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Samba, Sonne, Sorgen: Rio übernimmt Olympia-Stab

13.08.2012, 21:01 Uhr | dpa

Samba, Sonne, Sorgen: Rio übernimmt Olympia-Stab. Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes mit der olympischen Fahne.

Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes mit der olympischen Fahne. (Quelle: dpa)

Rio de Janeiro (dpa) - "Jetzt sind wir dran!" hallte es in Rio nach der Londoner Olympia- Abschlussfeier. In die Vorfreude mischt sich am Zuckerhut aber Kritik an den Leistungen der eigenen Sportler in London - und die Angst vor einem organisatorischen und sportlichen Reinfall in vier Jahren.

Für den Erfolg der Olympischen Spiele 2016 wird Rio de Janeiros Bürgermeister sogar seine Frau vernachlässigen. "Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich ab jetzt mit der olympischen Fahne schlafen werde", sagte Eduardo Paes nach der Londoner Abschlussfeier im Hotel scherzhaft. Er küsste vor Fotografen die ihm übertragene weiße Flagge mit den fünf Ringen und stieg mit ihr in den Flieger gen Heimat. Der Welt versprach der 42-Jährige "die besten Spiele der Geschichte" - und den Wählern daheim eine "Wiedergeburt" der wunderschönen, aber immer noch von Slums, Verkehrschaos und Kriminalität geprägten Sechs-Millionen-Metropole.

Rios Cheforganisator Leonardo Gryner kündigte in London "Spiele der Leidenschaft" an, und tatsächlich freuen sich die meisten der sport- und partyverrückten Bewohner Rios wie kleine Kinder auf 2016. "Jetzt sind wir dran", jubelten am Montag Fernseh- und Rundfunk-Moderatoren, Café- und Strand-Besucher und auch die Zeitung "O Globo" in großen Lettern auf Seite eins. Doch in die Vorfreude der "Cariocas" mischt sich immer mehr Angst vor einem sportlichen und organisatorischen Reinfall. Die Zeitung "Folha da S.Paulo" stellte am Montag lapidar fest: "Der Londoner Erfolg erhöht den Druck auf Rio".

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Damit Olympische Spiele ein erfolgreiches Fest werden, muss der Gastgeber nicht nur organisatorisch, sondern auch sportlich auf der Höhe sein. Samba und Sonne reichen nicht aus. Darauf wies auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, in Richtung Brasilien hin. Und obwohl die Londoner Ausbeute der Brasilianer mit 17 Medaillen eine neue Bestmarke bedeutete und sowohl die alten Rekorde von 1996 und 2008 als auch das vom National-Komitee ausgegebene Mindestziel um zwei Medaillen übertroffen wurden, kritisieren Medien und Beobachter das Ergebnis in aller Schärfe.

Angesichts der geschätzten Sport-Investitionen von 2,1 Milliarden Reais (840 Millionen Euro, im Zeitraum 2008-2012, doppelt so viel wie in der Vorperiode) fragt das Portal "Uol": "Jede Medaille hat uns 123,5 Millionen Reais (50 Millionen Euro) gekostet. Lohnt sich das, ist das nachhaltig?" Vor allem die Leichtathleten, die erstmals seit Barcelona 1992 keine einzige Medaille holten, enttäuschten. Aber auch Schwimmer, Segler, Fußballer, Basketballer und viele andere blieben hinter den Erwartungen zurück. Sportminister Aldo Rebelo, der für London mindestens 20 Medaillen gefordert hatte, sprach am Montag Klartext: "Wir müssen und können auch bis 2016 viel besser werden."

Nach einem 22. Platz im Londoner Medaillenspiegel wollen die Südamerikaner mit noch mehr Investitionen in den kommenden vier Jahren 2016 auf eigenem Boden erstmals in die Top Ten eindringen. Doch Experten sind skeptisch. Joaquim Cruz, 800-Meter-Goldmedaillen-Gewinner 1984 in Los Angeles, klagte im TV-Sender "Sport-TV": "Der Schulsport wird bei uns überhaupt nicht gefördert, das wäre die wichtigste Maßnahme. Ich sehe schwarz." Noch drastischer äußerte sich Leichtathletik-Berater Miguel Arruda: Die Investitionen hätten früher getätigt werden müssen, "der Zug für 2016 ist bereits abgefahren."

Zu allem Übel bereitet vor der Fußball-WM 2014 und den Spielen 2016 auch die Infrastruktur Kopfzerbrechen. Obwohl sich viel tut. Zur Eindämmung der Kriminalität wurden die "Favela"-Slums polizeilich besetzt. Bus-Sonderspuren werden eingerichtet, um die kilometerlangen Staus zu reduzieren. Das U-Bahnnetz Rios soll bis 2016 von zur Zeit 40 auf 90 Kilometer ausgeweitet werden. Die Sportstätten vor allem im Westen Rios werden fieberhaft auf- und ausgebaut. Rund 400 Millionen Euro werden in die Renovierung des Maracanã-Stadions gesteckt.

Aber in London räumte kein Geringerer als Fußball-"König" Pelé ein: "Uns machen unter anderem die Kommunikationen und der Transport Sorgen, da läuft es nicht so gut." Geld scheint im noch boomenden Land bisher zwar kein Problem zu sein. Allein an Ausgaben-Transparenz fehlt es. Sowohl das IOC als auch Ex-Sturmstar Romario, heute Parlamentsabgeordneter, fordern immer wieder (bisher erfolglos) Zahlen und Daten. Bürgermeister Paes versucht derweil die Gemüter zu beruhigen. "Rio wird von den Spielen für immer verändert werden."

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