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Formel-1-Experte Marc Surer: Sebastian Vettel fehlen zwei Sekunden

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Surer: "Red Bull fehlen zwei Sekunden"

07.03.2013, 10:30 Uhr | t-online.de

Formel-1-Experte Marc Surer: Sebastian Vettel fehlen zwei Sekunden. Vettel im Red Bull bei den Testfahrten: Hat er schon alle Karten auf den Tisch gelegt? (Quelle: imago/HochZwei)

Vettel im Red Bull bei den Testfahrten: Hat er schon alle Karten auf den Tisch gelegt? (Quelle: HochZwei/imago)

Das Interview führte Björn Lücker

Bald dröhnen die Motoren wieder: Am 17. März startet die Formel 1 in Melbourne in die neue Saison. Sebastian Vettel peilt seinen vierten Titel in Serie an. Doch wie stehen die Chancen des Red-Bull-Piloten auf einen erneuten Triumph? Nach eher mäßigen Testfahrten sieht Sky-Experte Marc Surer noch Probleme beim Weltmeister-Team. "Red Bull fehlen zwei Sekunden", sagt der frühere Formel-1-Fahrer im Interview mit t-online.de.

Zudem glaubt Surer, dass sich in diesem Jahr Lotus-Pilot Kimi Räikkönen und nicht Fernando Alonso im Ferrari zu Vettels ärgsten Rivalen aufschwingt. "Über Kimi redet keiner. Dabei hat er schon im vergangenen Jahr überzeugt. Er ist mein Geheimfavorit."

Herr Surer: Sieben verschiedene Sieger in den ersten sieben Rennen, am Ende das packende Duell zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso. Können wir uns auf eine ähnlich spannende Saison freuen wie im vergangenen Jahr?
Marc Surer: Ich denke, es wird noch spannender. Pirelli hat wieder neue Reifen entwickelt, die den Rennverlauf noch unvorhersehbarer machen sollen. Dadurch wird es wieder einige Überraschungssieger geben. Vor allem aber ist das Feld extrem zusammengerückt, weil sich das Reglement nicht verändert hat. Mittlerweile weiß auch das kleinste Team, wie man ein vernünftiges Auto baut.

Vielleicht bluffen einige Teams auch noch und legen erst beim Saisonstart in Melbourne die Karten auf den Tisch.
Dafür sehen die Autos zu ähnlich aus. Ich denke, kein Team hat in diesem Jahr eine bahnbrechende Erfindung parat. Nur Sauber macht mit den schmalen Seitenkästen eine kleine Ausnahme.

Auch Vettels neuer Red Bull hat sich, außer in der Lackierung, kaum verändert. Obwohl Design-Guru Adrian Newey doch immer für einen genialen Trick gut ist.
Auch ihm sind die Hände gebunden. Wenn das Reglement eingegrenzt ist, bleibt nicht viel Spielraum, und er kann seine Ideen nicht mehr verwirklichen. Ein Beispiel ist der angeblasene Diffusor: Dadurch hatte Red Bull lange Zeit einen Vorteil. Dann kam das Verbot. Nun nutzen alle Teams - in eingeschränktem Maße - die Auspuffgase aerodynamisch.

Bei den abschließenden Testfahrten in Barcelona war Red Bull selten vorne zu finden. Muss man sich als Vettel-Fan Sorgen machen?
Am letzten Testtag sahen die Gesichter der Verantwortlichen sorgenvoll aus. Dem Team fehlen zwei Sekunden auf die Bestzeit von Mercedes - das ist eine Menge, auch wenn Vettel mit viel Sprit gefahren ist. Das Team scheint überrascht, wie schnell vor allem die Silberpfeile und Ferrari unterwegs sind.

Was ist das Problem?
Red Bull hat auf neue Teile gehofft. Diese haben die Techniker extra am letzten Testtag verbaut, damit die Konkurrenz sie nicht kopieren kann. Doch die Teile haben nicht funktioniert, das Auto ist nicht schneller geworden. Jetzt rauchen natürlich die Köpfe bei den Ingenieuren. Neue Lösungen müssen her.

Hauptkonkurrent Fernando Alonso hingegen fühlt sich offenbar pudelwohl im neuen Ferrari. Er glaubt fest daran, dass er Vettel in diesem Jahr schlagen kann.
Warum sollte er nicht optimistisch sein? Nach den Testfahrten im vergangenen Jahr war Ferrari weg vom Fenster, diesmal sind sie von Beginn an vorne mit dabei. Was aber auffällt: Das Auto ist auf einer Runde schnell. Das heißt, dass sie in der Qualifikation stark sein werden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie den Speed dann auch im Rennen konstant umsetzen können. Und genau das war ja Alonsos Stärke in der vergangenen Saison. So konnte er immer wieder nach vorne fahren.

Also wird Vettel doch wieder Weltmeister?
Ich denke schon - und Kimi Räikkönen ist mein Geheimfavorit. Ihn sehe ich auf Platz zwei. Über Kimi redet keiner, obwohl  er schon im letzten Jahr mit dem starken Lotus überzeugt hat. Erst dann kommt Alonso.

Marc Surer (Quelle: Thomas Melzer/imago) (Quelle: imago/Thomas Melzer)Marc Surer (Quelle: Thomas Melzer/imago)Entscheidend wird auch sein, wer mit den neuen Pirellis am besten zurechtkommt. Die Teams tappen weitgehend im Dunkeln, weil sie durch die kühlen Temperaturen bei den Tests in Barcelona die Pneus nur eingeschränkt testen konnten.
Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Zum Ende der vergangenen Saison hatten die Teams raus, wie sie mit den Reifen umgehen mussten. Meist wählten sie die härtere Mischung, dadurch gab es nur noch wenige Boxenstopps und Überholmanöver. Alles wurde ein bisschen langweilig. Genau das will Pirelli mit den neuen Reifen verhindern. Es soll wieder spannender werden. Die einzelnen Reifenmischungen von superweich bis hart liegen nun auch näher beieinander - etwa eine halbe Sekunde. Zudem haben die Gummis mehr Grip, sind dafür aber auch weicher und bauen schneller ab. Das alles sollte für mehr Boxenstopps sorgen.

Mercedes ist mit den neuen Reifen offenbar schon gut zurecht gekommen. Jedenfalls haben Lewis Hamilton und Nico Rosberg gleich zwei Bestzeiten in den Asphalt gebrannt. Ist der Knoten bei den Schwaben endlich geplatzt?
Das Team hat die Weichen mit dem neuen Management gestellt, um weiter zu kommen. Die stehen ja auch unter Druck. Mit Lewis ist nun ein Star-Fahrer in den Reihen, der das Auto - auch wenn es mal nicht so gut läuft - auf die Pole-Position setzen kann. Aber man darf nicht zu viel erwarten. Im McLaren wäre er in diesem Jahr ähnlich gut dran gewesen.

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, Hamilton sei nur mit Blick auf die Saison 2014 zu Mercedes gewechselt. Dann kommt ein neues Reglement und der V6-Motor. Hamilton weiß offenbar, dass der Silberpfeil zur Rakete werden könnte. Motorenbau war ja schon immer die Stärke von Mercedes.
Klar hat Mercedes hat die Saison 2014 im Visier. Schon jetzt hat das Team - bei dem ganzen Einheitsbrei - den besten Motor. Die Mannschaft glaubt fest daran, dass noch mehr drin ist. Der neue Motor wird durch die vielen Faktoren mit Turbolader, Hybrid usw. ganz andere Möglichkeiten bieten. Das beste Aggregat kann dann über Sieg und Niederlage entscheiden. Und Mercedes ist überzeugt, als Werksteam mit seinen Ingenieuren gegenüber der Konkurrenz 2014 im Vorteil zu sein.

Das alles ist noch Zukunftsmusik. Kommen wir zurück zur kommenden Saison und zu Nico Rosberg. Dieses Jahr kann für ihn von entscheidender Bedeutung sein, endlich aus dem Image des ewigen Talents herauszufahren.
Das ist schon ein bisschen tragisch mit Nico. Michael Schumacher hat er drei Jahre dominiert und sogar einen Sieg in China konnte er holen. Trotzdem stand immer nur Schumacher im Fokus - das ist hart. Nun ist es bei Lewis ähnlich. Aber Nico nimmt die Herausforderung an. Das zeigt seine Bestzeit in Barcelona, als er Hamilton am letzten Tag in den Schatten stellte. Nico treibt das Team genauso an und wird seinen Weg gehen.

Mit Nico Hülkenberg war auch ein anderer Deutscher in Barcelona schnell unterwegs. Kann er im Sauber zur Überraschung werden?
Schwer zu sagen. Die große Stärke des Saubers war in der vergangenen Saison, dass der Wagen mit den weichen Reifen besonders schonend umgegangen ist. Die Top-Ergebnisse kamen aber nur zustande, wenn alles perfekt gepasst hat. Läuft es dieses Jahr ähnlich, wird Nico das ein oder andere Mal vom Podium winken. Ansonsten dürfte ein Platz um Platz zehn realistisch sein. Auf ähnlichem Level sehe ich auch Adrian Sutil im Force India.

Von solchen Ergebnissen - geschweige denn von einem Podiumsplatz - können die kleinen Teams nur träumen. HRT ist schon weg, Marussia chronisch pleite. Wie steht es um die Hinterbänkler?
Für Marussia kommt es knüppeldick. Erst verlässt Timo Glock das Team, und dann ist auch noch Bezahlfahrer Luiz Razia weg, weil der Sponsor offenbar nicht mehr zahlen wollte. Fakt ist: Diese Saison werden die kleinen Rennställe noch überleben. Schwer wird es im nächsten Jahr, wenn die neuen, teuren Motoren kommen. Die Leasingraten werden doppelt so hoch sein. Da werden Einige sagen: Das können wir nicht mehr bezahlen.

Ist da nicht auch der Automobil-Weltverband FIA gefordert?
Die kleinen Teams müssten die Motoren billiger bekommen. Es kann nicht im Sinne der Formel 1 sein, wenn immer mehr Teams pleite gehen. Auch der immer wieder diskutierte Budgetdeckel müsste kommen. Aber nicht nur die FIA, auch die Teams und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sind gefordert. Warum können sich die Rennställe untereinander nicht mehr helfen? Ein anderer Verteilschlüssel der Gelder wäre eine Möglichkeit. Es muss für die kleinen Teams doch möglich sein, von den Start- und Preisgeldern zu leben.

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