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Keine Vorwürfe nach dem Absturz der deutschen Turner

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Keine Vorwürfe nach dem Absturz der deutschen Turner

22.04.2013, 12:51 Uhr | dpa

Keine Vorwürfe nach dem Absturz der deutschen Turner. Bundestrainer Andreas Hirsch will die Medaillen-Flaute bei der EM genau analysieren.

Bundestrainer Andreas Hirsch will die Medaillen-Flaute bei der EM genau analysieren. (Quelle: dpa)

 

Moskau (dpa) - Eine klare These oder eine eindeutige Analyse - beides war auch am Tag nach dem enttäuschenden Abschneiden der deutschen Turner bei der EM in Moskau nicht zu bekommen.

Keiner konnte schlüssig begründen, warum nach vielen erfolgreichen Jahren bei den Europameisterschaften in Moskau erstmals seit 2004 eine dicke Null im Medaillenspiegel hinter "Germany" stand.

"Wir werden jetzt keine vorwurfsvollen Gedanken akzeptieren. Wir werden analysieren, was wir mit Blick auf die WM in Antwerpen verändern können", meinte Cheftrainer Andreas Hirsch, nachdem keiner seiner drei Leistungsträger in den fünf Einzelfinals eine fehlerfreie Übung abgeliefert hatte.

Hirsch musste zudem einräumen, dass sich seine bisherige Theorie "drei Chancen für eine Medaille" in Moskau erstmals nicht bewahrheitet hatte. An Reck, Barren und Boden habe er von Fabian Hambüchen, Marcel Nguyen und Matthias Fahrig konkurrenzfähige Leistungen gesehen. Doch da alle patzten, standen die Deutschen am Ende mit leeren Händen da. Offen kritisierte der "Chef", dass der Nachwuchs noch "keinen Zugriff zu den nationalen Spitzenleistungen gefunden" habe und auf die Etablierten zu wenig Druck ausübten.

Rainer Brechtken, Präsident des Deutschen Tuner-Bundes (DTB), schlug bei seinen Erklärungsversuchen diplomatische Töne an. Er sprach "von einer Übergangs-EM", von der man sich im Jahr mit neuem Regelwerk, strukturellen Veränderungen und einer schlauchenden Weltcupserie nicht so viel versprochen hatte. "Doch ich sage es ganz klar: Ein Auswählen der Schwerpunkte wird auf die Dauer nicht reichen". Ein Seitenhieb auf die beiden Vorturner Hambüchen und Nguyen, die es diesmal vorgezogen hatten, sich auf einzelne Geräte zu konzentrieren und keinen Mehrkampf ansteuerten.

Der Präsident wollte auch nichts wissen von atmosphärischen Störungen, die Hambüchen nach dem Reck-Finale angesprochen hatte. Ohne Details nennen zu wollen, hatte der Starturner gesagt: "Kontraproduktive Aussagen aus den eigenen Reihen zur dualen Karriere finde ich eher blöd." Er verteidigte zugleich vehement seinen Kurs, sein Studium an der Sporthochschule Köln fortzusetzen und lobte die Einrichtung für die große Kooperation, die sie den Hochleistungssportlern entgegen bringt. "Das Studium belastet mich in keiner Weise", sagte Hambüchen und reagierte damit auf zuvor nur intern geäußerte Kritik an seiner Entscheidung.

Seit der Aufnahme seines Studiums im Herbst reist sein Vater Wolfgang zwei Tage in der Woche nach Köln, um mit Fabian zu trainieren. Zum Wochenende sind Trainingseinheiten im heimischen Wetzlar angesetzt. "Bei der Finanzierung der Trainerleistung müssen künftig das Land Hessen, der Olympiastützpunkt und der DTB noch enger zusammenarbeiten", deutete Brechtken mögliches Spannungspotenzial an.

Unbeirrt will der Olympia-Zweite Hambüchen seinen Studienkurs wie auch seine Vorbereitung auf die WM Ende September fortsetzen. "Jetzt folgen drei Bundesliga-Wettkämpfe, in denen ich mich auf die deutschen Meisterschaften beim Turnfest vorbereiten will. Dann kommt die Universiade und schließlich die WM, bei der ich auch wieder im Mehrkampf angreifen will", gab er als Devise aus.

Auch Marcel Nguyen hat eine Konsequenz aus dem verpassten goldenen Hattrick am Barren gezogen. "Die Felge beim Abgang fliegt raus", verkündete er dem Cheftrainer. Eine neue Felge mit ganzer Drehung ist in Planung, womit er den Schwierigkeitsgrad seiner Übung bis zur WM um 0,3 Punkte auf 7,1 steigern will. In Antwerpen möchte der Stuttgarter auch wieder ein stabilen Mehrkampf anbieten. Beim Turnfest am 19. Mai in Mannheim sei aber der Sechskampf kein Thema, bekräftigte Nguyen.

 
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