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Thomas Bach und die olympische Woche der Wahrheit

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Sportpolitik  

Thomas Bach und die olympische Woche der Wahrheit

03.09.2013, 14:29 Uhr | dpa

Thomas Bach und die olympische Woche der Wahrheit. Thomas Bach ist Favorit bei der Wahl des IOC-Präsidenten.

Thomas Bach ist Favorit bei der Wahl des IOC-Präsidenten. (Quelle: dpa)

Buenos Aires (dpa) - IOC-Kronprinz Thomas Bach gibt sich vor dem nervenaufreibenden Endkampf um die olympische Macht betont gelassen. Hemdsärmlig und in Jeans leitet der Jurist aus Tauberbischofsheim die wichtigste Woche seiner sportpolitischen Karriere ein.

Er fühle sich gut, gespannt, zuversichtlich und kampfbereit, sagt der 59-Jährige vor Beginn der 125. Vollversammlung in Buenos Aires, einer der bedeutsamsten Sessionen in der 119-jährigen IOC-Geschichte. IOC-Präsident Jacques Rogge spricht sogar von einem "politisch aufgeladenen Herbst", in dem die olympische Welt neu geordnet wird.

Die IOC-Mitglieder entscheiden in den nächsten sieben Tagen den Sechskampf um die Rogge-Nachfolge, küren Madrid, Tokio oder Istanbul zum Gastgeber der Sommerspiele 2020. Und sie bestimmen, ob Ringen wie erwartet seinen Olympia-Status behalten darf oder von Squash bzw. Baseball/Softball abgelöst wird. "Das ist zweifellos eine richtungsweisende Vollversammlung von hoher Bedeutung", sagt Bach, auch bei englischen Buchmachern als klarer Favorit auf den IOC-Thron gehandelt, "mit dem neuen Präsidenten müssen die IOC-Mitglieder und die Organisation acht Jahre, vielleicht sogar zwölf Jahre leben."

Deutschlands Ober-Olympier geht mit einer deutlichen Führung in die letzte Woche vor dem Votum am 10. September, aber der professionell gecoachte Banker Richard Carrion (Puerto Rico) wird stärker. Unternehmer Ng Ser Miang (Singapur) lauert als gefährlicher Außenseiter. Die restlichen Kandidaten, Denis Oswald (Schweiz), Sergej Bubka (Ukraine) und Wu Ching-Kuo (Taiwan) besetzen die Rollen der eher chancenlosen Mitstreiter.

"Als ehemaliger Athlet kann ich den Wettkampf kaum erwarten. Ich freue mich auf den 10. September", sagt Bach. Die Sondersitzung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages zur dunklen Doping-Vergangenheit der Bundesrepublik ist weit weg. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes verfolgt konsequent seinen Weg auf den Olymp und arbeitet unerwartete Herausforderungen sorgfältig ab.

Für schmutzige Attacken seiner Konkurrenten, die versuchen, ihn als unglaubwürdigen Doping-Bekämpfer zu porträtieren, hat er wenig Verständnis. Sein beharrlicher Einsatz für einen sauberen Sport sei seit seinem Eintritt ins Internationale Olympische Komitee (IOC) 1991 dokumentiert. Journalistenanfragen, die er für potenziell diffamierend hält, lässt er vom renommierten Medienanwalt Christian Schertz abwehren. Bach will sich nicht alles gefallen lassen. Zu viel steht auf dem Spiel.

Auch Tokio, Madrid und Istanbul wollen sich für ihre jahrelangen Kampagnen belohnen. Die Vergabe der Sommerspiele 2020 ist an diesem Samstag die erste Zukunftsentscheidung der olympischen Woche. Tokio und Madrid gehen fast gleichauf in den Endspurt, die Metropole am Bosporus scheint Boden verloren zu haben. "Keine der Bewerbungen ist ohne Risiko", analysiert IOC-Spitzenfunktionär Dick Pound.

Nach dem Tsunami und Erdbeben 2011 wird Tokios Kandidatur durch die Folgen der Fukushima-Katastrophe schwer belastet. Hunderte Tonnen verseuchtes Wasser sickern aus der Atomruine in den Pazifik. Madrids Bemühungen werden durch die angespannte, wirtschaftliche Lage, eine Arbeitslosenquote von 26,3 Prozent und eine wenig überzeugende Anti-Doping-Politik erschwert. Istanbul muss nach einem turbulenten Sommer auf eine Last-Minute-Überraschung hoffen. Gewalttätige Polizei-Reaktionen auf Anti-Regierungs-Demonstrationen, ein Doping-Skandal, bei dem mehr als 30 Athleten suspendiert wurden, und der Bürgerkrieg im benachbarten Syrien zwingen die türkische Olympia-Planer ständig zu beruhigenden Erklärungsversuchen.

Nimmermüde Überzeugungsarbeit leisten auch die Ringer. Sieben Monate nach der weltweit heftig kritisierten Empfehlung der IOC-Exekutive, den Traditionssport von 2020 an aus dem olympischen Programm zu streichen, stehen die Mattenkämpfer vor einem Comeback. Sogar die USA, Russland und der Iran haben sich zu einer Allianz zusammengeschlossen, um Ringen den letzten freien Platz im Olympia-Programm zu retten. Ein Führungswechsel an der Verbandsspitze, Modernisierungsmaßnahmen, Regeländerungen und die Aufnahme von zwei Gewichtsklassen bei den Frauen haben es möglich gemacht. "Ich bin sicher, dass es so kommen wird", meint IOC-Routinier Oswald vor der Abstimmung am Sonntag, "die Entscheidung war solch ein Fehler. Sie muss korrigiert werden."

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