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Ganz Holland gedenkt des getöteten Schiedsrichters

09.12.2012, 21:21 Uhr | dpa

. Angehörige des toten Schiedsrichters Richard Nieuwenhuize beim Gedenkmarsch im holländischen Almere. (Quelle: dpa)

Angehörige des toten Schiedsrichters Richard Nieuwenhuize beim Gedenkmarsch im holländischen Almere. (Quelle: dpa)

Als auf den großen Videoschirmen das Foto des getöteten Linienrichters Richard Nieuwenhuizen erscheint, wird es still in der Amsterdam Arena. 50.000 Fans schweigen auf den Tribünen 60 Sekunden. Die 22 Spieler von Ajax und des FC Groningen sowie die Schiedsrichter tragen Trauerflor. Auf der Tribüne umarmt sich der Vorstand des SC Buitenboys, Nieuwenhuizens Heimatklub.

Der gesamte niederländische Fußball stand am Wochenende im Zeichen des Todes des 41 Jahre alten Nieuwenhuizen. Alle Profispiele begannen mit einer Schweigeminute, Spieler und Schiedsrichter trugen Trauerflor. Nieuwenhuizen war vor einer Woche in Almere bei Amsterdam misshandelt worden und erlag am Montag seinen Verletzungen.

Das ganze Land zeigt Anteilnahme

Mit Fackeln und Rosen zogen rund 12.000 Niederländer schweigend durch Almere. "Ohne Respekt kein Fußball" stand auf Transparenten. "Lieber Papa, wir vermissen dich", sagte sein Sohn Alain mit Tränen in einer kurzen Ansprache: "Sinnlose Gewalt hat in den Niederlanden nie das letzte Wort."

Von einem schwarzen Kapitel sprach der Vorsitzende des niederländischen Fußballbundes KNVB, Michael van Praag. "Dies darf nie wieder geschehen." Viele Familien mit Kindern, Vertreter der Regierung und die Bürgermeister von Amsterdam und Almere nahmen an dem Schweigemarsch teil. Auch in den Stadien im ganzen Land hatten Fans mit Transparenten ihre Anteilnahme bezeugt. Schiedsrichter bekamen Blumen.

Rückkehr zu normalen Umgangsformen gefordert

Respekt müsse länger dauern als eine Minute, mahnte Ajax-Trainer Frank de Boer stellvertretend für viele im niederländischen Fernsehen. "Jeder kapiert nun, dass Respekt dringend nötig ist. Wir müssen dafür sorgen, dass das nach einer Woche nicht langsam wegsackt."

Der Aufruf zu Respekt müsse auch auf dem Feld gelten, sagten Profis. "Man hat immer irgendwelche Kommentare über Entscheidungen der Schiedsrichter", sagte Ajax-Kapitän Siem de Jong. "Aber wir wollen das so wenig wie möglich tun." Robert Maaskant vom FC Groningen betonte: "Wir alle, auch Begleiter und Eltern, müssen zurück zu normalen Umgangsformen."

Kritik wegen der nicht abgesagten Profispiele

Der KNVB hatte alle rund 33.000 Amateurspiele abgesagt und die Klubs zu Aktionen gegen Gewalt und Aggression aufgerufen. Die Vereine hatten ihre Klubhäuser für Gespräche und Gedenkfeiern geöffnet.

Es gab aber auch Kritik am KNVB. Auch die Profispiele hätten abgesagt werden müssen, sagte der Coach von Feyenoord Rotterdam, Ronald Koeman, und Trainer Dick Advocaat vom PSV Eindhoven. Der KNVB wies das zurück. "Dies ist ein viel stärkeres Signal, als wenn wir alle mit einer Tüte Chips einen Film gucken", sagte KNVB-Direktor Bert van Oostveen im Fernsehen.

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