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Sportpolitik  

Rogges Abschied: Keine Wehmut nach zwölf Jahren

04.09.2013, 10:17 Uhr | dpa

Rogges Abschied: Keine Wehmut nach zwölf Jahren. Jacques Rogge erkämpfte für den IOC einen Beobachterstatus bei der UN.

Jacques Rogge erkämpfte für den IOC einen Beobachterstatus bei der UN. (Quelle: dpa)

Buenos Aires (dpa) - Sein Büro im Lausanner IOC-Hauptquartier hat Jacques Rogge bereits säuberlich ausgeräumt. Auch den emotionalen Abschied von seinen langjährigen Angestellten und den Umzug zurück in seine belgische Heimat hat der 71-Jährige schon hinter sich.

"Ich sehe schon die Ziellinie und das Banner, auf dem steht: 10. September 2013", sagte der IOC-Präsident. "Natürlich hätte man alles noch besser machen können, aber ich denke, ich habe meine Aufgabe erfüllt und übergebe das IOC in sehr gutem Zustand." Seine zwölfjährige Amtszeit geht mit der Wahl seines Nachfolgers bei der 125. IOC-Vollversammlung in Buenos Aires zu Ende.

Nur noch sechs intensive Tage. Mit großer Selbstdisziplin und letzter Kraft scheint sich der Ober-Olympier ins Ziel zu schleppen. Rogge wirkt auch in Buenos Aires angeschlagen und erschöpft, will aber von Erleichterung nicht sprechen. "Erleichterung trifft es nicht, weil ich nie überlastet war", analysierte der Steuermann des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Er sei stolz auf das Erreichte und er gehe ohne Wehmut. Rogge geht als Stabilisator, der den Ringe-Orden nach dem größten Bestechungsskandal der IOC-Geschichte aus der Glaubwürdigkeitskrise geführt hat. Rogge stand vor allem für die neue Tadellosigkeit. Ein visionärer Erneuerer war er nicht.

Der ehemalige Chirurg und Orthopäde trat mit edlen Plänen an, als er am 16. Juli 2001 als achter IOC-Chef die Regentschaft von Juan Antonio Samaranch übernahm. Er wollte den Dopingsumpf trockenlegen, die Kostenexplosion eindämmen, die Wettmanipulation bekämpfen, das olympische Programm modernisieren und die Frauenquote erhöhen.

"Ich bewundere an ihm, wie zielstrebig und konsequent er seinen Weg gegangen ist, und das nicht nur beim Kampf gegen Doping", meinte Thomas Bach, der unter Rogge zehn Jahre als IOC-Vize gedient hat. "Er hat die Jugendspiele gegen großen Widerstand etabliert und gegen viele Skeptiker die IOC-Aufnahme in die UN mit Beobachterstatus durchgesetzt. Da hat er sich nicht beirren lassen."

Sechs Olympische Spiele (Salt Lake City 2002, Athen 2004, Turin 2006, Peking 2008, Vancouver 2010, London 2012) hat Rogge als IOC-Präsident mitgestaltet - und dabei einen Wandel vom Idealisten zum Pragmatiker durchgemacht. Das unvergessliche Ringe-Spektakel in London war das feierliche Finale seiner Olympia-Abenteuer - der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili vor der Eröffnungsfeier der Vancouver-Spiele der traurige Tiefpunkt seiner Präsidenten-Laufbahn.

Bereits vor seiner Wiederwahl 2009 in Kopenhagen mit überwältigender Zustimmung der IOC-Kollegen musste Rogge bittere Niederlagen einstecken. Vor den nervenaufreibenden Spielen in Peking, die er von seinem Vorgänger Samaranch "geerbt" hatte, wehte dem ehemaligen Olympia-Segler so viel Gegenwind ins Gesicht, dass er sogar öffentlich eine Krise eingestand. Die Vorwürfe einer Führungsschwäche trafen ihn schwer. Er habe ohnmächtig die Teilenteignung der Spiele gestattet, sich mit der Staatsmacht arrangiert, Menschenrechtsverletzungen und Presse-Zensur akzeptiert und die von gewalttätigen Angriffen begleitete Welttour des olympischen Feuers geduldet.

Auch die Vergabe der Retortenspiele 2014 an Sotschi, an Wladimir Putin und dessen Oligarchen-Freunde, wurde Rogge vorgehalten. Dabei war der Kurswechsel längst vollzogen. Wie Samaranch trieb auch der bescheidene Belgier den olympischen Kommerz voran und setzte auf das Big Business. "Wir haben 900 Millionen Dollar auf unserem Festgeldkonto", verkündete er.

Genauso beharrlich setzte er sich für die olympische Gleichberechtigung ein, die er neben dem Kampf gegen die Dopingseuche und der Einführung der Olympischen Jugendspiele als Vermächtnis hinterlässt. Durch die Aufnahme von Frauen-Boxen ins Programm konnte sich Rogge sogar für eine historische Premiere feiern lassen. In London waren in jeder Sportart Frauen am Start, alle 204 teilnehmenden Länder - auch Saudi-Arabien - hatten mindestens eine Athletin in ihrem Olympia-Team. "Das war ein Meilenstein", analysierte der Grandseigneur aus Gent.

Gesundheitlich hat Rogge in den vergangenen Monaten mehr und mehr abgebaut. Im September 2012 musste er sich eine künstliche Hüfte einsetzen lassen, in der letzten Zeit seiner Präsidentschaft widmete er sich vorwiegend repräsentativen Aufgaben.

Ausgerechnet kurz vor seinem Ausscheiden ist er mit seiner groß angekündigten Programmpolitik weitgehend gescheitert. Rogge hat zwar das olympische Comeback von Golf und Rugby ermöglicht, aber kein brauchbares System für die überfällige Aktualisierung der Sommerspiele entwickelt. Er wollte ganze Sportarten austauschen statt einzelne Disziplinen zu streichen und damit Platz zu machen für Trendsetter. So wird Ringen wohl doch olympisch bleiben - obwohl die IOC-Exekutive dem Traditionssport vor sieben Monaten den Olympia-Status aberkennen wollte.

Alle sechs Präsidentschaftskandidaten haben angekündigt, die Überarbeitung des Programms anders gestalten zu wollen - eine indirekte Rüge für Rogge. "Ich erwarte keine größeren Umwälzungen nach der Ära Samaranch und meiner. Es gibt keine Anzeichen für eine Revolution, sondern eher eine notwendige Weiterentwicklung meiner Arbeit", resümierte Rogge, der künftig als IOC-Ehrenmitglied bei Olympischen Spielen frei ohne jegliche Verpflichtungen den Sport genießen will. Mit den Herausforderungen Sotschi 2014 und Rio de Janeiro 2016 wird sich sein Nachfolger herumquälen müssen.

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