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Cheftrainer Lambertz in schwierigem Gewässer

02.08.2013, 14:14 Uhr | dpa

Cheftrainer Lambertz in schwierigem Gewässer. Cheftrainer Henning Lambertz hatte viele Niederschläge der Schwimmer zu erklären.

Cheftrainer Henning Lambertz hatte viele Niederschläge der Schwimmer zu erklären. (Quelle: dpa)

Barcelona (dpa) - In den schwierigen Tagen von Barcelona setzt Henning Lambertz eine seiner ausgeprägtesten Eigenschaften ein: Wortreich musste der Chef-Bundestrainer viele Tiefschläge und wenige Erfolgserlebnisse der deutschen Beckenschwimmer in Barcelona erklären.

Der 42-Jährige hatte sich schon vor der WM keinen Illusionen hingegeben. "Woher sollen denn plötzlich all die Medaillen herkommen?", wiederholte Lambertz wieder und wieder. Die (zu) hoch gegriffene Zielvereinbarung des eigenen Verbandes mit dem Deutschen Olympischen Sportbund von "drei bis vier Medaillen" der Beckenschwimmer hatten seine Aufgabe ohnehin nicht einfach gemacht.

Vor WM-Beginn gab Lambertz keine Medaillen, sondern Zeiten als Ziel aus. 70 Prozent der 27 Beckenschwimmer sollten die im Vergleich zu den Vorjahren entschärften WM-Normen unterbieten - bis zum WM-Ende am Sonntag wird das nicht einmal ein Drittel geschafft haben. "Balsam auf die Seele", waren da nach drei Tagen ohne Finalteilnahmen schon bessere Vorläufe.

Ernüchtert nahm der ehemalige Essener Stützpunkt-Trainer aber auch den Ist-Zustand der meisten deutschen Topschwimmer zur Kenntnis und konstatierte: Andere Nationen sind nicht nur bei den Zeiten, sondern schon beim Grundlagentraining weit enteilt. "Offensichtlich haben viele Probleme, einen Basis-Trainingszustand zu erreichen. Die schaffen das einmal bei der DM, aber sonst nie wieder", analysierte er schonungslos.

Rücksichten auf Befindlichkeiten von Sportlern und Heimtrainern will und muss Lambertz künftig weniger nehmen. Erste Anzeichen dafür ließ er in Barcelona bei einer der bohrenden Presse-Fragerunden erkennen. Er werde die Anforderungen "sehr" erhöhen und verwies auf die wieder einmal deutlich erfolgreicheren Freiwasser-Athleten. Deren Trainer Stefan Lurz lässt in Würzburg auch junge Beckenschwimmer mehr als anderswo trainieren. "2500 bis 3000 Kilometer im Jahr" wusste Lambertz zu berichten.

Also sind mehr Trainingskilometer allein die Lösung? Ganz so einfach ist es nicht, sagt auch Petra Wolfram. Sie wechselte als Trainingswissenschaftlerin an den Beckenrand und formte in Hamburg Steffen Deibler vom Kurzbahn-Spezialisten zum WM-Mitfavoriten über 100 Meter Schmetterling. "Ich bin nicht diejenige, die dafür ist, dass wir alle mehr Meter trainieren müssen, nur damit es besser wird", sagt Wolfram. Sie baute die Deibler-Brüder Steffen und Markus über Jahre hinweg individuell und systematisch auf. So zehrte Steffen trotz längerer Pause nach Olympia noch von den Grundlagen, die er zuvor gelegt hatte. Aber auch Wolfram hat kein Patentrezept. "Es ist für alle Beteiligten schwierig. Man muss in Ruhe schauen, woran es gelegen hat."

Klar ist, dass die Rahmenbedingungen im erfolgreichen Ausland einfach andere sind. Die USA mit ihrem College-System ermöglichen beispielsweise eine sehr viel höhere Trainingsbelastung gerade junger Athleten, als es in Deutschland möglich ist - trotz Eliteschulen des Sports. Der talentierte Nachwuchs sucht sich inzwischen international aus, wo er die besten Bedingungen findet. Litauens 16 Jahre alte Olympiasiegerin und Weltmeisterin Ruta Meilutyte etwa trainiert seit Jahren in Großbritannien. Selbst Olympiasieger Ryan Lochte will sich demnächst in Australien neue Reize suchen.

Diese Einstellung ist unter deutschen Schwimmern nur sehr vereinzelt zu finden. Martin Grodzki oder Dimitri Colupaev studieren in den USA, Theresa Michalak will ihnen folgen und statt in Halle/Saale an einer Elite-Uni in Amerika trainieren. Ihr Heimtrainer Frank Embacher konnte sie und auch Daniela Schreiber in Barcelona nicht auf den Punkt fit an den Start bringen. Das gelang ihm nur mit Britta Steffen. Die Weltrekordlerin schwamm persönliche Saisonbestzeiten, zieht aber auch nach ihrem Wechsel zu Embacher weiter wie zuvor auch ihren eigenen Plan durch. "Ich stehe ihr nur unterstützend zur Seite", sagt Embacher.

Ist also doch mehr Individualisierung, als Lambertz vor der WM schon zugelassen hatte, der Erfolgsweg? Nein, denn der Wuppertaler wird die Zügel anziehen und Trainern und Athleten nicht nur in der unmittelbaren WM-Vorbereitung auf die Finger sehen, sondern auch in den Monaten zuvor. Mit einem Vertrag bis 2016 und Option für weitere vier Jahre ausgestattet kann Lambertz auch ganz anders, als er sich nach außen meist präsentiert: knallhart statt freundlich-verbindlich. Als Freistilschwimmer Marco Di Carli nach indiskutabler Vorlauf-Leistung zunächst über sein Karriere-Ende nachdachte, hielt sich das Verständnis des Chefbundestrainers in sehr engen Grenzen. Di Carli soll eine klare Entscheidung für den Sport treffen , "oder es ganz bleiben lassen", beschied Lambertz kühl.

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