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Ringen kämpft um Olympia-Status

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Ringen kämpft um Olympia-Status

14.03.2013, 15:46 Uhr | dpa

Berlin (dpa) - Sogar das typische Ringer-Trikot soll im olympischen Überlebenskampf ausgemustert werden. Mit einem Reformpaket, Regeländerungen und verstärktem Anti-Doping-Kampf machen sich die Mattenkämpfer für ihre Zukunft fit - und haben bei ihrer Comeback-Kampagne bereits wichtige Punktsiege errungen.

Kremlchef Wladimir Putin hielt noch einmal einmal ein flammendes Plädoyer für den jahrtausendealten Traditionssport, zuvor hatten schon die Nationalen Olympischen Komitees und die olympischen Sommersportverbände Unterstützung zugesagt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen", erklärte FILA-Interimspräsident Nenad Lalovic der Nachrichtenagentur dpa. "Wir hatten unseren Sport nicht modernisiert. Wir waren im Tiefschlaf und sind jetzt wieder aufgewacht."

Der Selbsterhaltungstrieb des Internationalen Ringer-Verbandes (FILA) ist bemerkenswert. Jahrelang hatte die FILA-Spitze die IOC-Forderungen nach einer überfälligen Modernisierung ignoriert - bedroht vom Olympia-Aus kann diese jetzt nicht schnell und revolutionär genug abgewickelt werden. Die Macht der Mattenrichter wird eingeschränkt, die Regeln gerade im griechisch-römischen Stil sollen transparenter und verständlicher gemacht werden. "Die Regeln müssen für jeden leicht verständlich sein. Ein Sport ohne verständliche Regeln hat keine Zukunft", räumte Lalovic ein, stellte aber klar, dass zumindest neue Regeln erst 2014 greifen könnten.

Seit der umstrittenen Empfehlung der IOC-Exekutive vor knapp einem Monat, Ringen von 2020 an aus dem Olympia-Programm streichen zu lassen, herrscht Betriebsamkeit bei der FILA und ihren 177 Mitgliedsverbänden. Lalovic hat sich bereits mit IOC-Präsident Jacques Rogge und in einem separaten Meeting mit dessen Vize Thomas Bach getroffen. Weitere Sitzungen sind nicht geplant. "Wir haben gut zugehört und erarbeiten gerade Lösungsvorschläge, die wir auf unserem Kongress beschließen und dann sofort umsetzen wollen", betonte Lalovic. Beim außerordentlichen FILA-Kongress am 18. Mai in Moskau soll er zudem zum neuen FILA-Boss gewählt werden.

Der Traditionssport will sich verändern, ohne seine Identität zu verlieren. Wie vom IOC gewünscht sollen eine Athletenkommission aufgebaut, mehr Frauen in die Verbandsstrukturen integriert und die Zahl der Doping-Kontrollen erhöht werden. Das ärmellose, unverkennbare Leibchen der Ringer steht vor dem Aus. "Wir denken an ein modernes Outfit, um den Unterschied zwischen dem Freistil-Ringern und den griechisch-römischen deutlicher zu zeigen. Wir überlegen uns sogar, das ganze Aussehen der Ringerhalle zu ändern, damit es frischer und moderner wirkt", erzählte Lalovic. "Klar ist: Im Moment zählen nur noch Taten und keine Worte mehr."

Die erwartete Rückendeckung aus der olympischen Familie registrierte der Serbe mit großer Genugtuung. Innerhalb von nur vier Tagen hatten die Vereinigungen der olympischen Sommersportverbände (ASOIF) und aller Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) den Ringern ihre Unterstützung zugesagt. "Ringen ist auf einem guten Weg. Nach den Reformen wird Ringen eine modernere Sportart mit einer moderneren Organisation sein", sagte Bach der dpa. Die IOC-Vollversammlung muss im September in Buenos Aires endgültig beschließen, welcher der sieben Ersatzkandidaten (Baseball/Softball, Klettern, Karate, Rollschuhsport, Squash, Wakeboarden, Wushu) nachrückt oder ob Ringen seinen Olympia-Status doch behalten darf.

Auch Putin mischte sich als heimlicher Drahtzieher des Weltsports ins Ringen der Ringer um ihren Olympia-Status ein. Die IOC-Entscheidung, die traditionelle Sportart aus dem Olympia-Programm verbannen zu wollen, sei "ungerechtfertigt". Er hoffe nun auf eine "gesonderte Diskussion mit unseren Freunden vom Internationalen Olympischen Komitee", sagte der 60 Jahre alte Kremlchef vielsagend. Lalovic verriet, er habe die Besprechungen mit Rogge und Bach mit einem sehr guten Gefühl verlassen, aber jetzt sei Demut gefragt: "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen."

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