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Paralympics: Oliveira schlägt Pistorius dank Wunderstelzen

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Dank Wunderstelzen: Brasilianer schlägt Pistorius

03.09.2012, 11:06 Uhr | sid

Paralympics: Oliveira schlägt Pistorius dank Wunderstelzen. Oscar-Pistorius (li.) gratuliert dem Brasilianer Brasilianer Alan Oliveira. (Quelle: Reuters)

Oscar-Pistorius (li.) gratuliert dem Brasilianer Brasilianer Alan Oliveira. (Quelle: Reuters)

Seit Samstag laufen sie, die zweiten "Oscar-Pistorius-Festspiele". Diesmal gibt es keinen Usain Bolt und keinen Mo Farah. Diesmal gibt es nur ihn, den "schnellsten Mann auf keinem Bein". Beim ersten Lauf hatte er gleich gezeigt, dass diese Bühne ihm gehört - doch beim zweiten verlor er gleich das erste Gold. Trotz Führung bis kurz vor dem Ziel verlor er das 200-Meter-Finale völlig überraschend in 21,52 Sekunden mit sieben hundertstel Sekunden gegen den Brasilianer Alan Oliveira.

Paralympics - Video 
Pistorius weist Bolt-Vergleich zurück

Südafrikaner rennt nach Olympia auch bei den Paralympics. Video

Hinterher beklagte sich Pistorius über zu hohe Stelzen der Rivalen, die durch das neue Reglement erlaubt sind. "Es war nicht unfair, er hat sich an die Regeln gehalten, aber Fakt ist: So schnell war er bisher noch nie. Auch nicht annähernd", sagte der Südafrikaner, dem zahlreiche Konkurrenten beipflichteten. Hier droht die nächste Diskussion über Techno-Doping.

Frenetisches Publikum

Bei seiner Begrüßung jubelten die 80.000 Zuschauer im Olympiastadion lauter als bei jedem britischen Sieg, als nach 200 Metern des Halbfinals im Ziel die Weltrekord-Zeit von 21,30 Sekunden aufblinkte, legten sie noch einige Dezibel drauf. Die Niederlage am folgenden Tag schien die Zuschauer fast genauso zu schocken wie Pistorius, der bei seinen vier Starts allenfalls über 100 Meter kein Gold einkalkuliert hatte.

"Die Briten haben die Paralympics in ihr Herz geschlossen", sagte der immer noch viermalige Paralympics-Sieger aber über die fanatischen Zuschauer. Damit hat er recht. Doch in erster Linie haben sie ihn ihr Herz geschlossen. Den "Blade Runner". Den ersten doppelamputierten Olympia-Star. Und den uneingeschränkten Star der größten Paralympics aller Zeiten.

Jetzt auch noch Comic-Held

Dass den Südafrikaner auf der Insel inzwischen praktisch jedes Kind kennt, ist nun auch belegt. Denn der 25-Jährige ist in Großbritannien zur Comic-Figur aufgestiegen. Als "Oscar Victorious" wirkt er im Band "The Beano" mit. Nach Angaben des Zeichners Mike Stirling besitzt er dort die Eigenschaften des Comic-Lausbuben Dennis. "Als Menschen Oscar gesagt haben, er könne kein Athlet sein, weil er behindert ist, hat er das einfach ignoriert. In dieser Hinsicht ist er wie Dennis, der macht nämlich auch nie, was man ihm sagt", erklärte Stirling.

Pistorius ist in der Tat nicht nur trotzdem Sportler geworden. Er hat auch gegen alle Widerstände seinen Olympia-Start durchgesetzt. Dort war im Halbfinale Schluss gewesen, doch das war wahrscheinlich auch besser so. Denn eine Final-Teilnahme oder gar eine Medaille für den Stelzensprinter hätten die Diskussionen über Techno-Doping auf die Spitze getrieben.

Den Kritikern gezeigt

Es gibt trotz des letztlich deutlichen Rückstands des Südafrikaners im Halbfinale immer noch Beobachter, die glauben, er habe sein Potenzial absichtlich nur bis zu diesem Punkt ausgereizt. Um sich und der Bewegung nicht zu schaden. Hier, unter seinesgleichen, kann Pistorius die Bremse rausnehmen. Und blieb bei seinem ersten Start im Halbfinale über 200 Meter gleich mal eine halbe Sekunde unter dem bisherigen Weltrekord. Der zweitplatzierte folgte mit 2,34 Sekunden Rückstand - umgerechnet 22 Meter.

"Ich hätte selbst nicht erwartet, dass ich so schnell bin", sagte der 25-Jährige: "Aber ich hätte mir keine bessere Rückkehr nach London vorstellen können. Und der Weltrekord ist eine Zugabe." Und er hatte auch das Gefühl, es einigen Kritikern gezeigt zu haben. "Viele haben gesagt, wie kannst du nur bei Olympia antreten, du verdirbst deine Chancen für die Paralympics. Ich habe ihnen das Gegenteil bewiesen", sagte er. Gestand aber ein, dass er über die 100 Meter froh wäre, "unter die besten Drei zu kommen".

Inspiration für die Konkurrenz

Denn die Vorbereitung auf die 400 Meter für Olympia haben einen anderen Trainingsaufbau bedingt, Ausdauer statt Schnellkraft war angesagt. Doch hier, bei den Paralympics, ist Pistorius bei allen gern gesehen. Hier gibt es niemanden, der ihn kritisch beäugt oder hinterfragt. Hier ist er einfach nur der Star und ein Segen für alle anderen, die bei den Pistorius-Festspielen eine mehr oder weniger große Nebenrolle ergattert haben.

"Gegen Oscar zu laufen, ist etwas ganz Besonderes", sagte David Behre, der ebenfalls im Finale stand: "Er hat mich damals inspiriert." Nicht nur ihn.

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