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Ligapräsident Rauball kritisiert Politiker

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Rauball fürchtet um Autonomie: Politik erhöht Druck

06.12.2012, 10:43 Uhr | dpa

Ligapräsident Rauball kritisiert Politiker. Ligapräsident Reinhard Rauball.

Ligapräsident Reinhard Rauball. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Die Innenminister fordern von den Proficlubs ultimativ die Verabschiedung des umstrittenen Sicherheitskonzepts. Gelingt das der DFL bei der Mitgliederversammlung am 12. Dezember in Frankfurt/Main nicht, drohen Politiker mit mehr Polizei in den Stadien - auf Kosten der Vereine.

Ligapräsident Reinhard Rauball fürchtet bei einem Scheitern um die Autonomie der Deutschen Fußball Liga und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Diese Autonomie darf nicht aufgegeben werden, wir dürfen von der Politik nicht ferngesteuert werden", forderte der Präsident von Meister Borussia Dortmund in einem Interview der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Ungeachtet der jüngsten Fan-Proteste gegen schärfere Sicherheitsvorkehrungen in Fußballarenen halten die Innenminister an ihren Forderungen nach strikteren Kontrollen fest - und setzen die 36 Proficlubs noch mehr unter Druck. "Am 12. Dezember muss die Liga einmütig ein Sicherheitskonzept verabschieden und dann auch in allen Vereinen umsetzen", betonte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Donnerstag am Rande der Innenministerkonferenz in Rostock. Ansonsten seien die Länder gezwungen, zusätzlich Polizei einzusetzen, um die Sicherheit in den Stadien zu garantieren. "Und das werden wir dann auch in Rechnung stellen müssen", sagte Schünemann.

Auch Nordrhein-Westfalens Ressortchef Ralf Jäger (SPD) mahnte: "Die DFL-Mitgliederversammlung am 12. Dezember ist gut beraten, ihr Konzept zu beschließen." Dieses weise zwar noch Lücken auf, gehe aber in die richtige Richtung. "Unser Ziel ist es doch, diese Fan-Kultur, diese tollen Erlebnisse an den Samstagnachmittagen zu bewahren. Und deshalb haben wir das gemeinsame Interesse, die 0,5 Prozent Gewalttäter aus den Stadien herauszubekommen", erklärte Jäger. Zögerten die Vereine aber weiter, müssten die Innenminister handeln.

"Zu einer Verschiebung darf es nicht kommen", warnte Rauball, der 65-jährige Jurist kritisierte aber auch: "Dass auch Politiker unter Druck stehen, ist klar. Deshalb haben einige nichts ausgelassen. Sie stehen unter Rechtfertigungsbedarf, was die Polizeieinsätze angeht - und das alles wird argumentativ auf die Veranstalter von Fußballspielen abgewälzt." Die DFL und der DFB seien als Verbände in ihrer Autonomie grundsätzlich geschützt.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz und Schweriner Ressortchef, Lorenz Caffier (CDU), machte deutlich, dass die Minister keine Abstriche an ihren Forderungen machten und wies Rauballs Vorwürfe zurück, die Politik mische sich zu stark ein. "Das ist schon ein Stück aus dem Tollhaus", sagte Caffier. "Wenn die Vereine und die Liga in der Lage wären, die Sicherheit zu gewährleisten, müssten wir nicht über Polizeieinsätze nachdenken."

Die Innenminister fordern von den Dachverbänden, dass sie sich im Kampf gegen die Gewalt finanziell mehr engagieren und pro Jahr zehn Millionen Euro für die Prävention bezahlen. "Wir haben signalisiert, dass wir in diese Richtung - von derzeit drei Millionen für Fan-Projekte kommend - gesprächsbereit sind", sagte Rauball. Der Ligapräsident will der Politik nicht in jeder Hinsicht folgen, der Fußball müsse seine Hausaufgaben selbst machen. "Aber es gibt keinen Königsweg, der uns garantiert, dass wir zur neuen Saison eine Beruhigung bei allen Spielen haben."

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat eine "überbordende Reglementierung" für Fußballfans abgelehnt. Dies treffe vor allem die überwiegende Mehrheit friedlicher Besucher, sagte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut in einer Pressemitteilung. Fan-Organisationen befürchten, dass künftig vermehrt Ganzkörperkontrollen durchgeführt werden. "Wer ernsthaft erwägt, über durchgängige Leibesvisitationen und Nacktkontrollen von Fans die Sicherheit im Stadion zu erhöhen, schießt nicht nur deutlich am Tor vorbei, sondern verlässt gänzlich den Boden der Verhältnismäßigkeit", warnte Witthaut.

DFB und DFL haben immer wieder deutlich gemacht, dass sie Pyrotechnik konsequent ablehnen und "keinen Millimeter" (Rauball) davon abweichen. "Weil dieses Umdenken bisher nicht durchgängig eingetreten ist, ist die Verschärfung von Kontrollen notwendig, dazu modernste Videotechnik und Schulung der Sicherheitsdienste", erklärte der Ligapräsident.

Am Wochenende geht die Schweigeaktion von Fan-Organisationen gegen das umstrittene Konzept weiter: Zum dritten Mal soll es nach dem Anpfiff in den Stadien zwölf Minuten und zwölf Sekunden - in Anlehnung an den 12.12. - still sein. Zudem sind in sieben Städten Demonstrationen geplant.

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