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Krise der Springreiter: Preisgeld-"Hatz" fordert Tribut

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Krise der Springreiter: Preisgeld-"Hatz" fordert Tribut

29.04.2013, 10:02 Uhr | dpa

Krise der Springreiter: Preisgeld-"Hatz" fordert Tribut. Auch Hans-Dieter Dreher konnte die deutsche Bilanz nicht retten.

Auch Hans-Dieter Dreher konnte die deutsche Bilanz nicht retten. (Quelle: dpa)

Göteborg (dpa) - Die amerikanischen Springreiter feierten in der Skybar im 23. Stock des Gothia Towers in Göteborg den zweiten Sieg nacheinander, während die deutschen Springreiter ein beispielloses Fiasko verdauen mussten: Seit der Weltcup-Gründung 1979 gab es kein so schlechtes Ergebnis.

Dem vorzeitigen Aus der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen folgte der Schock von Göteborg. Und das obwohl deutsche Springreiter fast jedes Wochenende irgendwo auf der Welt einen Großen Preis gewinnen. Oder gerade deshalb? Reiten sie zu viel, sind sie nicht genug auf die Höhepunkte fokussiert? "Es gibt ganz bestimmt nicht nur einen einzigen Grund", sagte Ludger Beerbaum: "Aber wir müssen uns sicher besser organisieren."

Der erfolgreichste Reiter der zurückliegenden 25 Jahre ist selber das beste Beispiel. Vor zwei Wochen gewann er in Paris ebenso den Großen Preis wie nun im Rahmenprogramm des Weltcup-Finales in Göteborg. Nur für die inoffizielle Hallen-WM selber hatte Beerbaum, der schon 20 Mal dabei war, nicht einmal die Qualifikation geschafft.

"Das ist auch systembedingt mit immer mehr lukrativen Turnieren", erklärte Beerbaum: "Es ist eine Hatz, aber wir können es nicht zurückdrehen." Beerbaum muss seine Starts nach wirtschaftlichen Gründen auswählen. Sein Turnierstall in Riesenbeck verursacht im Jahr rund zwei Millionen Euro Fixkosten. Das Preisgeld ist dabei nicht die einzige, aber eine sehr wichtige Einnahmequelle.

"Da müssen wir nicht an Herne denken oder Wanne-Eickel oder wie das heißt", witzelte Beerbaum in seiner unnachahmlichen Art über die EM im dänischen Städtchen Herning. Egal mit welchen Reitern: Die Deutschen gehören in der derzeitigen Form nicht zu den Favoriten.

"Wenn man sich den Turnierkalender ansieht, dann wird die EM fast zur Nebensache", gab auch Christian Ahlmann zu. Der Reiter aus Marl war als Weltranglisten-Erster nach Göteborg gereist und erlebte - wie seine drei deutschen Kollegen - die letzte Runde des Final-Turniers trotzdem nicht.

"Man muss sich sicher kritisch hinterfragen", sagte Ahlmann, der am Wochenende vor der Weltcup-Entscheidung mehr als 15 000 Kilometer zwischen Turnieren in Hagen bei Osnabrück und in Peking pendelte. "Am Ende leiden die Championate, es fehlen vielleicht die letzten Prozente", erklärte der Weltcup-Gewinner von 2011 und verwies ebenfalls auf wirtschaftliche Zwänge. "Für den Bundestrainer ist das schwer", sagte Beerbaum.

Otto Becker fand noch einen anderen Grund für die Probleme: "Uns fehlen im Moment die überragenden Pferde. Die Decke wird dünner." Einen Shutterfly, der Meredith Michaels-Beerbaum dreimal zum Weltcup-Sieg trug, hat derzeit kein deutscher Reiter.

"Wir sind bei den Pferden in einem Umbruch", erklärte Dennis Peiler, Sportchef bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Bis zur EM im August sieht er da keine Veränderung: "Unser nächstes großes Ziel ist die WM im kommenden Jahr, da müssen wir uns für die Olympischen Spiele in Rio qualifizieren."

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