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Formel-1-Rennarzt Sid Watkins mit 84 Jahren verstorben

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"Doktor Sid" Watkins stirbt mit 84 Jahren

13.09.2012, 11:31 Uhr | dpa, sid

Formel-1-Rennarzt Sid Watkins mit 84 Jahren verstorben . Renn-Arzt Sid Watkins (re.) demonstriert 2002 das Sicherheitssystem HANS (Head And Neck Support) an Ferrari-Pilot Felipe Massa.  (Quelle: imago)

Renn-Arzt Sid Watkins (re.) demonstriert 2002 das Sicherheitssystem HANS (Head And Neck Support) an Ferrari-Pilot Felipe Massa. (Quelle: imago)

Die gesamte Formel 1 trauert um ihren langjährigen Renn-Arzt Sid Watkins. Der Neurochirurg, der zahlreichen Fahrern durch seine schnelle Hilfe an den Rennstrecken das Leben gerettet hat, starb im Alter von 84 Jahren. "Ruhe in Frieden, Professor Sid Watkins. Schlechte Nachrichten für die, die zurückbleiben", erklärte Bruno Senna, dessen Onkel Ayrton Senna 1994 bei einem fatalen Crash in Imola ums Leben gekommen war. Watkins, ein Liebhaber von Zigarren und Whisky, hatte sich damals unmittelbar nach dem Unfall um den Brasilianer gekümmert, mit dem ihn auch eine tiefe Freundschaft verband. (Foto-Show: "Das war F1-Rennarzt Sid Watkins")

Der Brite war damals an Sennas Seite, als dieser um sein Leben kämpfte. Später sagte Watkins zu den bewegenden Momenten, von Senna sei ein kleiner Seufzer gekommen. Es sei spürbar gewesen, wie Sennas Seele aus dem Körper getreten sei. Wenige Stunden später war Senna tot.

Watkins rettet Barrichello 1994 das Leben

Im Frühjahr 1994 verunglückt auch Sennas Landsmann Rubens Barrichello beim Freitagstraining in Imola schwer, kommt allerdings mit einer gebrochenen Nase davon. Barrichello erinnert sich: "Es war Sid Watkins, der mir 1994 in Imola das Leben gerettet hat. Er war ein großartiger Mensch, danke für alles, was du für uns Fahrer getan hast. Ruhe in Frieden", twitterte er nach der Nachricht vom Tod von "Doktor Sid".

Senna hört nicht auf ihn

Als der Österreicher Roland Ratzenberger 1994 in eine Mauer rast und stirbt, weinte Senna an der Schulter von Watkins. In seinen Erinnerungen schreibt der Neurochirurg später, er habe den Brasilianer daraufhin zum sofortigen Rücktritt überreden wollen. "Was willst du noch beweisen?", habe er zu Senna gesagt. "Hör auf und lass uns angeln gehen." Doch Senna antwortete: "Sid, es gibt bestimmte Dinge, über die wir keine Kontrolle haben. Ich kann nicht aufhören, ich muss weitermachen." 24 Stunden später war der dreimalige Weltmeister tot. Alle Rettungsversuche des Renn-Arztes waren vergebens.

Watkins wollte Schutz der Piloten immer vorantreiben

Erfahrungen wie diese trieben den gebürtigen Liverpooler zu immer neuen Initiativen für mehr Sicherheit. "Sid war auf jeden Fall der charismatischste und außergewöhnlichste Problemlöser, den ich je getroffen habe", sagte sein Nachfolger Gary Hartstein. Gegen viele Widerstände setzte Watkins top-ausgestattete Streckenhospitäler durch, bestand auf einen ständig bereitstehenden Hubschrauber und machte sich für den erhöhten Schutz der Piloten in ihren Autos stark.

Ron Dennis: "Der Motorsport verliert eine seiner wahren Größen"

Untröstlich war auch McLaren-Chef Ron Dennis, jahrelanger Wegbegleiter und Freund von Watkins. "Heute hat der Motorsport eine seiner wahren Größen verloren. Nein, er war kein Fahrer. Und nein, er war auch kein Techniker. Er war ein Arzt, und ich glaube es ist fair zu sagen, dass er über viele Jahre mehr getan hat als jeder andere, um die Formel 1 so sicher zu machen, wie sie heute ist. Viele Fahrer und Ex-Fahrer schulden seiner umsichtigen Arbeit ihr Leben", sagte Dennis. Watkins war von 1978 bis 2004 Chefmediziner der Formel 1 und als Streckenarzt Nothelfer bei vielen schweren Unfällen.

1995: Luftröhrenschnitt bei Häkkinen

Watkins, der Sohn eines Bergarbeiters, war 1978 von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone überredet worden, die Rolle des ständigen Renn-Arztes zu übernehmen. "Ohne ihn wäre nichts passiert. Er war immer auf Zack und knallhart", erinnerte sich Watkins einmal an die Unterstützung durch Ecclestone.

Zunächst aber blieb der Tod ständiger Gast in der Formel 1. Unter dramatischen Umständen rettete Watkins 1982 Ferrari-Fahrer Didier Pironi auf dem Hockenheimring das Leben. 1995 in Adelaide setzte er bei Mika Häkkinen in höchster Not einen Luftröhrenschnitt.

Doch Watkins' unermüdliches Werben für mehr Sicherheit zeigte Wirkung. Seit Senna ist kein Formel-1-Fahrer mehr tödlich verunglückt. "Der Motorsport würde ohne Dich heute nicht das sein, was er ist", sagte Ex-Weltmeister Jenson Button in seinem Nachruf auf Watkins.

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