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Tischtennis-Reform soll Rückzugswelle stoppen

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Tischtennis-Reform soll Rückzugswelle stoppen

21.03.2013, 13:21 Uhr | dpa

Tischtennis-Reform soll Rückzugswelle stoppen. Dirk Schimmelpfennig ist Sportdirektor des DTTB.

Dirk Schimmelpfennig ist Sportdirektor des DTTB. (Quelle: dpa)

Hannover (dpa) - Bittere Ironie: Ausgerechnet die angekündigten Rückzüge der Top-Teams FSV Kroppach und TTSV Saarlouis-Fraulautern haben der Tischtennis-Bundesliga der Damen eine mediale Präsenz wie nie zuvor verschafft.

Der Ausstieg der beiden Vereine, die am Sonntag in Saarlouis im Spitzenspiel um den Titel kämpfen, hatte Signalwirkung. Zehn Clubs in den 1. und 2. Ligen bei Damen und Herren haben die Meldefrist beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) verstreichen lassen. Sie wollen oder können nächste Saison zumeist aus finanziellen Gründen nicht mehr weitermachen.

"Wir haben die Bundesliga-Problematik auf dem Schirm. Die Rückzüge unterstreichen die Notwendigkeit unserer Reform, wir hatten solche Fälle ja auch in der Vergangenheit" sagte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Ihm ist es ein Dorn im Auge, dass kaum ein Zweitligist in die Bundesliga aufsteigt. Die Eliteliga erreicht seit Jahren nicht ihre Sollstärke von zehn Mannschaften. Deshalb hat der DTTB eine umstrittene Ligareform beschlossen. Sie soll die Kluft zwischen den Spielklassen verringern und tritt im Sommer in Kraft.

Doch die Tischtennis-Krise hat viele Ursachen. Es fehlt wie in anderen Sportarten an Geld, Sponsoren, Mäzenen, Zuschauern und ehrenamtlichen Helfern in den Vereinen. Hausgemacht ist der übervolle Terminkalender mit viel zu vielen Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene sowie die unterschiedlichen Spielsysteme.

Die Herren-Bundesliga spielt, wie bei WM, EM oder im Europapokal üblich, mit Dreier-Mannschaften. In den Damen-Ligen schlagen Vierer-Teams auf, und die 2. Herren-Bundesliga besteht seit Jahrzehnten aus Sechser-Teams. Mit dieser Tradition ist es nun vorbei. Nächste Saison werden Vierer-Mannschaften eingeführt, 2014/15 sollen in einem zweiten Schritt eine eingleisige 2. Liga und zwei Staffeln der 3. Bundesliga als neuer Unterbau eingeführt werden.

Tischtennis-Puristen, für die ein 8:8 nach viereinhalb Stunden das Größte ist, und Traditionsclubs laufen dagegen Sturm. "Die bestehende Struktur in der 2. Liga Nord wird dadurch aber zerschlagen. Mit den klassischen Sechserteams erleben wir eine äußerst spannende Saison mit ausgeglichenen Mannschaften sowie für die Vereine in Nordrhein-Westfalen sehr kurzen Wegen", erklärte der TTC Altena und zog mit seinem Rückzug einen Schlussstrich unter eine 40-jährige Ära.

"Wir müssen den Qualitätsstandard immer weiter anheben. Vor einigen Jahren dachte keiner, dass wir in der 2. Liga einen roten Hallenboden und Live-Ticker haben", entgegnete Andreas Preuß, Manager von Rekordmeister Borussia Düsseldorf. "Ich befürworte die Reform." Der Aufsichtsratschef der eigenständigen Herren-Bundesliga (TTBL) ist optimistisch, das nächste Saison die Sollstärke erreicht wird. Derzeit spielt die TTBL mit acht Teams. "Wir haben elf Bewerbern für zehn Plätze", berichtete Preuß.

Neuankömmlingen soll mit speziellen Beratungsleistungen und reduzierten Startgeldern unter die Arme gegriffen werden. Neben einer Lizenzgebühr von 16 000 Euro muss ein Herren-Bundesligist einen Etat von 150 000 bis 200 000 Euro aufbringen, um mithalten zu können. Von diesen Summen können die Damen-Teams und die Zweitligaclubs nur träumen. "Die Belastung für die Zweitligisten wird höher", gab Schimmelpfennig zu. "Wir müssen aber sehen, ob und wie die Reform greift."

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