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Fußball  

Katar bleibt ein FIFA-Problem - Zwanziger provoziert

06.10.2013, 14:12 Uhr | dpa

Katar bleibt ein FIFA-Problem - Zwanziger provoziert. Theo Zwanziger (l) kritisiert seinen Nachfolger, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Theo Zwanziger (l) kritisiert seinen Nachfolger, DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Foto: Fredrik von Erichsen. (Quelle: dpa)

Zürich (dpa) - Joseph Blatter hat sein gravierendes Katar-Problem im Stile eines gewieften Machtmenschen erstmal an eine Task Force outgesourct.

Für Theo Zwanziger ist die Debatte um die höchst umstrittene WM 2022 aber noch brandaktuell und der Deutsche Fußball-Bund samt seines Präsidenten Wolfgang Niersbach in der Pflicht. "In wichtigen sportpolitischen Fragen wünsche ich mir natürlich, dass sich auch der DFB einschaltet. Aber das macht jeder in einer Führungsposition so, wie er es für richtig hält", sagte der frühere DFB-Präsident der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" und provozierte mit der verbalen Breitseite gegen seinen Nachfolger Niersbach einen Streit der nationalen Funktionärsriege.

Vom DFB wurde die Attacke umgehend zurückgewiesen. "Wenn ich mich recht erinnere, war Wolfgang Niersbach einer der Ersten, der sich nach der WM-Vergabe kritisch zu den Bedingungen in Katar geäußert hat. Und auch in der aktuellen Diskussion wird beim DFB sehr genau hingeschaut, worum es geht und welche Möglichkeiten der Fußball hat, Einfluss zu nehmen", sagte Mediendirektor Ralf Köttker am Sonntag. Zwanzigers Äußerungen wurden als Effekthascherei kritisiert. "Mit einer international abgestimmten Position bewirkt man in der Regel mehr, als mit ein paar schnell formulierten, populistischen Forderungen", sagte Köttker.

Zwanziger ist über sein Wirken als Architekt der Demokratiereform im Fußball-Weltverband in manch brisanten Fragen zu einem erkennbaren Mitglied des Blatter-Lagers geworden - seine Angriffe gegen Niersbach sind somit als Teil eines sportpolitischen Machtkampfes zu verstehen, den das Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees auf die nationale Ebene herunter bricht. Niersbach gilt als Katar-Skeptiker, ist aber eben auch enger Vertrauter von UEFA-Chef und Katar-Freund Michel Platini, Blatters wahrscheinlichem Herausforderer um den Präsidentthron beim Weltverband im Jahr 2015.

"Es gibt als Funktionär im Fußball allerdings nicht nur die schönen Seiten; auf der Tribüne sitzen, tolle Spiele sehen, interessante Leute treffen in Vip-Räumen. Man hat auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die sichtbar werden muss", kritisierte Zwanziger das bisherige Schweigen des DFB-Chefs zu den Berichten um Todesfälle von Gastarbeitern auf WM-Baustellen in Katar.

In der FIFA war Zwanziger bislang einsamer Mahner nach dem Bekanntwerden der unzumutbaren Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter am Golf. Überhaupt ist für den 68-Jährigen die WM noch lange nicht Skandal-befreit. "Wer glaubt, dass nach der Entscheidung für ein Konsultationsverfahren Katar aus den Schlagzeilen ist, der irrt. Es gibt ja noch die Korruptionsvorwürfe, die in den Medien kursieren", sagte Zwanziger.

Sein Chef Blatter hatte am Freitag mit diplomatischen Verbalwindungen alle Verantwortung abgeschoben. "Es darf uns nicht gleichgültig sein, aber es ist nicht die Kontrollaufgabe der FIFA", sagte Blatter zu den Berichten über angeblich 44 tote Bauarbeiter aus Nepal allein in diesem Sommer. Die Gründung einer Task Force zur Klärung des bestmöglichen WM-Termins im Winter 2022 ist für Blatter eine tragbare Lösung; die europäischen Clubs und Ligen sind besänftigt und werden in die Kompromiss-Suche eingebunden.

Die Rolle des FIFA-Chefs rund um das Katar-Problem ist aber höchst diffizil. Eigentlich kann er überhaupt kein Interesse daran haben, sein WM-Hochglanzprodukt oder mögliche wichtige Geldquellen in der Golfregion öffentlich zu beschädigen. Andererseits war Blatter trotz seiner Freundschaft mit dem Emir nie ein Fan der Golf-WM.

Manifestierte Bestechungsvorwürfe und eine Aberkennung der WM-Rechte kämen ihm sogar zupass, würde damit Platini als Kandidat massiv beschädigt werden. Dessen Sohn ist geschäftlich mit Katar verbandelt, kurz vor dem WM-Zuschlag dinierte Platini senior mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem Emir von Katar im Elysée-Palast.

Zwanziger könnte in der kommenden Zeit also häufiger als Fürsprecher Blatters erscheinen oder als Kritiker von Platini und dessen Verbündeten wie Niersbach. "So lange sich Michel Platini dazu nicht äußert, gibt es für mich nichts zu sagen. Das sind sowieso Entscheidungen, welche die Ethikkommission gegebenenfalls bewerten muss. Dass das insgesamt nicht gut rüberkommt, ist klar", sagte Zwanziger zu den ungeklärten Vorwürfen gegen Platini.

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