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Sportpolitik  

Bewertung der Dopingstudie: Sorgfalt vor Schnelligkeit

02.09.2013, 16:04 Uhr | dpa

Berlin (dpa) - Konsequenzen aus der Studie zur Dopingvergangenheit in Deutschland lassen auf sich warten. Die Widerstände der Bundesregierung zu einem von vielen Sportverbänden und der rot-grünen Opposition geforderten Anti-Doping-Gesetz beginnen zwar zu schwinden - aber der Weg dorthin ist weit.

Immerhin hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ein Expertengespräch über ein Anti-Doping-Gesetz für den 26. September angekündigt und seine Bereitschaft für ein solches Gesetz erneuert.

"Ich bin für alle Argumente offen. Wenn Ermittler sagen, wir brauchen im Anti-Doping-Kampf neue Vorschriften, müssen wir das aufnehmen", sagte Friedrich bei der Sondersitzung des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Dort stand auf der Tagesordnung der Abschlussbericht der Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute", die jüngst für viel Wirbel gesorgt hatte.

Friedrich, der in den kommenden Monaten auch das Gespräch mit den Justizministern der Länder zu einem möglichen Anti-Doping-Gesetz sucht, sieht indes ein Problem in der Vereinbarkeit der Parallelität von Sport- und Strafgerichtsbarkeit. "Wir müssen aufpassen, dass das strafrechtliche Verfahren nicht die schnelle Reaktionsfähigkeit der Sportgerichtsbarkeit aushebelt", sagte Friedrich. Es gebe viele Argumente für und gegen ein Anti-Doping-Gesetz. "Diese Argumente müssen wir abwägen", meinte Friedrich.

Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD), eine Verfechterin des Anti-Doping-Gesetzes, warnte davor, "zu euphorisch zu sein: Nur weil sich Herr Friedrich plötzlich offen für ein solches Gesetz zeigt, heißt das noch lange nicht, dass der Inhalt ein guter sein wird." Friedrich hatte bis vor kurzem ein Anti-Doping-Gesetz abgelehnt. Freitag zeigte sich auch enttäuscht vom Ergebnis der Sondersitzung. "Von Herrn Friedrich hätte ich mir deutliche Aussagen zu Konsequenzen aus der Studie gewünscht. Vieles ist sehr im Ungefähren geblieben."

Andere Oppositionspolitiker warfen der Regierung vor, wertvolle Zeit zu verschwenden. "Wie viele Experten wollen Sie noch befragen, bevor sie endlich handeln?", fragte Viola von Cramon, die sportpolitsche Sprecherin der Grünen, den Bundesinnenminister. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, "um konkrete Maßnahmen einzuleiten". In einem parlamentarischen Antrag, den Schwarz-Gelb ablehnte, fordern die Grünen etwa weitere Forschungsarbeiten von 1990 bis heute.

Die Partei "Die Linke" erwägt zu beantragen, den Sportausschuss in der kommenden Wahlperiode kurzzeitig als Parlamentarischen Untersuchungsausschuss einzusetzen. Nur wer die Fehler der Vergangenheit kenne, kann sie künftig vermeiden, erklärte Linken-Politiker Jens Petermann. In einem Untersuchungsausschuss wäre es möglich, Zeugen zu laden, die sich bisher beharrlich weigern, Stellung zu beziehen - beispielsweise den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes Thomas Bach, ergänzte seine Parteifreundin Katrin Kunert.

Für eine konsequente Bewertung der Studie, die Dopingpraktiken nicht nur in der DDR, sondern auch im Westen beleuchtet, möchte sich die Bundesregierung und der Studien-Initiator Deutscher Olympischer Sportbund Zeit lassen. "Hier zählt Sorgfalt vor Schnelligkeit", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Für die Aufarbeitung wurde eine unabhängige Experten-Kommission unter der Leitung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Steiner gebildet.

Diese siebenköpfige Kommission soll dem DOSB Empfehlungen für den Umgang mit der Doping-Vergangenheit und den daraus zu ziehenden Konsequenzen geben. "Wir wollen Konsequenzen ziehen, und wir werden Konsequenzen ziehen", bekräftigte Vesper, der einen ersten Zwischenbericht für den Dezember ankündigte. Martin Gerster, dem sportpolitischen Sprecher der SPD, reichen Bewertungen und Konsequenzen der Studie erst nach der Bundestagswahl nicht aus. "Ich finde es unmöglich, wie mit diesem brisanten Thema umgegangen wird", schimpfte Gerster.

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