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100 Tage vor Olympia 2014 steht Milliardenprojekt Sotschi in der Kritik

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100 Tage vor Olympia  

Heftige Kritik am Milliardenprojekt Sotschi

30.10.2013, 14:48 Uhr | sid

100 Tage vor Olympia 2014 steht Milliardenprojekt Sotschi in der Kritik. Arbeiter bringen die Olympischen Ringe an einem Bahnhof in Sotschi an. (Quelle: imago/Tar-Tass)

Arbeiter bringen die Olympischen Ringe an einem Bahnhof in Sotschi an. (Quelle: Tar-Tass/imago)

Menschenrechtsverletzungen, Umweltsünden, Terrorangst: 100 Tage vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Sotschi trüben Horrorszenarien und anhaltende Kritik an den Gastgebern die Stimmung. Eine Trendwende ist nicht in Sicht, auch wenn die großen Bosse kräftig die Werbetrommel für das gigantische Prestigeobjekt rühren.

Zum Start des letzten großen Countdowns besuchten Wladimir Putin und Thomas Bach die Stadt am Schwarzen Meer. Der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der erstmals seit seinem Amtsantritt am 10. September nach Sotschi reiste, fand eine boomende 400.000-Einwohner-Stadt vor, in der noch an allen Ecken und Enden gewerkelt wird. 38 Milliarden Euro an Investitionskosten für neue Infrastrukturmaßnahmen wollen für die teuersten Winterspiele der Geschichte erst mal verbaut werden.

Der IOC-Präsident und der Staatschef eröffneten schon mal Seite an Seite den neuen Hauptbahnhof. Und je nachdem, wie genau Bach hinter die Fassade schaut, wird er auf Abgründe stoßen. Die Jagd von Milizen auf vermeintlich illegale Arbeiter im Auftrag der Regierung hat in den vergangenen Wochen international für Empörung gesorgt. Die Abschiebungen basieren unter anderem auf der Annahme, dass die Kriminalität in die Höhe schnellen könnte, wenn es in der Stadt nichts mehr zu bauen gibt.

IOC weitgehend machtlos

So weit ist es aber noch nicht. Deshalb sollen nun aus allen Winkeln des Riesenreichs Arbeitslose nach Sotschi kommen, damit bis zur Eröffnungsfeier am 7. Februar alles fertig wird.

Dem rigiden Vorgehen stehen das IOC und Bach weitgehend machtlos gegenüber. Dass sie ernsthaft intervenieren, ist ausgeschlossen. Bach gibt sich mit Putins Zusagen zufrieden, auch was die Anwendung des weltweit heftig kritisierten Anti-Homosexuellen-Gesetzes betrifft. "Wir müssen sichergehen können, dass die Olympische Charta eingehalten und es keinerlei Diskriminierungen geben wird. Dafür haben wir auch die Zusicherung der höchsten Autoritäten des Landes", sagt Bach und fügt schon mal vorbeugend hinzu, das IOC sei "kein übergeordnetes Parlament", das anlässlich Olympischer Spiele "Gesetze über ein Land verhängen" könne.

Rogge erlebte in Peking ein Debakel

Putin gab in Sotschi allen Schwule und Lesben erneut eine Wohlfühl-Garantie: "Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass sich Athleten, Fans und Gäste bei den Olympischen Spielen wohl fühlen, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, der Rasse oder der sexuellen Ausrichtung."

Für Bach steht bei seinem ersten Olympia-Auftritt als IOC-Präsident viel auf dem Spiel. Sein Vorgänger Jacques Rogge erlebte 2008 in Peking ein Debakel, als er hinnehmen musste, dass die chinesischen Gastgeber die Sommerspiele auch mit Hilfe von Pressezensur für ihre Zwecke missbrauchten. Auch diesmal treiben die Macher ihr Projekt ohne Rücksicht auf Verluste voran.

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Auf dem Weg zu Olympia 2014 in Sotschi macht die Fackel einen Abstecher zum Nordpol. Video

Vor dem Bau des riesigen Olympiaparks unweit des von Palmen gesäumten Schwarzmeerstrandes wurden mehr als hundert Familien zwangsumgesiedelt. In dem sogenannten "Küsten-Cluster" finden die Hallensportarten statt, der Rest wird gut 50 Kilometer Richtung Nordosten in den Bergen ausgetragen. Alle Wettkampfstätten wurden aus dem Boden gestampft, ebenso eine Verbindungsautobahn zwischen beiden Clustern, gegen die Naturschützer und Anwohner vergeblich Sturm laufen.

"Es wird kaum eine große Party werden"

Dass die Reißbrett-Spiele funktionieren werden, bezweifeln sogar einige IOC-Mitglieder. "Es wird kaum eine große Party werden", sagt Gianfranco Kasper: "Das ist eine Region, die kaum Sport kennt: Es gibt keine Skiklubs oder Eishockey-Teams - nichts. Es wird schwierig sein, Atmosphäre zu schaffen."

Auch die strengen Sicherheitsvorkehrungen könnten auf die Stimmung drücken. Nach konkreten Drohungen durch den tschetschenischen Terror-Chef Doku Umarow vergab Putin Sicherheitsgarantien. In der vergangenen Woche musste er sie wiederholen, nachdem im 700 km von Sotschi entfernten Wolgograd eine Selbstmordattentäterin in einem Linienbus mindestens sechs Menschen mit in den Tod riss.

Weitere Negativschlagzeilen kassierte Russland zuletzt wegen rassistischer Anfeindungen gegen Yaya Toure, Fußball-Profi des FC Chelsea, im Champions-League-Spiel bei ZSKA Moskau. Und seit Wochen schaut die internationale Presse mit Argusaugen auf den Fortgang des Prozesses gegen festgenommene Greenpeace-Aktivisten. Sotschi, so viel ist klar, geht unter schwierigen Voraussetzungen an den Start.

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