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Sportpolitik  

Ringen großer Gewinner im olympischen Überlebenskampf

08.09.2013, 18:53 Uhr | dpa

Ringen großer Gewinner im olympischen Überlebenskampf. FILA-Präsident Nenad Lalovic konnte die 125.

FILA-Präsident Nenad Lalovic konnte die 125. (Quelle: dpa)

Buenos Aires (dpa) - Sieben Monate nach der drohenden Streichung des Olympia-Status erhielt die Traditionssportart Ringen bei der 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Buenos Aires den letzten freien Platz im Programm der Spiele 2020 und 2024.

"Ich bin erleichtert und überglücklich. Aber unser Kampf hört damit nicht auf", sagte Ringer-Weltverbandspräsident Nenad Lalovic. Mit 49 von 95 abgegebenen Stimmen setzte sich Ringen klar vor den Mitbewerbern Baseball/Softball (24) und Squash (22) durch. Damit korrigierte die IOC-Session das Fehlurteil der eigenen Exekutive, die sich im Februar für die Streichung des jahrtausendealten Sport aus dem Programm ausgesprochen hatte.

Mit großer Erleichterung wurde das Votum auch im Lager der deutschen Ringer aufgenommen. "Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass man uns Ringer und unseren Sport nicht aus den Farben der olympischen Ringe reißt und auch künftig an der olympischen Idee festhält", sagte Jannis Zamanduridis, der Sportdirektor des Deutschen Ringer-Bundes. "Ich freue mich sehr über die richtige und sinnvolle Entscheidung des IOC und möchte allen weltweiten Unterstützern danken", meinte der 21-fache deutsche Meister Alexander Leipold, der 2000 das olympische Turnier gewonnen hatte.

Die Empfehlung der Exekutive, Ringen aus dem Olympia-Programm zu streichen, hatte weltweit Unverständnis und Empörung hervorgerufen. Zu den entschiedensten Fürsprechern der Ringer zählte unter anderen Kremlchef Wladimir Putin. Doch mit umfassenden Regeländerungen hatte die Sportart in den vergangenen Monaten unter dem Serben Lalovic ihren Reformprozess vorangetrieben. In Zukunft wird in zwei Runden à drei Minuten gekämpft und mehr Aktivität belohnt - die Kämpfe sollen nach Punkten und nicht wie bisher nach Runden entschieden werden. Es gibt zwei Gewichtsklassen mehr für Frauen - auf Kosten der Männer.

"Wir haben Fehler gemacht und wir haben zugehört und wir haben gelernt. Wir haben unsere Statuten demokratisiert mit mehr Frauen und Athleten im Vorstand", sagte Lalovic. "Der Verband hat die Gründe für die Streich-Empfehlung verstanden und gut reagiert", lobte IOC-Präsident Jacques Rogge, dessen große Reformpolitik gescheitert ist. Denn mit der Entscheidung pro Ringen bleibt beim Olympia-Programm alles beim alten. Rogges groß angekündigte Reform beschränkt sich auf die Aufnahme von Golf und Rugby bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

Trotz flammender Appelle bei den abschließenden Präsentationen fanden die Bewerbungen von Baseball/Softball und Squash bei den Olympiern kein Gehör. "Wir wollen das olympische Programm erfrischen", hatte der indische Weltverbandspräsident Narayana Ramachandran, erklärt und darauf hingewiesen, dass Squash in 185 Ländern gespielt werde. Auch für die gemeinsame Bewerbung von Baseball und Softball, die 2005 bei Olympia ausgemustert worden waren und 2008 in Peking letztmals auf dem Programm standen, fand sich keine Mehrheit.

Knapp zwei Stunden vor der Abstimmung hatte es noch eine kontroverse Debatte unter den Olympiern gegeben. IOC-Spitzenfunktionär Richard Pound kritisierte die Sinnhaftigkeit von Rogges vermeintlicher Programm-Reform, die seiner Meinung nach keine ist. "Jetzt sind wir wieder da, wo wir vor sieben Monaten begonnen haben. Squash und Baseball/Softball wurden durch unnötige Härtetests geschickt." Pound bat deshalb um einen Aufschub der Abstimmung bis zur kommenden Vollversammlung in Sotschi.

Bei der Session 2007 in Guatemala-Stadt hatten die IOC-Mitglieder einstimmig den Modus beschlossen, der Exekutive den Vorschlag zu überlassen, neue Sportarten aufzunehmen und alte aus dem Programm zu lösen. Rogge erinnerte seine Kollegen an Guatemala und verteidigte seine Strategie. "Wir sollten jetzt abstimmen und unsere eigene Entscheidung von damals respektieren." IOC-Marketing-Chef Gerhard Heiberg sah es ähnlich: "Alle Sportarten haben viel Zeit und Geld investiert. Sie erwarten von uns eine Entscheidung", sagte der Norweger.

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