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Sportpolitik  

Brisante Doping-Studie endlich veröffentlicht

05.08.2013, 21:55 Uhr | dpa

Brisante Doping-Studie endlich veröffentlicht. Die Doping-Vergangenheit in der Bundesrepublik sorgt weiter für Wirbel.

Die Doping-Vergangenheit in der Bundesrepublik sorgt weiter für Wirbel. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Der deutsche Sport hat seine Unschuld endgültig verloren. Der nun veröffentlichte Abschlussbericht der Berliner Humboldt Universität über die Doping-Vergangenheit in der Bundesrepublik hat das Bild einer staatlich geduldeten und von Steuergeldern finanzierten Doping-Forschung seit 1970 bestätigt.

"Es ist erschütternd, wie damals um Gold gekämpft wurde! Diese abstrakten Hybridwesen und deren Leistungen, haben für mich keine Bedeutung! Wichtig ist, dass es heute - nicht nur durch mich - möglich ist, annähernd die alten Leistungen zu bezwingen... sauber!", sagte Diskus-Olympiasieger Robert Harting der dpa.

Auf Druck der Öffentlichkeit wurde die lange unter Verschluss gehaltene Studie am 5. August auf der Homepage des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) publiziert. "Die vielfach formulierte These, das Dopingproblem in der Bundesrepublik sei erst mit dem Konsum von Anabolika in den 1960-er Jahre offen zutage getreten, lässt sich jedenfalls eindrucksvoll widerlegen", heißt es in dem 117-seitigen, inhaltlichen Abschlussbericht. Die Geschichte des Dopings in der Bundesrepublik beginne demnach nicht erst 1970, sondern bereits 1949. Bis 1960 seien im deutschen Sport Amphetamine "systematisch zum Einsatz gekommen". Auch die Elite des deutschen Fußballs hätte die aufputschenden Amphetamine genommen.

Umfangreiche Forschungen über die Wirkungsweise von Blutdoping seit Beginn der 80er-Jahre, Tests an Radsportlern und Spielern der Hockey-Nationalmannschaft mit dem umstrittenen Kälberblutmittel Actovegin - für den Nürnberger Pharmakologen Fritz Sörgel ist die Sache klar. "Die Unterlagen zeigen, wohin die Reise ging. Man hat sich schon früh auf die direkte Manipulation des Blutes konzentriert", erklärte er der dpa. "Über Blutdoping und Epo wurde in Arbeitskreisen diskutiert. Auch das damals in gutem Ruf stehende Actovegin, das die Sauerstoffversorgung verbessern sollte, war kein Fremdwort. Actovegin wurde inzwischen aus dem Handel genommen, weil es zu gefährlich war und Todesfälle verursacht hat."

Meistens ohne klare Namensnennung wird in dem Bericht die Mitwisserschaft von damaligen Spitzenvertretern im Hochleistungssport angeprangert. Auch der renommierte Doping-Fahnder Manfred Donike gerät ins Zwielicht. Der inzwischen verstorbene, ehemalige Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln soll laut des Berichts vor den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles bei Absicherungskontrollen im deutschen Team zurate gezogen worden sein. Donike galt bis zu seinem Tod 1995 als einer der angesehensten Anti-Doping-Kämpfer der deutschen Sportgeschichte.

Obwohl in der wissenschaftlichen Arbeit viele alte Erkenntnisse wiederholt werden, müssen Politik und Sport jetzt beweisen, wie ernst sie es mit der Aufklärungsarbeit meinen. Innenminister Hans-Peter Friedrich soll nach Willen der SPD bei der geplanten Sondersitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages Rede und Antwort stehen. Auch der an der Studie beteiligte Wissenschaftler Giselher Spitzer, BISp-Direktor Jürgen Fischer und DOSB-Präsident Thomas Bach sollen zur Sitzung eingeladen werden. Möglicherweise wollen die Parlamentarier schon am 29. August zusammenkommen, alternativ stehen der 2. oder 3. September als Termin im Raum.

