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Sportpolitik  

Das ungleiche Trio beim Kampf um den IOC-Thron

08.09.2013, 16:20 Uhr | dpa

Das ungleiche Trio beim Kampf um den IOC-Thron. Aus deutscher Sicht ist DOSB-Präsident Thomas Bach der Wunschkandidaat.

Aus deutscher Sicht ist DOSB-Präsident Thomas Bach der Wunschkandidaat. (Quelle: dpa)

Buenos Aires (dpa) - Gesucht wird ein durchsetzungsstarker Präsident, der mit der Weltorganisation IOC die kommenden Herausforderungen bewältigt, Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit vorantreibt, als Sportkenner politische und wirtschaftliche Interessen verknüpft und möglichst mehrsprachig ist.

Sechs Kandidaten sehen für sich dieses Anforderungsprofil erfüllt, aber nur dem Favoriten Thomas Bach und seinen Herausforderern Richard Carrion und Ng Ser Miang werden im Machtpoker um das wichtigste Amt der Sportwelt echte Siegchancen eingeräumt.

Stabhochsprung-Weltrekordler Sergei Bubka (Ukraine), der Schweizer Olympia-Diener Denis Oswald und Wu Ching-Kuo, ein Architekt aus Taiwan, müssen sich bei der Wahl des neunten IOC-Präsidenten am Dienstag in Buenos Aires mit Außenseiterrollen zufriedengeben.

"Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass das IOC auch nach meiner Zeit in guten Händen ist", sagte Jacques Rogge, der nach einer zwölfjährigen Amtszeit als Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ausscheidet. Der 71 Jahre alte Belgier machte sich, so betonte er immer wieder, für keinen Bewerber stark - weder öffentlich noch hinter verschlossenen Türen. Die Ethik-Regeln des IOC verbieten auch eine Unterstützung coram publico. Der einflussreiche Scheich Ahmad al-Sabah hielt sich trotzdem nicht daran und warb für Bach - öffentlich und hinter verschlossenen Türen. Ernsthaft bestraft wurde der "Königsmacher" aus Kuwait dafür nicht.

Ng und Carrion nahmen es gelassen, Bach hoffte, es würde ihm nicht zum Nachteil geraten. Es ist ein ungleiches Trio, das in der Lobby des hermetisch abgesperrten IOC-Hotels Lobbying bis zur letzten Minute betreibt. Der stille Diplomat aus Singapur, der knallharte Banker aus Puerto Rico und der ehrgeizige Wirtschaftsanwalt aus dem Fränkischen.

Der schwerreiche Ng ließ als Cheforganisator der ersten Olympischen Jugendspiele 2010 in seiner Heimat aufhorchen und als Botschafter in Ungarn und später in Norwegen. "Ich bin stolz, Asiate zu sein, und ich bin stolz Weltbürger zu sein", sagte der 61-Jährige. Ng wollte die Karte nicht spielen, ein Hoffnungsträger der aufstrebenden Sportmacht Asien zu sein - und spielte sie doch. Die asiatische Perspektive könne bei solch einer internationalen Organisation wie dem IOC nicht schaden, so Ng.

Der schwerreiche Carrion verdiente sich die Anerkennung seiner Kollegen als langjähriger Vorsitzender der Finanzkommission. Sein Rekord-Deal mit dem amerikanischen Olympia-Sender NBC über 4,38 Milliarden Dollar für die US-TV-Rechte bis 2020 brachte das IOC in eine komfortable Position. "Geld ist nicht das Wichtigste, das Wichtigste ist meine Leidenschaft für die olympische Bewegung", sagte der 60-Jährige, dem jeglicher Sport-Hintergrund fehlt. Der Vorsitzender der Banco Popular wollte nicht so viel über Geld plaudern - und plauderte doch viel über Geld, weil er sich als Vorstandsmitglied der elitären New Yorker Notenbank Federal Reserve damit einfach am besten auskennt.

"Ich habe für das IOC in den vergangenen Jahren Verträge in Höhe von mehr als acht Milliarden Dollar ausgehandelt", tönte Carrion, der sich selbst als eher schüchtern beschreibt und seine Kollegen durch Dauer-Anbiederei "nicht unter Stress setzen will".

Und Thomas Bach? Der wohlhabende Stratege aus Tauberbischofsheim besetzte die meisten IOC-Rollen von allen. Ein Multifunktionär aus Leidenschaft. Und Bach ist Fan von Bach - Johann Sebastian. "Der IOC-Präsident dient diesem Orchester als Dirigent", sagte der 59 Jahre alte Fecht-Olympiasieger von 1976. Er sei nicht gut in der Rückschau, behauptete Bach, musste aber gut in der Rückschau sein, sonst hätte er die zahlreichen Attacken seiner Gegner nicht immer wieder parieren können. "Wenn es klar unter die Gürtellinie geht, finde ich es legitim, sich zu wehren", erklärte er. "Alles muss man sich nicht gefallen lassen."

In der Hotel-Lobby sah es fast so aus, als ob Carrion und Ng gemeinsame Sache machten. Immer wieder steckten sie ihre Köpfe zusammen. Ein Doppelpass für spätere Wahlrunden? Vielleicht kommt es gar nicht zu späteren Wahlrunden. Bach wollte nicht spekulieren: "Ich konzentriere mich nur auf mich."

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