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Generaldirektor Howman: WADA bleibt bei Fuentes hart

13.02.2013, 14:05 Uhr | dpa

Generaldirektor Howman: WADA bleibt bei Fuentes hart. David Howman will mit der WADA nicht nachlassen.

David Howman will mit der WADA nicht nachlassen. (Quelle: dpa)

London (dpa) - Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA lässt bei der Aufklärung des Dopingskandals Fuentes nicht locker. Generaldirektor Howman will nach den Anstrengungen der vergangenen Jahre nicht "die Chance verwerfen, die Wahrheit zu erfahren", sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Dass im Fuentes-Verfahren die Spur auch zum Fußball führt, überrascht ihn nicht. Der Prozess gegen den Fuentes läuft gegenwärtig in Madrid. Die WADA ist Nebenklägerin und fordert die Herausgabe der mehr als 200 Blutbeutel von Sportlern, die bei ihm Kunden gewesen waren. Haben Sie noch Hoffnung, dass sie die Beutel bekommen?

"Wir haben nicht soviel Energie in den vergangenen sechs Jahren in diese Sache gesteckt, um jetzt die Chance zu verwerfen, die Wahrheit zu erfahren. Die Richterin will am Ende des Prozesses entscheiden. Dann werden wir sehen, ob wir die Beutel bekommen oder nicht. Der Sport hat ein Recht zu erfahren, wem diese Blutbeutel gehören und wer Teil dieses Dopings gewesen ist."

Und was ist mit den Daten, die Fuentes auf seinem Computer über seine Kunden gespeichert hat. Hat die WADA noch eine Chance, sie zu bekommen?

"Alles, was wir an Informationen bekommen, kann hoffnungsvoll für den Sport sein. 2006 ist alles öffentlich geworden, und 2013 wissen wir nicht viel mehr. Das ist enttäuschend. Die Welt will wissen, was für Informationen bei der Untersuchung gesammelt wurden."

Im Zuge des Fuentes-Prozesses sind Hinweise aufgetaucht, dass auch italienische und spanische Fußballclubs die Dienste von Fuentes in Anspruch genommen haben sollen. Wie denken Sie darüber?

"Wenn es Beweise geben sollte, werden wir überlegen, was zu tun ist, und Untersuchungen einleiten. Es überrascht mich aber nicht, dass der Fußball auch davon betroffen ist."

Unternimmt der Fußball genug im Kampf gegen Doping?

"Was wir sagen wollen, ist, dass der Fußball signifikant mehr Tests braucht, mehr Kontrollen auf das Blutdopingmittel EPO, und mehr Athletenprofile anlegen müsste."

Lässt die FIFA mit sich über solche Probleme reden?

"Ja, wir haben darüber mit der FIFA gesprochen, und es wurde auch etwas verbessert."

Das Gerangel um das Budget der NADA ist in Deutschland ein Trauerspiel. Wie sehen Sie es aus WADA-Sicht?

"Ich finde es bedauerlich für die NADA, dass sie keine abgesicherte Zukunft hat und dass sie keinen gesicherten Betrag an Geld hat, mit dem sie planen kann. Die NADA bekommt das Geld vom Staat, vom Sport und aus privaten Quellen. Das ist nicht das normale Modell. In den meisten Ländern werden die nationalen Agenturen voll vom Staat finanziert. Eine andere wichtige Sache ist, dass die NADA selbst keine Ermittlungen durchführen kann und keine Möglichkeit hat, Informationen von der Polizei zu bekommen. Ich sprach mit der NADA-Chefin Andrea Gotzmann darüber. Sie bleibt bei vielem, was in ihrem Land passiert, im Dunkeln. Und das ist nicht ihr Fehler. Das kann in Deutschland leicht verändert werden, um einen freien Fluss der Informationen zu garantieren."

Der spanische Tennisprofi Rafael Nadal fordert, dass die Dopingkontrollen eines Athleten unmittelbar veröffentlicht werden, um mehr Transparenz zu schaffen. Ist das ein guter Vorschlag?

"Nadal und andere Topspieler sagen nun, dass sie ein strengeres Anti-Doping-Programm wollen. Das ist fantastisch. Vor ein paar Jahren waren sie noch sehr kritisch gegenüber dem Kampf gegen Doping. Es ist großartig, dass sie sich nun verantwortlich fühlen, und dass Topspieler Verbesserungsvorschläge machen."

Der Tennis-Weltverband investiert pro Jahr 2,5 Millionen Dollar in ein Anti-Doping-Programm. Für eine Sportart, in der viel Geld umgesetzt wird, recht wenig - oder?

"Es ist immer eine Frage, was ist genug? Man muss realistisch sein und sehen, was es für Ressourcen gibt und wie man Geld sinnvoll ausgibt. Am Ende kommt es aber nicht auf die Zahl der Kontrollen an, sondern auf die Qualität der Tests. Es geht darum, das Geld sinnvoll zu benutzen."

Ist die Aufklärung des Falls Lance Armstrong auch ein gutes Zeichen für die Zukunft?

"Man muss da vorsichtig sein. Die meisten Informationen über Lance Armstrong stammen aus der Vergangenheit, manche aus der fernen Vergangenheit. Jungen Athleten kann das auch sagen, das Risiko zu betrügen, ist nicht so groß, und es liegt an dir, ob du gefangen wirst und dich als Betrüger fühlst."

Haben Sie ein Zeichen bekommen, dass Armstrong bereit wäre, auch vor der WADA auszusagen?

"Viele haben meine Telefonnummer. Er kann mich jederzeit anrufen. Bisher habe ich kein Zeichen von ihm bekommen. Sein Anwalt ist in Kontakt mit der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, und sie hofft, ihn in zwei Wochen zu sehen."

Was müsste Lance Armstrong machen, damit seine lebenslange Strafe auf eine vielleicht achtjährige Sperre reduziert werden könnte?

"Dafür hätte er eine ganze Menge zu tun. Ich denke nicht, dass er die ganze Geschichte erzählt hat. Er wird genau wissen, was es für straf- und zivilrechtliche Maßnahmen in seinem Land gibt - und seine Anwälte werden alles versuchen, ihn zu schützen, um zu vermeiden, dass er ins Gefängnis gehen muss oder ihm der Bankrott droht."

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