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Madrids schwierige Olympiabewerbung

04.03.2013, 11:30 Uhr | dpa

Madrids schwierige Olympiabewerbung. Madrids OK-Präsident Alejandro Blanco und Bürgermeiterin Anna Botella trotzen der Krise.

Madrids OK-Präsident Alejandro Blanco und Bürgermeiterin Anna Botella trotzen der Krise. (Quelle: dpa)

Madrid (dpa) - Madrids Olympia-Planer wünschen sich nur ein bisschen Ruhe. Die Wirtschaftskrise und Negativschlagzeilen in Spanien sind schlechte Werbung für die Olympiakandidatur der Hauptstadt um die Sommerspiele 2020.

Ausgerechnet vom 18. - 22. März, wenn die Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) anrückt, will jetzt auch noch das Boden- und Kabinenpersonal der Fluglinie Iberia streiken. So schwierig hatten sich die Iberer ihr Großprojekt Olympia 2020 nicht vorgestellt. Am 7. September entscheiden die IOC-Mitglieder in Buenos Aires, ob Madrid, Istanbul oder Tokio das Ringe-Spektakel in sieben Jahren ausrichten wird.

"Als Organisatoren und als Bürger sind wir sehr besorgt, wir sind derzeit in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation", hatte Madrids Bewerbungschef Alejandro Blanco vor Monaten zugegeben. Eines war allen Beteiligten klar: Sollte Spanien um EU-Rettungsgelder bitten müssen, wäre die Bewerbung Madrids gestorben. Es gilt als undenkbar, dass das IOC Spiele an ein Land vergibt, das die eigene Wirtschaft nicht im Griff hat.

Der drohende Finanzkollaps ist vorerst abgewendet, aber die Wirtschaftsaussichten bleiben düster: Die Arbeitslosigkeit liegt über 26 Prozent, bei Jugendlichen sind sogar 55 Prozent ohne Job. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte in den vergangenen sechs Quartalen, im Jahr 2012 ging die Wirtschaftsleistung um 1,42 Prozent zurück. Das Jahr endete mit einem Budgetdefizit von 6,74 Prozent. Und es gibt kaum Anzeichen, dass sich die Lage bessert. Vor diesem Hintergrund verblassen die Erinnerungen an die erfolgreichen Spiele in Barcelona 1992 zusehends.

Madrid 2020 behauptet, die spanische Dauerkrise sei für die Olympia-Bewerbung heute weniger gefährlich als noch vor einem Jahr. Dies sei zum Teil darauf zurückzuführen, dass die ständigen schlechten Nachrichten aus Spanien mittlerweile weniger Schockpotenzial haben. Die Zeitungsleser haben sich daran gewöhnt. Außerdem werde Mariano Rajoy, Spaniens vielkritisierter Regierungschef, Brüssel nicht um einen Bail-out bitten, erzählte Blanco. Dies habe ihm Rajoy versichert.

"Wichtige Wirtschaftspersönlichkeiten wie etwa der deutsche Bundesbankpräsident Jens Weidmann, sagten, dass die Entscheidung der Regierung, nicht um Rettung zu bitten, ein Erfolg war", gab sich Blanco vor wenigen Tagen optimistisch. Es gebe schon Anzeichen einer Verbesserung. Die Absperrgitter gegen Demonstranten vor dem Parlament in Madrid strafen diesen Optimismus Lügen. In den vergangenen 14 Monaten gab es zwei Generalstreiks, und ständig kommt es den stark von Kürzungen im Gesundheits- und Bildungsbereich betroffenen Städten zu Protesten.

Und dann ist da noch das Problem mit Iñaki Urdangarín. Gegen den Schwiegersohn von König Juan Carlos und ehemaligen Vizepräsidenten des Nationalen Olympischen Komitees Spaniens wird wegen Unterschlagung ermittelt. Außerdem soll der Ex-Handballspieler etwa 144 000 Euro für Beratertätigkeiten für die gescheiterte Olympiabewerbung 2016 berechnet haben. Die Optik ist mehr als schief.

Der Enthusiasmus der Bevölkerung hält sich ebenfalls in Grenzen. Die Kandidatur spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle. Viele Spanier haben derzeit andere Sorgen, als über ein Sport-Megaevent nachzudenken, dass vielleicht in sieben Jahren in ihrem Land stattfinden wird.

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