mitteilungen werde aber nachgegangen.

Offenbar geriet der Informationsfluss im Fall Drygalla aber ins stocken. Der DOSB hatte erklärt, dass er nach eigenen Angaben keine Mitteilungen über die Beziehung der Athletin zu Michael Fischer, Direktkandidat der rechtsextremen NPD bei den Landtagswahlen 2011 in Mecklenburg-Vorpommern, erhalten habe. Beim Landessportbund war die Beziehung hingegen offiziell seit mehr als einem Jahr bekannt. Als es bis zur höchsten Ebene des deutschen Sports vordrang, verließ Drygalla in der vergangenen Woche das olympische Dorf. Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern wusste, dass Personen in Drygallas Bekanntenkreis sind, "die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind".

"Es scheint zwar so zu sein, dass der Deutsche Olympische Sportbund als Dachverband tatsächlich nichts gewusst hat, aber dann stellen sich natürlich ganz ernsthafte Fragen nach den Kommunikationsstrukturen im deutschen Spitzensportsystem", kritisierte die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag, im ZDF-Morgenmagazin. Sie kündigte an, das Thema bei der Nachbetrachtung der Olympischen Spielen auf der Sitzung Ende September mit auf die Tagesordnungen nehmen zu wollen. Bei der Kabinettssitzung des Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern will Innen- und Sportminister Lorenz Caffier (CDU) bereits am Dienstag einen Bericht abgeben.

"Es ist auf jeden Fall klar, dass andere etwas gewusst haben müssen", sagte die Sportausschussvorsitzende Freitag. "Die Athletin ist dem Olympiastützpunkt in Mecklenburg-Vorpommern zugeordnet, da gibt es einen OSP-Leiter, da gibt es Laufbahn-Berater, die müssen merken, wenn eine Athletin plötzlich ihren Job verliert", betonte Freitag. Der Leiter des Olympiastützpunktes Mecklenburg-Vorpommern, Michael Evers, sagte der dpa auf die entsprechende Frage nach der möglichen Weitergabe von Information an übergeordnete Gremien: "Wir geben keine Auskunft zu dienstlichen Belangen."

Generell ist es auch nicht Aufgabe der Olympiastützpunkte in Deutschland, private Informationen über Athleten an Verbände wie den DOSB weiterzugeben. Einen solchen Automatismus gebe es nicht, sagte die Leiterin des OSP Hamburg/Schleswig-Holstein, Ingrid Unkelbach, der dpa am Montag. Es könne auch nicht Funktion der Stützpunkte sein, beispielsweise einen Athleten zu melden, der betrunken Auto gefahren sei. Ohnehin spreche nicht jeder Sportler am OSP über Privates oder etwa berufliche Veränderungen.

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