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Nachtschicht auf Deck 9 - Partystimmung wie im Stadion

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Nachtschicht auf Deck 9 - Partystimmung wie im Stadion

14.08.2012, 18:12 Uhr | dpa

Nachtschicht auf Deck 9 - Partystimmung wie im Stadion. Gut 200 der deutschen London-Starter fahren mit Freunden und Angehörigen per Schiff heim.

Gut 200 der deutschen London-Starter fahren mit Freunden und Angehörigen per Schiff heim. (Quelle: dpa)

London (dpa) - Party am Pool: Die deutschen Olympia-Starter gaben auch auf der Rückreise noch einmal alles. Für die Bord-Party auf der MS Deutschland hätten die Sportler glatt Gold verdient. Über Nacht wurde das Traumschiff zur MS Olympia.

Ruder-Olympiasieger Maximilian Reinelt glänzte als Barpianist am weißen Konzertflügel mit Welthits im Minutentakt, draußen wurde gerockt und gesungen und gelacht. Als die Party auf dem Lido-Deck nachts um drei so richtig abging, da schaute auch Traumschiff-Kapitän Andreas Greulich noch einmal bei seinen Sportsfreunden vorbei. So etwas hatte der alte Fahrensmann noch nicht erlebt. Greulich nickte kurz, drehte wortlos nach backbord ab und trollte sich zufrieden. Alles klar, die Nacht wird kurz. Mittendrin in der Party-Meute sang und tanzte auch DOSB-Präsident Thomas Bach.

Leinen los in London - Kurs Hamburg: Für 36 Stunden war die berühmte "Deutschland" zur "MS Olympia" geworden. Gut 200 der 391 deutschen London-Starter durften mit Freunden und Angehörigen an Bord. Greulich begrüßte viele persönlich mit Handschlag. Schlag auf Schlag ging es auch für Bordfotografin Vanessa Kautz - bloß keinen verpassen. In der Night-Session schlug der Stimmungspegel fast so hoch aus wie bei der Mo-Show im Londoner Olympiastadion. Dagegen dürfte das Durchschnittsalter der Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff auf ein Rekord-Tief gesunken sein.

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Die letzten der Mohikaner fielen erst Dienstag in der Früh nach fünf in ihre Kojen, viele verpassten die Zeitumstellung und kamen zur obligatorischen Seenot-Rettungsübung um 10.30 Uhr (MESZ) zu spät. So richtig wach waren nur wenige, selbst Schwimmer mit Rettungsweste fand keiner lustig. Glücklich waren nur die Sportsfreunde, die schon gefrühstückt hatten. Langschläfer trafen sich "Beim Alten Fritz" bei Würstchen, Brötchen und Milchkaffee. Im Salon wurde schon zum Mittagessen eingedeckt, um 14.00 Uhr war Autogrammstunde.

"Super Stimmung hier! Mein Bruder spielt besser Klavier als ich, aber wir können das alle jetzt zusammen genießen. Auf diesem Schiff mitfahren zu dürfen, ist ein einfach toll", meinte Hobby-Pianist Maximilian Reinelt, der im goldenen Deutschland-Achter saß. In zehn Tagen wird er 24 Jahre alt - als Olympiasieger.

Reinelt ist mit 23 der Junior im Deutschland-Achter, Bruder Robert rudert im Leichtgewicht, am Yamaha-Flügel fliegen seine Finger über die Tasten. Die "Deutschland" dümpelt auf der Themse durch die Docklands, Reinelt jr. spielt passend zur Szenerie Beatles-Songs. Und dann Glenn Miller, "In the Mood". Die Stimmung steigt.

"Das gehört einfach dazu", sagte Stabhochspringer Björn Otto, in London mit Silber dekoriert, nach der für alle zu kurzen Nacht. Turn-Ass Fabian Hambüchen war schon vor dem Ablegen "ziemlich platt. Ich will die Fahrt zur Erholung nutzen. Seit dem 2. Juli war ich nicht zu Hause. Deshalb freue ich mich jetzt ganz besonders drauf", verriet der 24-Jährige aus Wetzlar. Und wo steckt seine Silbermedaille - im Mini-Safe auf der Kabine? Freundin Caroline lässt sich nichts entlocken: "Die ist gut versteckt."

25 deutsche Olympiasieger waren auf der Rückfahrt an Bord, Kapitän Greulich hätte am liebsten auch jedem Crewmitglied eine Goldmedaille verpasst. Nur Volleyballer Christian Dünnes schlich etwas geknickt übers Traumschiff. Für den 2,10-Meter-Mann war der 175 Meter lange Dampfer einfach zu klein. An der Rezeption war die Decke nur 2,08 Meter hoch, Dünnes musste sich ducken. Dafür fand er das Bett in der Kabine okay. "Ich ziehe die Knie an oder lasse die Füße raushängen", meinte der Schmetterkünstler von Generali Haching grinsend.

36 tolle Stunden an Bord, alles mal sacken lassen, Spaß miteinander haben. Die Traumschiff-Idee des DOSB kam blendend an, und Generaldirektor Michael Vesper scherzte schon: Wenn die Zustimmung so gut ist wie die Stimmung an Bord, dann startet die "Deutschland" 2016 in Rio vielleicht wieder in olympischer Mission. "Ein besserer Abschluss der Spiele ist für mich als Hamburger gar nicht vorstellbar", sagte der zweimalige Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste und freute sich auf die Ankunft mit dem Traumschiff am Mittwoch in der Hansestadt, die vom NDR-Fernsehen sogar live übertragen wird.

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