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Rössner: "Wir brauchen Kriminalisierung des Dopings"

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Debatte um Antidoping-Gesetz entbrannt

05.12.2012, 10:48 Uhr | dpa

Rössner: "Wir brauchen Kriminalisierung des Dopings". Doping ist eine der Schattenseiten des Sports.

Doping ist eine der Schattenseiten des Sports. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Die Diskussion um ein Anti-Doping-Gesetz ist vor der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag in Stuttgart wieder voll entbrannt.

Der Kriminologe Dieter Rössner sieht die Werte des Sports bisher nicht geschützt. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe forderte ebenso wie Tischtennis-Star Timo Boll mehr Unterstützung des Staates im Dopingkampf.

DOSB-Präsident Thomas Bach, der am Mittwoch bei der Exekutivsitzung des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne weilte, schaltete sich ebenfalls in die Debatte ein. "Innerhalb des DOSB besteht Einigkeit im Ziel der Schärfung der Werkzeuge im Kampf gegen Doping. Dazu gibt es eine Reihe konstruktiver Vorschläge", sagte er. Mit diesen werde sich das Präsidium in seiner Sitzung am Donnerstag in Stuttgart befassen. In die Beratungen werde auch der umfassende Sachverständigen-Bericht der Bundesregierung einfließen. "Ich gehe davon aus, dass das Präsidium der Mitgliederversammlung dann einen entsprechenden Vorschlag im Rahmen seiner Null-Toleranz-Politik gegen Doping vorlegt", kündigte Bach an.

Jura-Professor Rössner hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwoch) gefordert, "das Eigendoping der Sportler" ins Blickfeld zu nehmen. "Wir brauchen eine direkte Kriminalisierung des Dopings." Bisher ist der Besitz geringer Mengen von Dopingmitteln nach dem Arzneimittelgesetz (AMG) nicht strafbar. "Erst die Besitzstrafbarkeit ohne Einschränkung gäbe den Ermittlern die Möglichkeit, in den Spitzensport vorzudringen", erklärte der Kriminologe.

Das AMG richte sich gegen den Handel mit Dopingmitteln und ziele eher auf Freizeit- und Fitnessathleten. Damit unterstützt Rössner den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) bei der Forderung nach einer Gesetzesänderung. "Wenn man aber auch Doping im Spitzensport angreifen will, dann muss man Eigendoping unter Strafe stellen."

Einen entsprechenden Antrag hat der DLV für die DOSB-Mitgliederversammlung eingereicht. Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) hat bereits die Unterstützung für diese Initiative zugesagt und dessen Starspieler Timo Boll sich für eine Verschärfung des staatlichen Vorgehens gegen Doping stark gemacht. "Es haben sich einige Institutionen und Verbände gemeldet und gesagt, dass sie uns unterstützen werden. Das freut mich", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop.

Auch die Sporthilfe befürwortet mehr Hilfe durch den Staat im Anti-Doping-Kampf. "Der deutsche Sport braucht in der Dopingbekämpfung die Unterstützung der Gesetzgebung", erklärte der Sporthilfe-Vorsitzende Michael Ilgner auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. "Dies sehen unsere Athleten so, das sieht auch die Sporthilfe so." Der Aufsichtsrat habe dies am Mittwoch einvernehmlich festgestellt.

"Der Sport muss gegenüber Gesellschaft, Politik und Wirtschaft beweisen, dass es ihm ernst ist, in der Dopingbekämpfung keine Nachlässigkeit zu zeigen und keinerlei Schlupflöcher offen zu lassen", sagte Ilgner. "Wir als Sporthilfe wissen aus den Gesprächen mit unseren Wirtschaftspartnern, dass die Bereitschaft zur Förderung des Sports untrennbar verknüpft ist mit sauber und fair erzielten Leistungen."

Die DOSB-Führung hat sich bisher stets gegen eine Strafverschärfung im Kampf gegen Doping ausgesprochen. Hauptargumente dabei sind, dass Sportgerichte schneller urteilen, das Sanktionsrecht mit jahrelangen Sperren härter ist und der Athlet bei einem positiven Test seine Unschuld beweisen muss. Im Strafrecht muss die Anklage die Schuld nachweisen.

"Das stimmt, ist aber nicht der entscheidende Punkt", sagte Rössner. Es gehe um die staatliche Aufklärung, um die Verhinderung von Vertuschung, um die Erfassung aller, die sich auf Doping einließen. "Wir Kriminologen wissen, dass Entdeckung, Aufdeckung und Verfolgungsdruck die entscheidenden Wirkpunkte für die Prävention sind. Es ist nicht die Sanktion."

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