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Sportpolitik  

IOC-Vize Thomas Bach vor dem olympischen Gipfelsturm

09.09.2013, 16:55 Uhr | dpa

IOC-Vize Thomas Bach vor dem olympischen Gipfelsturm. Thomas Bach geht mit Zuversicht in die Wahl.

Thomas Bach geht mit Zuversicht in die Wahl. (Quelle: dpa)

Buenos Aires (dpa) - Thomas Bachs Expedition auf den Olympia-Gipfel ist auf den letzten Metern. Die Route liegt klar vor ihm. Keine Fehltritte mehr, kein Risiko, nur noch mit Tunnelblick das ultimative Ziel fixieren.

"Meine Testwettkämpfe waren erfolgreich, meine Form stimmt, jetzt kann's endlich losgehen", sagte Bach zuversichtlich und kämpferisch. Franz Beckenbauer will dafür beten, dass der 59 Jahre alte IOC-Vize aus Tauberbischofsheim am Dienstag in Buenos Aires zum mächtigsten Mann des Weltsports gewählt wird. Höhenangst scheint der favorisierte Bach nicht zu haben - aber er hat starke Gegner mit starken Beratern.

Der machthungrige Banker Richard Carrion wird seit kurzer Zeit von James Carville gecoacht, dem Strippenzieher hinter Bill Clintons Wahlerfolg. Ng Ser Miang, Bachs zweiter Hauptrivale, ist eher ein Leisetreter, aber nicht weniger gefährlich. Der millionenschwere Singapur-Chinese geht als Hoffnungsträger des aufstrebenden Sportmacht-Kontinents Asien ins Wahlfinale. Die Stimmen des einflussreichen Scheichs Ahmad al-Sabah bekommt er nicht - der Kuwaiter unterstützt Bach. Jacques Rogge wird am Dienstag um 17.45 Uhr deutscher Zeit verkünden, wer als neunter IOC-Präsident sein Nachfolger wird. Stabhochsprung-Weltrekordler Sergej Bubka (Ukraine), Multifunktionär Denis Oswald (Schweiz) und Wu Ching-Kuo (Taiwan), Präsident des Box-Weltverbandes, gelten in diesem Sechskampf eher als chancenlose Mitstreiter.

Sein Büro im Lausanner Hauptquartier Château de Vidy hat der 71 Jahre alte Rogge bereits ausgeräumt. Bach, zehn Jahre lang Vize des Belgiers, ist nach den gescheiterten Bemühungen von Willi Daume 1980 erst der zweite Deutsche, der den Aufstieg auf den Olymp versucht.

Auch vor dem Tag der Wahrheit blieb sich der ehrgeizige Netzwerker treu. Händeschütteln, immer wieder Schulterklopfen und ein scheinbar gelöstes Lächeln. Wahlkampf ist anstrengend, vor allem wenn er so lange dauert wie bei Bach. Am 9. Mai hat er seine Bewerbung öffentlich gemacht, hingearbeitet hat er darauf jahrelang. Jetzt liegt sein Schicksal in den Händen von 101 Kollegen, von denen 96 in der ersten Wahlrunde abstimmen dürfen.

Nur einmal in seiner 119-jährigen Historie wurde das Internationale Olympische Komitee (IOC) von einem Nicht-Europäer geführt - von 1952 bis 1972 vom US-Amerikaner Avery Brundage. Carrion, der IOC-Finanzchef aus Puerto Rico, hat einen US-Pass und viele Ziele, aber keinen Sport-Hintergrund. Mehr Weltgeltung will er dem IOC verschaffen, das wie eine sportliche Ausgabe der Vereinten Nationen sei, so der Geschäftsführer der Banco Popular und Vorstandsmitglied der New Yorker Notenbank Federal Reserve.

Carrion will sich als Bachs Gegenentwurf positionieren, als weltmännischer Staatsmann mit einer klaren Vision von einem IOC der Zukunft. Sein stärkstes Argument blieb das Geld. Rogges wichtigster Geldbeschaffer hat für den Ringe-Orden Verträge in Höhe von mehr als acht Milliarden Dollar ausgehandelt, darunter den Rekord-Deal über 4,38 Milliarden Dollar mit dem TV-Giganten NBC. Den Wahlkampfsommer verbrachte der 60-Jährige in seinem Haus in Barcelona.

Auch Ng ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Reich geworden ist er mit der Übernahme eines Busunternehmens, das er später an den Staat verkaufte. Für die Regierungspartei saß er bis 2005 im Parlament, derzeit ist er Vorsitzender der größten Supermarktkette in Singapur. Wichtige Reden lässt er wie Carrion gern von Profis verfassen. Der 64-Jährige hat sich seine Unauffälligkeit zunutze gemacht. Unterschätzt wird er von keinem. Der Chef-Organisator der ersten Olympischen Jugendspiele 2010 in Singapur weiß, was er will. Die stille Diplomatie ist sein Spezialgebiet. Als ehemaliger Botschafter in Ungarn und Norwegen konnte er dies reichlich üben.

Unermüdlich ist der leidenschaftliche Segler um die Welt gereist, immer auf der Suche nach Rückenwind. "Die Zeiten ändern sich rapide, und wir müssen mithalten, um relevant zu bleiben. Ich glaube an Reformen und Stabilität", proklamierte er. Diese Aussage hätte auch von Bach stammen können oder den anderen Kandidaten. Alle propagierten die Null-Toleranz-Politik im Anti-Doping-Kampf, eine Modernisierung des olympischen Programms, eine Reform der Jugendspiele und die Eindämmung des Gigantismus, mit der das Problem der sinkenden Zahl olympischer Bewerberstädte gelöst werden soll. Bach will das sportliche Weltparlament zudem für Diskussionen mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur öffnen und eine professionellere Entscheidungsfindung fördern.

Seit seinem IOC-Eintritt 1991 hat der konservative Jurist dank verschiedener Rollen viele Facetten des Hochglanzprodukts Olympia kennengelernt. Dreimal wurde er bisher zum IOC-Vize gewählt. Jetzt will der Olympiasieger von 1976 mit der Florett-Mannschaft ganz nach oben.

Alle Fragen sind gestellt, einige Antworten stehen noch aus. Welche Persönlichkeit könnte im Falle von Bachs internationaler Beförderung eine taugliche Langzeitlösung an der DOSB-Spitze darstellen? Und wie will die deutsche Dachorganisation mit einem Führungsvakuum eine mögliche Münchner Olympia-Bewerbung um die Winterspiele 2022 erfolgreich stemmen? Bach bleibt die Auflösung (vorerst) schuldig. Er denkt weit voraus, geht seinen Weg aber Schritt für Schritt.

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