Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > Mehr Sport >

Die Milliarden-Macher: IOC und FIFA im Systemvergleich

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Die Milliarden-Macher: IOC und FIFA im Systemvergleich

28.05.2013, 12:42 Uhr | dpa

Die Milliarden-Macher: IOC und FIFA im Systemvergleich. FIFA-Präsident Joseph Blatter kritisierte einst das IOC.

FIFA-Präsident Joseph Blatter kritisierte einst das IOC. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Anfang vergangenen Jahres ließ sich Joseph Blatter in Doha zu einem herablassenden Vergleich hinreißen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) behandele seine Finanzen "wie eine Hausfrau. Es bekommt einiges Geld und gibt einiges Geld aus".

Zudem sei das IOC "wie ein Club, in dem nur 45 Mitglieder direkt mit dem Sport verbunden sind". Wer wissen wolle, "wo es in der Welt Prinzen, Prinzessinnen und Könige gibt, der soll sich die Liste der IOC-Mitglieder ansehen". Blatters grundsätzliches Urteil: "Das IOC hat keine Transparenz."

Kein Wunder, dass sein Verdikt in der 4500 Kilometer von Katar entfernten Lausanner IOC-Zentrale Empörung auslöste. Gesehen wurde darin der Versuch des FIFA-Chefs, von den Korruptionsvorwürfen gegen seinen Weltverband und ihn selbst abzulenken. Zugleich wertete die IOC-Obrigkeit den Angriff als krassen Verstoß gegen die Benimmregeln der Ringe-Organisation, der der Eidgenosse seit 1999 angehört.

Öffentlich reagierte das IOC zurückhaltend. Ausweislich seines zweijährigen Finanzreports gingen "mehr als 90 Prozent seiner Einkünfte" an seine olympischen Partner, hieß es in einer Stellungnahme.

Nimmt man Blatter selbst zum Maßstab eines Vergleichs der beiden Global Player des Weltsports, dann ergeben sich eindeutige Ergebnisse. Der 77 Jahre alte Schweizer diktiert seit 1998 die Weltpolitik des Fußballs, Milliardeneinnahmen dienen als Kitt für seine zeitlich noch nicht absehbare Regentschaft. Korruptionsskandale waren Ausdruck eines Systems der Intransparenz, die im Millionen-Honorar für den FIFA-Präsidenten einen besonderen Ausdruck findet. Blatter verweigert bisher jede Angabe dazu. Der Jahreskongress am Donnerstag und Freitag auf Mauritius soll mit einigen Reformbeschlüssen das Image des Weltverbandes aufbessern.

Der im September nach zwölfjähriger Präsidentschaft im IOC scheidende Jacques Rogge wirkt zu Blatter wie ein Kontrastprogramm. Der 71 Jahre alte orthopädische Chirurg aus dem belgischen Gent ist die Bescheidenheit in Person, sein Ehrenamt fußt auf einer eher geringen Aufwandsentschädigung. Zu Beginn seiner Amtszeit hat sich Rogge sogar für die Reisekostenabrechnung von IOC-Mitgliedern interessiert. Übereinstimmung mit Blatter gibt es nur in einem Punkt: die weltweite Hochkonjunktur für olympischen Elitesport und Fußball mit maximalem Gewinnstreben zu nutzen.

Dank einer Steigerung der Umsätze aus den Olympischen Spielen in Vancouver und London um mehr als 50 Prozent hat es Rogge geschafft, den Erlös aus der letzten Vier-Jahres-Periode 2009 bis 2012 auf etwa 7,5 Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro) zu erhöhen. Die FIFA erlöste aus ihrer Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika rund 4,5 Milliarden Dollar, die in ihre jährlich veröffentlichten Etats eingegangen sind.

Die Jahresetats des IOC werden nur seinen Mitgliedern zur Kenntnis gegeben. Ein alle zwei Jahre veröffentlichter Marketing-Report zeichnet sich durch Ungenauigkeit aus. Als Hauptprofiteur ist London mit einem Anteil von mehr als vier Milliarden Dollar zu errechnen, das IOC behielt knapp 750 Millionen für sich. WM-Veranstalter Südafrika bekam vom Geldsegen der FIFA etwa 860 Millionen Dollar ab.

Demokratisch zu nennen ist weder die Verfassung des IOC noch die der FIFA. In der olympischen Vollversammlung von maximal 115 persönlichen Mitgliedern sind lediglich etwa 70 Nationalitäten vertreten. Qua Amt werden zu 70 "unabhängigen" Persönlichkeiten maximal 45 Mitglieder aus Verbänden, NOKs und Athleten gewählt.

In der FIFA-Hauptversammlung geht es zwar nach dem Prinzip "ein Land eine Stimme". Jedoch werden diese Voten weitgehend dirigiert über die Kontinentalverbände, deren Vertreter das 24-köpfige Exekutivkomitee bilden. Blatter hat sie sich über die Jahre durch üppige Ausstattungen zunutze gemacht.

Gute Amtsführung ("Good Governance") beanspruchen Rogges IOC und Blatters FIFA beide für sich, und das mit unterschiedlicher Glaubwürdigkeit und Basis. Das IOC entfernte zur Jahrhundertwende zehn seiner Mitglieder als Konsequenz aus dem Korruptionsskandal um den Olympia-Bewerber Salt Lake City aus seinen Reihen und zwang danach drei weitere Olympier mit sanfter Gewalt zum Rücktritt, zuletzt den greisen brasilianischen Blatter-Vorgänger im FIFA-Amt, João Havelange. In der FIFA-Führung wurden zuletzt unter dem starken Druck der Öffentlichkeit ein halbes Dutzend seiner Mitglieder sanktioniert oder gar ausgeschlossen.

Was dabei für die FIFA spricht: Ihre frisch geschaffene Ethikkommission ist, theoretisch, ein vielversprechendes Modell. Sie ist unterteilt in eine eigenständige staatsanwaltliche und eine richterliche Abteilung mit gültigem Urteil. Beim IOC wirkt die Ethikkommission wie ein Instrument seines Präsidenten. Er stellt das neunköpfige Gremium selbst zusammen und gibt ihm die Untersuchungsaufträge. Der Spruch der Ethiker hat für die Exekutive lediglich empfehlenden Charakter.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal