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Phantomtor: Hoffenheim gegen Leverkusen wird wohl nicht wiederholt

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Phantomtor  

"Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering"

21.10.2013, 13:17 Uhr | sid, t-online.de

Phantomtor: Hoffenheim gegen Leverkusen wird wohl nicht wiederholt. Der Moment für die Geschichtsbücher: Stefan Kießlings Kopfball liegt im Kasten, ein Tor ist es aber nicht. (Quelle: imago/Avanti)

Auch wegen Stefan Kießlings Phantomtor ist die Torlinientechnik in der Bundesliga ein Thema. (Quelle: imago/Avanti)

"Skandalös". "Unglaublich". "Du denkst, du hast einen Sehfehler." Die Reaktionen auf das Phantom-Tor von Stefan Kießling gegen die TSG Hoffenheim (2:1) waren eindeutig: So etwas darf nicht passieren, so etwas darf es nicht geben, hieß es unisono. Und auch über die Folgen sind sich eigentlich alle einig. Das Spiel muss noch einmal ausgetragen werden. "Alles andere wäre ja ein Witz", sagte TSG-Trainer Markus Gisdol. Doch die Kraichgauer hoffen wohl vergeblich. "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass es zu einem Wiederholungsspiel kommt", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch der "Bild".

Der beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für Rechtsfragen zuständige Koch hofft, dass sich der Weltverband FIFA möglichst schnell meldet und sagt, wie er den Vorfall bewertet. "Es ist aber wohl so, dass man einen Regelverstoß konstruieren müsste, damit der Einspruch berechtigt ist", fügte Koch hinzu. Auch in Richtung der FIFA hatte er schon zuvor gefragt, ob nun die Tatsachenentscheidung erschüttert werden müsse, damit es eine Wiederholung des Spiels geben könne.

Regelverstoß - oder kein Regelverstoß?

Diesen Regelverstoß sehen die Hoffenheimer in der Aussage des sehr schwachen Referees Felix Brych, der nach der Partie zugab, bei dem vermeintlichen Treffer "leichte Zweifel" gehabt zu haben. "Ein Tor darf dann nicht anerkannt werden, wenn Zweifel bestehen", zitierte Hoffenheims Manager Alexander Rosen den entscheidenden Passus.

Hoffenheim legt offiziell Protest ein

1899 fordert eine Wiederholung des skandalösen Spiels gegen Leverkusen.

1899 fordert eine Wiederholung des Spiels gegen Leverkusen.


"Wenn Schiedsrichter Brych Zweifel hat, muss er weiterlaufen lassen oder seinen Assistenten befragen. Hat er nicht. Ein Regelverstoß", ergänzte Hoffenheims Anwalt Markus Schütz.

Da die betreffende Regelpassage allerdings mit dem Nebensatz "Zweifel, ob der Ball vollständig drin war" endet, läuft die TSG Hoffenheim hier wohl in eine Sackgasse. Denn vollständig drin war der Ball definitiv. Er nahm nur den falschen Weg ins Netz - nämlich durch das Netz. Auch der renommierte Sportrechtler Christoph Schickhardt räumt der Argumentation in der juristischen Auseinandersetzung um das Phantom-Tor von Sinsheim keine Chance ein. "Zweifel des Schiedsrichters auf dem Weg zur Entscheidung sind unerheblich", sagte der Jurist bei Sky Sport News HD

Die Löwen sind entscheidend

Und auch der Verweis auf die Mutter aller Phantom-Tore durch Thomas Helmer, das ein Wiederholungsspiel zur Folge hatte, ist wohl sinnlos. Denn auch wenn es für den damaligen Nicht-Torschütze Helmer "keine Frage" sei, dass das Spiel wiederholt werden müsse, grätscht auch hier Koch dazwischen: "Der entscheidende Fall ist das Spiel 1860 München gegen den Karlsruher SC aus dem Jahr 1997, als ein Tor von Thomas Häßler fälschlicherweise gegeben wurde", sagte er.

"Damals hat die deutsche Gerichtsbarkeit auf Wiederholung gepocht, aber die FIFA hat den Fall einkassiert und hat auf die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters hingewiesen."

Schiris pro Wiederholungsspiel

Unterstützung gibt es unterdessen hingegen von zwei ehemaligen FIFA-Schiedsrichtern. Bernd Heynemann glaubt an die Flexibilität der FIFA und geht von einem Wiederholungsspiel aus. "Ich denke, dass die FIFA im Fall Hoffenheim sagen wird, dass man nicht immer nur auf die Tatsachenentscheidung pochen kann. Es steht ja im Regelwerk, dass es zu einer Spielwiederholung kommen kann, wenn der Schiedsrichter eine Fehlentscheidung getroffen hat. Ich bin mir sicher, dass der DFB deshalb auch so entscheiden wird", sagte er der "Welt".

Auch der frühere Weltschiedsrichter Markus Merk hofft, dass die FIFA nicht auf die Tatsachenentscheidung pocht. "Es wäre ein Affront gegen den Fußball, wenn es keine Neuansetzung gäbe."

Völler hat eine Idee

Mittlerweile haben selbst die Leverkusener ein schlechtes Gewissen. Sportdirektor Rudi Völler - ein Gerechtigkeitsfanatiker - brachte umgehend eine weitere Variante ins Spiel: "Wir spielen die letzten 22 Minuten neu. Beim Stand von 1:0 für Leverkusen geht es mit einem Abstoß für Hoffenheim weiter", sagte er der "BamS".

Trotz dieser Bemühungen sieht es allerdings nicht gut aus für die Kraichgauer. Das letzte Wiederholungsspiel im internationalen Spitzenfußball gab es bei der Qualifikation zur WM 2006. Bei der Partie Bahrain gegen Usbekistan lief ein Spieler bei einem Elfmeter zu früh in den Strafraum, der Schiedsrichter erkannte das Tor zurecht nicht an, entschied dann aber statt auf Wiederholung des Strafstoßes auf indirekten Freistoß für das gegnerische Team. Ein klarer Regelverstoß. Diesen gab es bei Kießlings Treffer wohl nicht.

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