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Helmut Haller: Vizeweltmeister und Fußball-Idol ist tot

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Helmut Haller ist tot

12.10.2012, 10:56 Uhr | sid, dpa

Helmut Haller: Vizeweltmeister und Fußball-Idol ist tot. Helmut Haller in Aktion beim WM Finale 1966 gegen England (Quelle: imago)

Helmut Haller in Aktion beim WM Finale 1966 gegen England (Quelle: imago)

Der deutsche Fußball trauert um Helmut Haller. Der Vizeweltmeister von 1966 starb im Alter von 73 Jahren im Kreise seiner Familie in Augsburg. Er sei friedlich verstorben, berichtete sein guter Bekannter Josef Fuchs. Haller absolvierte 33 Länderspiele und nahm an drei Weltmeisterschaften teil. Bei der WM 1970 kam er mit der deutschen Auswahl auf den dritten Platz.

Haller war einer der ersten deutschen Fußballer, die in der italienischen Serie A zum Weltstar reiften. Mit Juventus Turin und dem AC Bologna wurde er insgesamt dreimal Meister. Zuletzt hatte sich der ehemalige offensive Mittelfeldspieler aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am zweiten Weihnachtstag 2006 hatte Haller einen Herzinfarkt erlitten. In den vergangenen Jahren litt er an Demenz und Parkinson.

Seeler: "Dass das so plötzlich kommt, ist ein Schock"

"Helmut Haller gehörte zu den überragenden Persönlichkeiten des deutschen Fußballs", sagte Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in einer ersten Würdigung. "Unvergessen sind seine großartigen Leistungen - speziell bei der Weltmeisterschaft 1966. Über seine Arbeit für die Sepp-Herberger-Stiftung standen wir bis zuletzt mit ihm in Kontakt. Sein Tod macht uns sehr traurig.

Auch Hallers frühere Mitspieler zeigten sich geschockt. "Er war in letzter Zeit sehr krank. Aber dass das so plötzlich kommt, ist ein Schock", sagte Ehrenspielführer Uwe Seeler. "Das ist ein Riesenverlust. Das muss man erst einmal herunterschlucken. Aber in unserem Alter ist das nun einmal so. Die Einschläge kommen näher."

Grabowski: "Er war ein besonderer Spieler und ein wunderbarer Mensch"

Auch Jürgen Grabowski war erschüttert. "Ich bin schockiert und total überrascht. Das ist eine Katastrophe", sagte der ehemalige Frankfurter Offensivstar. "Er war ein besonderer Spieler und ein wunderbarer Mensch, immer hilfsbereit. Als ich 1966 als junger Spieler mit zur WM durfte, war Helmut Haller einer der Matadoren. Ich muss sagen, ich habe das Glück gehabt, einige Jahre mit ihm verbringen zu dürfen."

Auch Willi Schulz, ebenfalls 1966 in Deutschlands WM-Kader, konnte es kaum glauben. "Er war schon lange sehr krank, aber er war noch viel zu jung", sagte Schulz. "Das macht mich tief betroffen."

Bei seinem Heimatclub FC Augsburg herrschte ebenfalls tiefe Betroffenheit. "Helmut Haller war einer der größten Fußballhelden der Nachkriegsgeschichte und hat den Augsburger Fußball und Generationen von Fußballern geprägt", hob Peter Bircks, Aufsichtsratsvorsitzender des bayerisch-schwäbischen Bundesligisten, hervor. "Wir sind in Gedanken bei seiner Familie."

Seeler: "Mit der Kugel konnte er alles machen"

"Fußball ist mein Leben!" Helmut Haller nannte sich selbst schon immer einen Fußballverrückten. Als kleiner Junge erzielte der Augsburger zwischen zerbombten Häusern die ersten Tore, auch als Senior konnte er seinen Sport nicht loslassen. Dazwischen feierte er eine Karriere, in der er in den Sechzigern und Siebzigern zu einem Aushängeschild des deutschen Fußballs wurde. Er gewann drei italienische Meisterschaften und war Protagonist im denkwürdigen Finale der Weltmeisterschaft 1966. Dabei erzielte er auf dem Rasen von Wembley das 1:0 bei der Niederlage gegen England.

Als Fußballer durch und durch sah ihn auch der frühere Mitspieler Uwe Seeler. Bei zwei Weltmeisterschaften kämpften die beiden gemeinsam im Trikot mit dem Bundesadler. "Er hat ja von klein auf nur Fußball gespielt. Er war nicht nur fußballverrückt, sondern auch ballverrückt", sagte Ehrenspielführer Seeler einmal und lobte: "Mit der Kugel konnte er alles machen."

Zwei Augsburger Legenden innerhalb weniger Tage

Als junger Spieler hieß Haller "Hemad" ("Hemd"), später riefen die Fans in Italien einen der ersten Fußball-Legionäre "Il Biondo" ("Blondschopf"). Erst Augsburg, dann die Serie A in Italien - das sind die zwei Stationen, die den Weg des offensiven Mittelfeldspielers prägten. In der bayerischen Heimat stieg er als schmächtiger Hänfling bereits als 19-Jähriger zum Nationalspieler auf, zwischen 1962 und 1973 beim AC Bologna und bei Juventus Turin reifte er zum gestandenen Weltklassespieler.

Die Zuschauer kürten ihn wiederholt zu ihrem Liebling. In seinem Geburtsort Augsburg gilt Haller, der 1973 noch einmal zurückkehrte und einige Jahre später als 40-Jähriger einen Schlussstrich unter seine Karriere zog, vielen gar als lokale Legende und Idol. Erst vor einer Woche war in Ex-Handball-Nationalspieler Erhard Wunderlich eine weitere Augsburger Sportlerikone gestorben.

In das Abenteuer Italien hatte sich Haller 1962 gestürzt, um mit seinem Sport Geld zu verdienen. Nur zwei Jahre später gewann der feine Techniker mit Bologna die Meisterschaft - und holte damit als erster Deutscher in einer bedeutenden ausländischen Liga den Titel. Zwei weitere Meistertitel folgten mit Juve für den "Augsburger Bub", der nie in der 1963 gegründeten Bundesliga aufläuft - aber trotzdem in Fußball-Deutschland unvergessen ist.

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