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Olympia: Gedenken an das Attentat vor 40 Jahren

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Wie der Terror über Olympia hereinbrach

04.09.2012, 20:57 Uhr | dpa

Olympia: Gedenken an das Attentat vor 40 Jahren. Endstation Fürstenfeldbruck: der ausgebrannte Hubschrauber, den die Terroristen nutzten. (Quelle: dpa)

Endstation Fürstenfeldbruck: der ausgebrannte Hubschrauber, den die Terroristen nutzten. (Quelle: dpa)

Der schwärzeste Tag in der Geschichte der Olympischen Spiele begann mit einem heiteren Spätsommermorgen. Als am 5. September 1972 gegen 4.35 Uhr ein palästinensisches Terrorkommando das israelische Olympia-Quartier in der Conollystraße 31 überfiel, brach in München ein wolkenloser Dienstag an. 21 Stunden später waren 17 Menschen tot: elf israelische Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen. Die Olympischen Spiele hatten ihre Unschuld verloren.

Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972

Walter Renner war als einer der ersten Beamten vor Ort. Zum 40. Jahrestag erinnert sich der ehemalige Polizist an das Terrorattentat in der Münchener Conollystraße.

Ein Zeitzeuge aus München erinnert sich zum Jahrestag.


Auf den Tag genau vierzig Jahre später werden schlecht verheilte Wunden wieder aufbrechen. Die zentrale Gedenkveranstaltung auf dem Militärflughafen in Fürstenfeldbruck wird an einen barbarischen Akt des Terrors erinnern, an ein aus heutiger Sicht lächerliches Krisenmanagement und mangelhaftes Aufarbeiten der Ereignisse durch die Verantwortlichen aus Politik und Sport.

"Die Deutschen haben nichts gewusst und waren arrogant"

Die Schatten von 1972 reichen bis in die Gegenwart. IOC-Präsident Jacques Rogge und der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher haben dies in den vergangenen Tagen zu spüren bekommen. "Schande über dich, IOC!", rief Ankie Spitzer, die Witwe des damals ermordeten Fechttrainers Andre Spitzer, Rogge während einer Gedenkstunde am 6. August in London zu. Der Belgier hatte es abgelehnt, der Opfer während der Eröffnungsfeier der Spiele in London zu gedenken. Genscher musste dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" unangenehme Fragen beantworten. Einem geheimen Dokument aus dem Auswärtigen Amt zufolge habe der damalige Innenminister drei Wochen vor dem Anschlag Warnungen erhalten. Genscher sagte, er habe an den Vorgang keine Erinnerung mehr.

Auch 40 Jahre danach kann Spitzer ihre Wut nicht verbergen: "Alles, was man falsch machen konnte, wurde falsch gemacht. Die Deutschen haben nichts gewusst und waren arrogant", sagte die 66-Jährige. Genscher ("Es war die schwerste Stunde meines politischen Lebens") hatte sich damals in verzweifelten Verhandlungen dem Terrorkommando "Schwarzer September" als Ersatzgeisel angeboten. Das bittere Ende und zahlreiche haarsträubende Pannen konnte er jedoch auch nicht verhindern.

Es reiht sich Panne an Panne

Die Organisatoren wollten 27 Jahre nach Kriegsende heitere Spiele ausrichten, darunter litten die Sicherheitsvorkehrungen in eklatanter Weise. Die acht PLO-Terroristen kletterten am frühen Morgen des 5. September unbehelligt über den Zaun des Athletendorfes. Danach gelangten sie ohne Probleme ins israelische Quartier, wo der flüchtende Ringertrainer Moshe Weinberg ihr erstes Opfer wurde. Das vor den Spielen vom Polizeipsychologen Georg Sieber dargestellte Terrorszenario, das der Sicherheitsstab als völlig unrealistisch verwarf, war Wirklichkeit geworden. Es reihte sich Panne an Panne.

Nachdem die Terroristen eines der Opfer vor den Augen seiner Kameraden hatten verbluten lassen, wollte die Polizei das Quartier stürmen. Die als Sportler verkleideten Beamten wurden bei ihrem Einsatz auf dem Dach von TV-Kameras gefilmt. Die Live-Bilder sahen die Geiselnehmer im Fernsehen. Die Polizeiaktion wurde abgebrochen. Nach stundenlangen Verhandlungen wurden die Terroristen, die unter anderem die Freilassung von 234 in Israel inhaftierten Gesinnungsgenossen forderten, mitsamt der Geiseln in Hubschraubern zum Militärflugplatz Fürstenfeldbruck ausgeflogen.

Der "Zorn Gottes" übernimmt die Rache

Dort sollten die Terroristen in einer Boeing 727, die sie angeblich nach Ägypten bringen sollte, überwältigt werden. Die für den Zugriff vorgesehenen Polizisten, die in der Maschine auf die schwer bewaffneten Terroristen warteten, bekamen kalte Füße und flüchteten eigenmächtig unmittelbar vor deren Eintreffen. Der Feuerbefehl für die Scharfschützen, die sich ab 22.38 Uhr mit den Attentätern ein stundenlanges Gefecht lieferten, war das Todesurteil für die neun verbliebenen israelischen Geiseln und einen Polizisten.

Bundeskanzler Willy Brandt sprach später von einem "erschütternden Dokument deutscher Unfähigkeit". Dennoch wurde nie ein Vertreter deutscher Sicherheitsbehörden angeklagt. Drei überlebende Terroristen wurden nur knapp zwei Monate später im Zuge der Entführung der Lufthansa-Maschine "Kiel" freigepresst. Der israelische Geheimdienst ließ zwei davon wenig später im Rahmen der Operation "Zorn Gottes" umbringen, ebenso mindestens zwölf weitere tatsächliche und vermeintliche Hintermänner.

Die Spiele mussten weitergehen

In Deutschland wurde aus den bitteren Erfahrungen von München heraus die Spezialeinheit GSG 9 gegründet. Die olympische Bewegung erholte sich nie ganz von dem schwarzen Dienstag. Die Entscheidung des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage, die Spiele nach einer kurzen Unterbrechung fortzusetzen ("The games must go on"), wurde noch Jahre später hitzig diskutiert. Unbeschwerte Spiele frei von Terrorangst hat es seitdem nie wieder gegeben.

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