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Deutsche Sporthilfe: Reaktionen auf die Spitzensport-Studie

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Unterschiedliche Reaktionen auf Sporthilfe-Studie

22.02.2013, 10:03 Uhr | dpa

Deutsche Sporthilfe: Reaktionen auf die Spitzensport-Studie. Laut Helmut Digel muss der Terminkalender der Spitzensportler auf dem Prüfstand.

Laut Helmut Digel muss der Terminkalender der Spitzensportler auf dem Prüfstand. (Quelle: dpa)

 

Frankfurt/Main (dpa) - Der Sportsoziologe Helmut Digel hat als Reaktion auf die alarmierende Spitzensport-Studie der Deutschen Sporthilfe eine deutliche Reduzierung der Wettkampf-Termine gefordert.

"Als allererstes gehört der Wettkampfkalender auf den Prüfstand. Da darf es keine Steigerungen mehr geben", sagte der langjährige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes der Nachrichtenagentur dpa. "Der Totalisierungsprozess im Hochleistungssport beschleunigt sich immer mehr. Es gibt immer höhere Trainingsbelastungen. Immer höhere Wettkampfrisiken. Und parallel dazu eine immer geringere Absicherung der Karriere", meinte Digel.

Die Deutsche Sporthilfe hatte nach der anonymen Befragung von 1154 Spitzenathleten eine Studie veröffentlicht, bei der zahlreiche Sportler psychische Erkrankungen wie Depressionen (9,3%), Burn-out (11,4%) oder Essstörungen (9,6%) angaben und 57,7 Prozent von Existenzängsten sprachen. "Diese Studie ist ja nur ein weiterer Befund, der lange bekannte Ergebnisse bestätigt. Alle Analysen in dieser Richtung sprechen die gleiche Sprache", sagte Digel.

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, hat die Studie begrüßt. "Ich bin der Sporthilfe sehr dankbar, dass das Thema aufgegriffen wurde. Eine solche Studie war überfällig und die Ergebnisse zeigen, dass sich der deutsche Sport brennenden Themen zu stellen hat", sagte die SPD-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa.

Die Zahl jener Sportler (8,7 Prozent), die einräumten, Absprachen über den Wettkampfausgang beteiligt zu sein, gibt laut Freitag "Anlass zur Sorge", zumal auch die Anzahl derer, die die Frage nicht beantwortetet haben, erheblich sei. "Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren, es könnte aber bedeuten, dass sich nur wenige wirklich offenbart haben und die Studie nur die Spitze des Eisberges erfasst hat. Das zeigt einmal mehr: Die Integrität des Sports ist gefährdet - durch Doping, Match-Fixing und andere unschöne Begleiterscheinungen."

Wichtig sei, dass die DSH nicht nur Probleme aufzeigte, sondern auch bereits entsprechende Rückschlüsse für ihr Fördersystem gezogen hat. "Die starre Fixierung auf Medaillen, die im DOSB die dominierende Rolle spielt, ist bei der Sporthilfe so nicht mehr zu erkennen." Es stelle sich die Frage, ob sich auch Universitäten oder Arbeitgeber angesprochen fühlen. "Entscheidend ist, wie weit die Strahlkraft der Studie in die Gesellschaft reicht."

Der frühere deutsche Top-Stabhochspringer Günther Lohre rät dazu, die erschreckenden Ergebnisse der Studie mit Vorsicht zu genießen. "Ehrlich gesagt denke ich nicht, dass die Zahlen so hoch sind. Es gibt bei solchen Umfragen verschiedene Fehlerquellen", sagte der 59 Jahre alte Direktor Leistungssport des Landessportverbandes Baden-Württemberg (LSV) der Nachrichtenagentur dpa.

Bei dem Ergebnis der Erhebung, dass viele der befragten Spitzensportler unter psychischen Erkrankungen leiden, stelle sich die Frage, ob sich das vom Durchschnitt der Bevölkerung unterscheide. "Liegen die Ursachen also wirklich im Sport?", fragte der vielfache, frühere deutsche Stabhochsprung-Meister. "Alarmierend, falls die Zahl so stimmt", findet der Olympia-Neunte von Montreal 1976, dass 5,9 Prozent der Athleten laut der Studie regelmäßig Dopingmittel nehmen.

Man müsse sich aber keine Sorgen um den Spitzensport machen. "Wir müssen uns Sorgen um uns selbst machen. Wir sind ja alle daran beteiligt", erklärte Lohre mit Blick auf die 8,7 Prozent der Befragten, die angaben, schon einmal an Absprachen zum Spiel- oder Wettkampfausgang beteiligt gewesen zu sein. "Wenn Sport zur Unterhaltung wird, kommt viel Geld ins Spiel. Es gehe bei Manipulation nicht um Erfolgsdruck, sondern um "Gier".

Für den Präsidenten des Deutschen Basketball Bundes, Ingo Weiss, sind die Ergebnisse der Sporthilfe-Studie ein "Spiegelbild der Gesellschaft". Dennoch sei es wichtig, die Untersuchung sehr ernst zu nehmen. "Die Zahlen bedeuten für uns, dass wir für unsere Athleten noch mehr tun und sie absichern müssen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend.

Das Bemühen, vor allem jungen Sportlern eine duale Karriere zu ermöglichen, müsse noch weiter gesteigert werden. "Ich kann nicht erwarten, dass ein 18-Jähriger, der gut Basketball spielt, auf jeden Fall ein neuer Dirk Nowitzki wird", sagte Weiss, "bei diesen Jungs müssen wir dafür sorgen, dass sie auch nach der Karriere noch etwas haben."

Die Tatsache, dass 8,7 Prozent der Athleten angaben, schon einmal an Spiel- oder Wettkampfmanipulationen beteiligt waren, bezeichnete Weiss als "viel". "Dass sind spannende Hinweise, denen wir nachgehen müssen", sagte das Mitglied des DOSB-Präsidiums. "Deshalb ist es wichtig, dass es Anschlussstudien gibt", forderte Weiss.

 
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