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Bluttests nicht zum Bundesliga-Start: Rufe nach Anti-Doping-Gesetz werden lauter

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Sportpolitik  

Rufe nach Anti-Doping-Gesetz werden lauter

08.08.2013, 07:37 Uhr | dpa

Bluttests nicht zum Bundesliga-Start: Rufe nach Anti-Doping-Gesetz werden lauter. Thomas Bach gab auch Auskunft über seine aktive Zeit.

Thomas Bach gab auch Auskunft über seine aktive Zeit. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Die bewährten Reflexe der deutschen Sport-Granden bei der Aufarbeitung der dunklen Doping-Vergangenheit gingen erstmal ins Leere.

Nach den hitzigen Diskussionen über die brisante Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute" wurden auch konkrete Maßnahmen von Sport und Politik gefordert. Neben den Verbandsfürsten Rudolf Scharping und Clemens Prokop machten sich prominente Athleten für ein Anti-Doping-Gesetz stark - der deutsche Fußball musste sich weitere unangenehme Fragen gefallen lassen zu seiner wenig überzeugenden Haltung im Kampf gegen den Pharma-Betrug.

Sogar Deutschlands Ober-Olympier Thomas Bach hielt es für nötig, zur eigenen Athleten-Vergangenheit Stellung zu nehmen: "In meiner aktiven Zeit war im Fechten Doping kein Thema. Ich habe aber Anfang der 80er Jahre in anderen Sportarten die Thematik erkannt und lebenslange Sperren gefordert", erklärte der Fecht-Olympiasieger von 1976. Wie Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat sich der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bisher stets gegen ein Anti-Doping-Gesetz ausgesprochen.

"Alle sauberen Athleten haben ein Interesse an einem Anti-Doping-Gesetz", sagte Judo-Olympiasieger Ole Bischof der dpa. Diskus-Held Robert Harting und Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin pflichteten ihm bei. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Forderung nach einem Anti-Doping-Gesetz berechtigt ist", meinte Martin. Zuletzt hatte das baden-württembergische Justizministerium einen Gesetzentwurf zur Strafbarkeit des Dopings in den Bundesrat eingebracht. Die Abschreckung im Sport sei ungleich größer, wenn dem dopenden Betrüger Gefängnis drohen würde, betonte danach selbst Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein.

Auch Scharping und Leichtathletik-Boss Prokop bekräftigten ihre Appelle nach einer strikteren Gesetzgebung. In einer Pressemitteilung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) verwies Scharping auf seine Forderung aus dem Jahr 2006. "Ich halte die Hilfe des Gesetzgebers für unverzichtbar, weil sie sonst mit Hilfe von Polizei und Staatsanwaltschaften nicht an die Hintermänner heran kommen." Doping sei nur möglich, wenn es skrupellose Mediziner, gewissenlose Geschäftemacher und andere gebe, die mitwirken. "Diese müssen genauso hart, im Zweifel auch mit Hilfe des Strafrechts angepackt werden", erklärte der frühere Kanzlerkandidat.

Die Spitzenvertreter des deutschen Fußballs hatten sich bisher nicht gerade als Vorbilder im Anti-Doping-Kampf profiliert. Die überfällige Einführung der Blutkontrollen in dieser Saison wird von Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga als bahnbrechende Neuerung verkauft - unterschrieben ist der Vertrag mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) aber noch nicht. Nach dpa-Informationen wird es noch eine Weile dauern, bis die Tests beginnen. "Einen genauen Termin kann ich nicht nennen", sagte Reinhard Rauball, wiedergewählter Präsident des Ligaverbandes. Die Bluttests sollten "zum frühestmöglichen Zeitpunkt in der Saison" vorgenommen werden. Im Radsport oder in der Leichtathletik sind sie bereits seit Jahren fester Bestandteil des Kontrollsystems.

"Es ist das richtige Zeichen, dass wir schon vor den Ereignissen beschlossen haben, ab der neuen Saison Blutkontrollen einzuführen", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig ergänzte: "Wir wollen uns öffnen und strengere Kontrollen durchführen, obwohl wir keine Indizien dafür haben." Rettig glaubt nicht an ein Dopingproblem im Fußball - ungeachtet der in der Studie erhobenen Vorwürfe eines Ephedrinmissbrauchs von Nationalspielern bei der Fußball-WM 1966. Für Franz Beckenbauer sind die Anschuldigungen sogar völlig aus der Luft gegriffen: "1966 wussten wir noch gar nicht, was Doping war. Es gab auch keine Kontrollen, soviel ich weiß. Mich hat jedenfalls keiner aufgefordert, irgendwo reinzupinkeln."

Über solche Aussagen kann der frühere Sprintmeister Manfred Ommer, von 1986 bis 1994 Präsident des zwischenzeitlichen Bundesligisten FC 08 Homburg, nur müde lächeln. "Natürlich wird auch im Fußball gedopt. Da habe ich überhaupt keine Zweifel. Der DFB hat das zumindest zu der Zeit, als ich Präsident war, recht lasch gehandhabt", sagte der frühere Leichtathlet im ZDF. Ommer, der deutscher Meister über 100 und 200 Meter war, hatte bereits 1977 Doping gestanden.

Unter Druck geriet unterdessen auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Laut eines Berichts der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch) soll Schäuble 1976 in seiner Funktion als sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Sportausschuss gesagt haben: "Wenn es nicht schadet, soll man auch da das Bestmögliche unseren Sportlern angedeihen lassen". Ein Sprecher Schäubles sagte dazu am Mittwoch, der Minister könne sich heute nicht mehr daran erinnern, ob er früher einen bestimmten Satz gesagt habe, sei aber immer gegen Doping gewesen.

Zugleich wies die Bundesregierung Vorwürfe der Fälschung der westdeutschen Dopinggeschichte zurück. Es seien keine Akten mehr vernichtet worden, nachdem das Forschungsprojekt 2008 in Auftrag gegeben worden sei, teilte das Bundesinnenministerium mit. Das BMI hat inzwischen veranlasst, dass die noch nicht veröffentlichte Langfassung der Studie der Vorsitzenden des Sportausschusses, Dagmar Freitag, und den Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, zugestellt wird. Der wissenschaftliche Bericht war nach seiner Fertigstellung im März 2012 noch einmal überarbeitet und vor seiner Veröffentlichung am Montag durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) um mehrere Hundert Seiten gekürzt worden. Ein vom BISp eingerichteter wissenschaftlicher Beirat hatte nach dpa-Informationen zahlreiche Einwände gegen die ursprüngliche Version vorgebracht.

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