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Niersbach ein Jahr DFB-Chef: Kein Staatsmann

01.03.2013, 10:17 Uhr | dpa

Niersbach ein Jahr DFB-Chef: Kein Staatsmann. Wolfgang Niersbach führt den Deutschen Fußball-Bund seit einem Jahr als Präsident.

Wolfgang Niersbach führt den Deutschen Fußball-Bund seit einem Jahr als Präsident. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Manchmal wundert sich Wolfgang Niersbach über sich selbst. Auch nach einem Jahr als DFB-Präsident fragt sich der leidenschaftliche Fußball-Fan, wie das alles so kommen konnte - diese Karriere vom Sport-Journalisten zum Spitzen-Funktionär.

Für viele wirkt der Aufstieg des Rheinländers wie am Reißbrett geplant. Als Machtmensch fühlt sich Niersbach aber gar nicht. "Ich bin nicht ein Staatsmann, nur weil ich die Position habe. Ich halte mich für normal", sagte der 62-Jährige vor seinem ersten Amtsjubiläum am Samstag.

Einstimmig wählten die Delegierten des DFB-Bundestages am 2. März 2012 Niersbach in Frankfurt zum elften Präsidenten. Das war nicht selbstverständlich. Galt der bisherige Generalsekretär und ehemalige Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes doch als Mann des Profisports. "Als die Amateurverbände klar gesagt haben, sie wollen mich, da habe ich gesagt, ich mache es", berichtet Niersbach von seiner Entscheidung, um die Nachfolge von Theo Zwanziger zu kandidieren.

"Ich stehe für den Fußball" hat Niersbach zu seinem Slogan gemacht. Die Abgrenzung zu seinem Vorgänger - der den DFB immer wieder in einen karitativen Fokus stellte und sein Engagement den Randgruppen des Fußball-Business widmete - funktionierte gut. Die Balance zwischen FC Bayern und FC Pusemuckl hat Niersbach gefunden. "Der Sport muss Kerngeschäft bleiben, ohne das andere zu ignorieren", sagte er über den Balanceakt zwischen großem Spiel und sozialen DFB-Aktivitäten. Den DFB versteht er in erster Linie als "Dienstleister" für Spieler, Mitglieder und Vereine.

Heute kann Niersbach auch ohne schlechtes Gewissen sagen, dass er in seinem ersten Amtsjahr nur fünf Frauen-Spiele besucht hat - Zwanziger schaffte diese Quote locker in einem Monat. Das einst gute Verhältnis der beiden ist seit Zwanzigers in Buchform geäußerter Vorwürfe ohnehin erkaltet. "Ich möchte nicht groß darauf eingehen. Es ist enttäuschend, schade", sagte der neue DFB-Chef.

Niersbach setzt andere Schwerpunkte. Kritiker werfen ihm vor, zu wenig zu gestalten, sondern nur ein reagierender Präsident zu sein. "Ich bin kein Revoluzzer", beschreibt er sein Konflikt-Management. An schwierigen Themen hat es nicht gemangelt von der Problematik um Fans und Pyrotechnik bis zur spontanen Sportdirektoren-Suche nach dem Abschied von Matthias Sammer zum FC Bayern. "Das kam ohne Vorwarnung. Aber wir standen im Wort", sagte Niersbach.

Oft liefen die Konfliktlinien auch auf politischer Ebene. Vor der EM musste die Situation der im deutschen Spielort Charkow inhaftierten ukrainischen Politikerin Julia Timoschenko beachtet werden. Der Besuch einer DFB-Delegation in Auschwitz wurde kurz vor dem Turnierstart in Polen sehr sensibel absolviert.

Niersbach versteht es eben doch, sich auf politischem Parkett zu bewegen. "Ich habe viel gelernt durch die WM 2006 - gerade im internationalen Bereich." Als Reise-General des "Kaisers" jettete er mit Franz Beckenbauer um die Welt - lernte das offizielle Protokoll und den letztlich "lockeren Umgang" mit Regierungschefs wie Tony Blair kennen. Kürzlich beim Länderspiel in Frankreich staunte er über den entspannten Plausch mit Staatschef Francois Hollande, mit dem er den Treppenaufgang im Stade de France hochmarschierte, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Aufzug entschwunden war.

Der französischen Sprache mächtig, parliert er auch gerne mit UEFA-Chef Michel Platini - einem Freund. Am 24. Mai will Niersbach als Nachfolger Zwanzigers in die UEFA-Exekutive einziehen. Angesichts perfekter Vernetzung des früheren Spin-Doctors Niersbach sind die Wahlaussichten erstklassig. "Sehr gut informiert zu sein, ist wahnsinnig wichtig", sagte Niersbach, der seine Karriere im Sport vor 40 Jahren als Agenturjournalist startete. Etwas überraschend kündigte Niersbach an, 2015 nicht für Zwanzigers dann vakanten Sitz in der FIFA-Exekutive kandidieren zu wollen. Jüngere müssten dann ran, forderte Niersbach, ohne Namen zu nennen.

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