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Diese Familie stellt eine komplette Tischtennis-Mannschaft

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Familientreffen an der Platte

19.12.2012, 17:09 Uhr | t-online.de

Diese Familie stellt eine komplette Tischtennis-Mannschaft. Tischtennis-Begeisterung über Generationen: Björn, Stefan, Monika und Jürgen Labitzke (v. li.). (Quelle: Lurie)

Tischtennis-Begeisterung über Generationen: Björn, Stefan, Monika und Jürgen Labitzke (v. li.). (Quelle: Lurie)

Von Martin Lurie

Jürgen Labitzke beugt die Knie, um sie kurz darauf ruckartig zu strecken. Die Hüfte dreht sich rasant, Ober- und Unterarm schnellen nach vorne. Labitzke ist 71 Jahre alt, aber dem Vorhand-Topspin, den er gerade über die Platte feuert, kann der dreißig Jahre jüngere Gegner nur hinterher schauen. Dass es am Ende dann doch nicht reicht… geschenkt. Labitzke weiß ja, dass auf seine Liebsten Verlass ist. Auf seine Frau Monika und seine Söhne Björn und Stefan nämlich. Die komplette Familie Labitzke bildet die vierte Mannschaft des Spandauer Tischtennis-Clubs in Berlin - und das überaus erfolgreich. Nicht nur an diesem Tag, an dem das Familien-Quartett den VfB Hermsdorf II mit 8:1 nach Hause schickt.

Eine Familie, ein Team – eine äußerst seltene Konstellation im Sport. Im Tischtennis sogar einmalig? Marita Bugenhagen, Breitensportreferentin des Deutschen Tischtennnis-Bundes (DTTB), kann sich an solch eine Zusammensetzung jedenfalls nicht erinnern. Von einem Frauen-Team, das Mutter, Töchter und eine Nichte formiert hätten, habe sie schon einmal etwas gehört. "Aber eine Mannschaft wie die Labitzkes? Da fällt mir kein ähnlicher Fall ein", sagt Bugenhagen.

Auch der Nachwuchs ist schon dabei

Dabei hat bei den Labitzkes nur zusammengefunden, was zusammengehört. Denn das Wichtigste haben sie alle gemeinsam: die Leidenschaft fürs Tischtennis. Ein Spieltag mit der Familie würde den idealen Werbefilm für den organisierten Sport abgeben. Während Papa, Mama und die beiden Söhne sich gegenseitig unterstützen und Tipps geben, tollt Stefans zweieinhalb Jahre alter Sohn Felix zufrieden in der Halle herum. Der Sonntag ist der große Familientag, und die Spiele bilden den Rahmen dafür. "Es ist schön, dass jetzt alle regelmäßig zusammenkommen", sagt Björn.

Doch war es nicht ausschließlich der ausgeprägte Familiensinn, der sie beim Spandauer TTC zusammengeführt hat. Tischtennis ist im Breitensport nicht mehr das, was es einmal war. Seit Anfang der 1990er Jahre sind die Mitgliederzahlen im DTTB stark rückläufig. Laut Bestandserhebung des Deutschen Olympischen Sportbundes gehört das Spiel mit dem kleinen Ball in der Kategorie Mitgliederstärke seit 2011 erstmals nicht mehr zu den ersten zehn Sportarten in Deutschland. Auch die Mannschaft von Monika Labitzke in der Frauen-Verbandsliga hatte sich wegen Personalmangels aufgelöst. Bei Stefans vorherigem Verein fand das Team ebenfalls nicht mehr regelmäßig zusammen. Daher reifte die Idee, die Leidenschaft mit einer regelmäßigen Familienzusammenkunft zu verbinden.

Top-Wert in der Liga

In neun Spielen haben sich die Labitzkes nur zwei Mal geschlagen geben müssen. Derzeit sind sie Zweiter in der Herren-Kreisklasse, Relegationsplatz. Der 34 Jahre alte Stefan, der vergangene Saison noch drei Ligen höher eine starke Bilanz aufzuweisen hatte, steht bei 21:2-Spielen - Top-Wert in der Liga. Dahinter folgt sein fünf Jahre älterer Bruder mit 19:1.

Doch einen möglichen Aufstieg verhindern die Statuten. Eine Frau ist in der nächst höheren Herren-Kreisliga nicht erlaubt. „Manche Sachen versteht man einfach nicht. Das ist wie mit der Mehrwertsteuer. Für Hundefutter ist sie viel niedriger als für Babynahrung“, kommt Jürgen Labitzke ein wenig ins Plaudern und tätschelt Enkelkind Felix. Währenddessen beobachtet er, wie seine Frau kurzen Prozess macht mit dem Gegner, gegen den er noch knapp verloren hatte. Mit 3:0-Sätzen fegt die 65-Jährige den Kontrahenten von der Platte. Jürgen freut sich über die immer noch bemerkenswert ausgeprägten Reflexe seiner Frau. Nur mit sich selbst ist er nicht zufrieden: „Meine Frau hat in der Liga eine fast ausgeglichene Bilanz. Aber bei mir will es derzeit nicht laufen.“

Wie die Eltern so die Söhne

Es passt ins Bild, dass die Familiengeschichte der Labitzkes unmittelbar auf ihrem liebsten Hobby gründet: Monika und Jürgen lernten sich - keine Überraschung - beim Tischtennis kennen. Ihre Passion gaben sie an ihre Kinder weiter. „Wir sind quasi in die Halle mitgeschleift worden. Und irgendwann wächst man da dann rein und begeistert sich selbst dafür“, erzählt Björn.

Das Spiel ist inzwischen zu Ende. Jedenfalls offiziell. Jetzt stellt sein Bruder Stefan eine Turnbank hinter die Tischtennisplatte. Er stellt seinen kleinen Sohn drauf und drückt ihm einen Schläger in die Hand. Um Tischtennis-Nachwuchs muss man sich im Hause Labitzke wohl keine Sorgen machen.

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