Für Heide Ecker-Rosendahl, Doppel-Olympiasiegerin von 1972, kamen die Doping-Enthüllungen überraschend. "Ich habe nie von systematischem Doping in meiner Zeit gehört", behauptete die 66 Jahre alte Leverkusenerin in einem Interview des Senders WDR 2. "Man hat munkeln gehört, dass es irgendetwas gibt - da gab es die Skandale schon damals um die Radfahrer - aber wenn man etwas nicht weiß, heißt es ja nicht, dass es das nicht gegeben hat."

Die Heldin von München hatte nach ihrem Doppelerfolg im Weitsprung und in der Staffel ihre Laufbahn beendet. "Ich habe 1972 aufgehört, und danach hat man sich häufiger gefragt, ob die irgendetwas mit Mitteln machen, die nicht erlaubt sind", sagte Ecker-Rosendahl. "Aber ich kann nicht sagen, dass da systematisch ausprobiert wurde, um vielleicht Aufbaumittel wie Steroide einzusetzen. Das habe ich aus späteren Zeiten gehört, aber nie zu dieser Zeit."

Ihre ehemaligen Athleten-Kollegen aus der DDR hatten für ihre Einschätzung wenig Verständnis. "Mich überrascht das nicht. Unter uns DDR-Athleten war bekannt, dass auch im Westen gedopt wurde", so der DDR-Weltklassehochspringer Rolf Beilschmidt, heute Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Thüringen (LSB). "In der Aufarbeitung wurde nach der Wende lange mit zweierlei Maß gemessen." Die Doppel-Olympiasiegerin im Eisschnelllaufen, Daniela Anschütz-Thoms, empfand die Unterscheidung zwischen Ost und West ebenfalls als "unfair". Man müsse schon sehr naiv sein, um überrascht zu reagieren: "Was, im Westen wurde ähnlich verfahren wie im Osten?"

Frühere DDR-Doping-Opfer haben sich sogar für die Gründung eines Fonds für geschädigte Athleten aus dem Westen ausgesprochen. "Wenn es Geschädigte im Westen gibt, muss man Ost und West zusammen denken", sagte Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer Hilfevereins DOH. Die 53-Jährige hatte schon zur Einrichtung eines Fonds für DDR-Dopinggeschädigte beigetragen. Geipel ist "heilfroh" über die neue Studie. "Endlich werden die Fragen an den Sport erneuert", meinte sie und ergänzte mit Blick auf die Doping-Praktiken in Ost und West: "Die Einheit hat es bereits Anfang der 70er-Jahre gegeben." Dass es nach der Wende keinen Bruch gegeben habe, sei sehr traurig.

"Einen solchen Fonds für den Westen könnte ich mir gut vorstellen. Allerdings müssten wir erst einmal wissen, wie groß der Handlungsbedarf ist", sagte auch DOH-Vorstandsmitglied Uwe Trömer, selbst anerkanntes DDR-Doping-Opfer. Er appellierte an die Sportler, deren Gesundheit wegen Dopingmissbrauchs Schaden genommen hat: "Meldet euch bei uns! Geht an die Öffentlichkeit." Ehemalige Westsportler sollten "reinen Tisch" machen. Nach der Veröffentlichung über die Doping-Praktiken in der Bundesrepublik "muss die Sportgeschichte Ost und West neu geschrieben werden".

Dazu müsste laut Geipel die Vergangenheit lückenlos aufgearbeitet werden. "Wenn so viele Leute involviert waren, stellt sich die Frage: Um welche Sportler und Funktionäre handelt es sich", gab die Buchautorin zu bedenken und hinterfragte auch die Rolle des IOC-Präsidentschaftskandidaten Bach: "Inwieweit ist zum Beispiel auch Thomas Bach involviert? Wenn keine Namen genannt werden, bleibt alles anonym."

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