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Gewichtheben  

Steiner-Wehmut bei Gewichthebern: Suche nach Talenten

21.10.2013, 14:04 Uhr | dpa

Steiner-Wehmut bei Gewichthebern: Suche nach Talenten. Olympiasieger Matthias Steiner hat seine Gewichtheber-Karriere beendet.

Olympiasieger Matthias Steiner hat seine Gewichtheber-Karriere beendet. Foto: Jan Woitas. (Quelle: dpa)

Breslau (dpa) - Das Gewichtheben in Deutschland kannte in den vergangenen Jahren nur einen Namen: Matthias Steiner. Seit der Olympiasieger aus Heidelberg vor sieben Monaten die Heberbühne jedoch für immer verlassen hat, ringt die deutsche Mannschaft um Profil und Erfolge.

"Matthias war der Eisbrecher, der den Weg für die anderen freigeräumt hat, der alle Blicke auf sich gezogen hat", sagt Nachwuchs-Bundestrainer Thomas Faselt und gibt zu: "Matthias fehlt uns. Er hat das Gewichtheben im Gespräch gehalten."

Um den Fortbestand des deutschen Hantelsports müsse man aber nicht fürchten, meint Faselt. "Wir haben einige Lichter am Horizont." Derzeit bei der WM in Breslau wird man voraussichtlich nur wenig leuchten sehen. Die fünf Olympia-Teilnehmer von London sind nicht dabei. Ex-Europameister Jürgen Spieß und der ehemalige Vize-Europameister Almir Velagic aus Speyer mussten sich vor Monaten einer Operation unterziehen und brauchen Zeit fürs Comeback. Der Chemnitzer Tom Schwarzbach, im vergangenen Jahr Europameister in der Disziplin Stoßen, musste wegen einer Knieverletzung passen.

Von den fünf deutschen Athleten in Breslau waren drei noch nie bei einer WM: Robert Joachim und Michael Müller (beide Berlin) sowie Robert Oswald (Frankfurt/Oder). Lediglich der Chemnitzer Robby Behm (2011 Platz 19) und der Obrigheimer Jakob Neufeld (2011 Platz 14) besitzen WM-Erfahrung. Alle starten in der B-Gruppe. Frauen sind wegen mangelnder Klasse gar nicht dabei.

"Dieses Jahr ist ein Sichtungsjahr. Im nächsten Jahr geht es um die ersten Punkte für die Olympia-Qualifikation", erklärt Oliver Caruso, der Sportdirektor Frank Mantek als Bundestrainer beerbt hat. Christian Baumgartner, Präsident des deutschen Verbandes BVDG, verdeutlicht das gegenwärtige Leistungsloch: "Es geht mehr um Olympia 2020 als um 2016."

Caruso, Olympia-Dritter von 1996, ist um seinen Job nicht zu beneiden. Die fetten Jahre, als die Restbestände der DDR-Hantelsports wie Ronny Weller, Marc Huster und Ingo Steinhöfel sowie West-Talent Caruso die schwarz-rot-goldene Fahne auf der Weltbühne eifrig schwenkten, sind unwiederbringlich vorbei. "Ich knick so schnell nicht ein", beteuert Caruso. "Die Leistungssteigerungen der Jungs in den vergangenen Wochen sind für mich eine tolle Motivation."

Baumgartner sieht den Verband gefordert. "Wir müssen in der Jugendarbeit massiv zulegen. Wir müssen Sportinteressierten einen guten Grund geben, Gewichtheben zu betreiben. Warum sind andere Sportarten attraktiver?", fragt der Tierarzt aus Bayern. "Jugendliche machen Sport, weil sie gemeinsam mit anderen etwas unternehmen und erleben wollen. Da müssen wir ansetzen und ihnen etwas bieten."

Starken Zulauf erlebt gegenwärtig die aus den USA importierte Trainingsmethode Crossfit mit dem Bestandteil Gewichtheben. Auch hier will der BVDG nach Talenten fahnden. "Wir brauchen mehr Masse. Ist die Konkurrenz größer, werden wir auch besser dastehen", meint der einstige Frauentrainer Faselt, der zuständig ist für Sichtung und Konzepte bis zum U-17-Bereich.

Selbst im Weltverband IWF zerbricht man sich den Kopf, wie Gewichtheben attraktiver werden kann. Das Wettkampfsystem soll reformiert werden, um damit das Fernsehen an sich zu ketten. "Damit beschäftigen sich jetzt Kommissionen", sagt Baumgartner.

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