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Nguyen sagt für Turn-WM ab: "Brauche Erholungsphase"

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Nguyen sagt für Turn-WM ab: "Brauche Erholungsphase"

14.08.2013, 14:03 Uhr | dpa

Nguyen sagt für Turn-WM ab: "Brauche Erholungsphase". Marcel Nguyen gewann bei Olympia 2012 zwei Silbermedaillen.

Marcel Nguyen gewann bei Olympia 2012 zwei Silbermedaillen. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Nach dem Hype bei den Olympischen Spielen hat Turnstar Marcel Nguyen Probleme, sich jeden Tag acht Stunden in der Halle zu schinden. Die geplanten Übungen laufen noch nicht perfekt. So entschied sich der Olympia-Held von London, bei der WM in Antwerpen nicht zu starten.

Er war Gast bei Oliver Pocher und präsentierte sich als Breakdancer in der RTL-Show "Promis an ihren Grenzen". Nach dem nacholympischen Stressprogramm mit dem Gewinn des Gesamt-Weltcups und vielen PR-Terminen hat Turnstar Marcel Nguyen überraschend seine Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Antwerpen vom 30. September bis 6. Oktober 2013 abgesagt.

Die letzte Entscheidung sei vor gut einer Woche beim Trainingslager in Italien gefallen. "Dort habe ich festgestellt, dass ich nicht an jene Leistungen herankomme, die ich mir selbst für die Weltmeisterschaft gewünscht habe", sagte der deutsche Turn-Held der Olympischen Spiele von London der Nachrichtenagentur dpa.

Sein Gefährte und Rivale Fabian Hambüchen äußerte sowohl Bedauern als auch Verständnis: "Das ist schade, denn Marcel hätte bestimmt gute Chancen gehabt. Aber natürlich ist es wichtiger, dass er uns im kommenden Jahr zur Verfügung steht, wenn es bei der WM wieder einen Teamwettkampf gibt."

Nach seinen olympischen Silbermedaillen im Mehrkampf und am Barren hatte Marcel Van Minh Phuc Long Nguyen, der Sohn eines Vietnamesen und einer Deutschen, keine Weltcup-Station ausgelassen und durfte sich mit einem Rekordpreisgeld von 62 000 als erste deutscher Gesamt-Sieger im Mehrkampf feiern lassen. Doch die Wettkämpfe schlauchten den 25 Jahre alten Sportsoldaten genau so sehr wie die unzähligen TV- und Sponsoren-Termine - teils auch in Asien -, die der Stuttgarter sichtlich genoss. "Natürlich haben auch die Sponsoren ihr Recht gefordert, das muss man akzeptieren. Lieber jetzt, als später", meinte sein Heimtrainer Waleri Belenki, der ebenso wie Chefcoach Andreas Hirsch von Nguyen in seine Entscheidung einbezogen war.

Dass in Antwerpen kein Team-Wettbewerb ausgetragen wird, erleichterte Nguyen die Entscheidung. "Ich bin ein absoluter Team-Player: Für mich ist eine Team-Medaille wichtiger als eine Einzelplakette. Ich wusste, wenn ich nun den WM-Start absage, schade ich nicht der Mannschaft", meinte der Wahl-Stuttgarter. "Mein großes Fernziel sind die Olympischen Spiele 2016. Ich muss einfach jetzt schon die Grundlagen legen, um dann in Brasilien erfolgreich zu sein. Dazu gehört auch der kontinuierliche Aufbau von neuen Übungen und auch eine gewisse Erholungsphase", erklärte Nguyen.

Wie schwer es den Verantwortlichen fiel, die Absage zu verdauen, machte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam deutlich. "Seine Motivation spielte eine wichtige Rolle. Er hatte zuletzt vielleicht nicht den notwendigen Biss, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen", sagte Willam und bestätigte, dass es dem Vorturner in den vergangenen Wochen auch an nötigen Intensitäten im Training gefehlt habe.

"Wir bedauern seinen Entschluss sehr, denn unser sportlicher Schwerpunkt liegt auf den internationalen Meisterschaften, und wir wollen dort stets mit den besten Athleten antreten. Aber auch mit Blick auf die Olympischen Spiele akzeptieren wir in diesem speziellen Fall die Entscheidung und den von ihm eingeschlagenen Weg", sagte der Sportdirektor.

"Diese Situation ist für mich wenig prickelnd", meinte Cheftrainer Andreas Hirsch. "Wir wollten ihn zur WM bringen, aber unsere Argumente haben nicht gefruchtet. Schließlich können wir ihn nicht dorthin tragen", bedauerte Hirsch und räumte ein, dass es für Nguyen als zurückhaltenden Typ schwer war, alle Termine unter einen Hut zu bekommen. "Es war sicher ein Stück weit zu viel". Dennoch zeigte der Berliner Verständnis. "Wenn wir ihn voll motiviert und mit neuem Biss für das Jahr 2014 zurückkriegen, hat er alles richtig gemacht."

Im Herbst wird sich Nguyen dem deutschen Turn-Publikum vorstellen. Vertraglich ist er an seinen Verein MTV Stuttgart gebunden und wird daher an Bundesliga-Wettkämpfen teilnehmen. "Das sind wichtige Trainingswettkämpfe. Da kann man viel ausprobieren", meinte Belenki, der als Ziel neue, schwierigere Übungen an Reck, Barren und Boden ankündigte. Auch einen Start beim Weltcup in Stuttgart im Dezember hat Marcel Nguyen fest eingeplant.

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