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Olympia-Aus entsetzt Ringer-Hochburg Schifferstadt

13.02.2013, 16:39 Uhr | dpa

Olympia-Aus entsetzt Ringer-Hochburg Schifferstadt. Auch Ringer Alexander Leipold (oben) war in Schifferstadt aktiv.

Auch Ringer Alexander Leipold (oben) war in Schifferstadt aktiv. (Quelle: dpa)

Schifferstadt (dpa) - Wut auf die "alten Männer des IOC", aber auch ein selbstkritischer Blick auf die Schwächen der eigenen Sportart: So fielen in der Ringer-Hochburg Schifferstadt die Reaktionen auf das drohende Olympia-Aus der alten Traditionssportart aus.

"Fast jedes Jahr gibt es neue Regeln, dass sogar ich als Insider nicht mehr durchblicke. Ich gehe deshalb schon lange nicht mehr zum Ringen", räumte Heinz Kiehl am Mittwoch ein. Der Olympia-Dritte von 1964 warf dem Internationalen Olympischen Komitee aber auch die völlige Kommerzialisierung seiner Spiele vor. "Es geht nur noch ums Geld und um die TV-Einschaltquote", meinte er.

Gerade das Bundesland Rheinland-Pfalz hat über Jahrzehnte Ringer-Größen wie den "Kran von Schifferstadt", Wilfried Dietrich, den 18-fachen deutschen Meister Paul Neff, den WM-Zweiten Werner Schröter oder den WM-Dritten Fred Theobald hervorgebracht. In Schifferstadt, wo der Verein VfK zehnmal die deutsche Mannschafts- Meisterschaft gewann, steht zudem das erste deutsche Ringermuseum.

Bürgermeisterin Ilona Volk gab sich am Tag nach der Entscheidung der IOC-Exekutive kämpferisch. Sie habe bereits einen "Brandbrief" an Thomas Bach, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) geschrieben, in dem sie dazu auffordert, das Olympia-Aus für die Ringer noch einmal zu überdenken. "Diese Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht der Sportler und ihrer Unterstützer", meinte die Grünen-Politikerin. "Ich kann das einfach nicht nachvollziehen."

Ringen hat in Schifferstadt auch eine politische und wirtschaftliche Dimension. Erst im Dezember wurde der Olympiastützpunkt für rund 1,5 Millionen Euro erweitert und modernisiert. "Wenn die Bundeswehr jetzt wegen der IOC-Entscheidung ihre Ringer-Sportkompanie in Bruchsal auflösen sollte, kann man den Stützpunkt zumachen", sagte der pfälzische Verbandschef Ludwig Schacker. Der VfK-Vorsitzende Claus Litz forderte: "Jetzt sind unsere Politiker am Zug - sie müssen auf die Sportfunktionäre Druck machen."

Die meisten Schifferstädter Altmeister sind einfach nur entsetzt und entrüstet. "Ich bin schockiert. Ich hätte nie geglaubt, dass Ringen einmal zur Debatte steht", sagte der Olympia-Zweite von 1984, Markus Scherer, der heute als Landestrainer am Olympiastützpunkt tätig ist. "Olympia ohne Ringen ist für mich eine Horrorvision. Wenn Olympia 2020 in der Türkei stattfinden sollte - und das dann ohne Ringen: Das wäre wie Gulasch ohne Fleisch."

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